Lob für Flick

FC Bayern „von allen guten Geistern verlassen“ - Ex-Pressesprecher fällt vernichtendes Urteil über Brazzo

Hansi Flick hat seinen Abschied vom FC Bayern angekündigt. Ein ehemaliger Pressesprecher übt harte Kritik an der Außendarstellung des Vereins um Sport-Vorstand Hasan Salihamidzic.

München - Der FC Hollywood ist zurück. Hansi Flick* spielt den Alleinunterhalter und verkündet entgegen aller Absprachen mit dem FC Bayern* seinen Abschied nach Saisonende. Der Vorstand begnügt sich mit der Statistenrolle und überlässt seinem Trainer die Bühne. Erst einen Tag später, als die große Show vorüber ist, ringen sich die brüskierten Bosse zu einem knappen Statement durch.

„Der FC Bayern missbilligt die nun erfolgte einseitige Kommunikation durch Hansi Flick und wird die Gespräche wie vereinbart nach dem Spiel in Mainz fortsetzen“, hieß es abschließend in einer Stellungnahme am Sonntag. Die Bayern wollten mit der Bekanntgabe des Endes der Ära Flick wohl mindestens bis nach dem Mainz-Spiel in einer Woche warten. Flick hatte offenbar andere Pläne und schrieb sein eigenes Drehbuch.

FC Bayern „von allen guten Geistern verlassen“ - Ex-DFB-Pressesprecher Stenger übt scharfe Kritik

Die Uneinigkeit, die der Verein in der Öffentlichkeit in dieser Thematik an den Tag legt, verwundert viele Beobachter. Ein Experte auf dem Gebiet der Kommunikation im Fußball-Geschäft lässt nun kein gutes Haar an der Außendarstellung der FCB-Bosse.

„Die Bayern haben immer für hochprofessionelles Denken und Arbeiten gestanden. Deshalb wurden sie zu Unrecht von der Konkurrenz und deren Fans angefeindet. Aber momentan sind sie bei der Beurteilung der Lage von allen guten Geistern verlassen“, lautet das Fazit des ehemaligen DFB-Mediendirektors Harald Stenger im Bayerischen Rundfunk. Der 70-Jährige berichtete mehr als drei Jahrzehnte für die Frankfurter Rundschau, unter anderem als „Fußball-Chef“, und begleitete die deutsche Nationalmannschaft bei drei Weltmeisterschaften als Pressesprecher.

FC Bayern: Stenger sieht Flick als Opfer von Salihamidzic

Apropos Geister. Der Verein könne „momentan von Glück reden, dass es nur Geisterspiele in der Bundesliga gibt. Denn sonst würde es am Dienstag beim Spiel gegen Leverkusen massive Demonstrationen der Fans Pro Hansi Flick und Contra Brazzo Salihamidzic geben.“ Stenger hatte Sport-Vorstand Hasan Salihamidzic erst vor kurzem vorgeworfen*, Flick loswerden zu wollen.

Stenger sagte im Interview mit BR24 Sport, ihm war „spätestens nach dem Hinspiel gegen PSG klar, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, dass Hansi Flick hinwirft“. Seiner Meinung nach wurde dabei eine regelrechte Provokationskette losgetreten: „Wenn Brazzo, der mit ihm ja viele Konflikte hatte, sich lächelnd vor die Kameras stellt – eine halbe Stunde vor Anpfiff – und sagt, dass es ja bekannt ist, dass er sehr gut mit Hansi Flick zusammenarbeitet, dann ist das ja eine Provokation, die nicht zu überbieten ist.“

Zudem verkündete Salihamidzic, dass der Vertrag mit Jerome Boateng nicht verlängert werde. „Und wenn man dann hört, dass er am Nachmittag vor dem Spiel beim Aufwärmen Jerome Boateng mitgeteilt hat, dass der Vertrag nicht verlängert wird, dann weiß jeder, der Hansi ein bisschen kennt, dass er dieses Theater nicht mitmacht und aus meiner Sicht zu Recht“, so Stenger.

FC Bayern: Stenger verteidigt Flick

Stenger kann Flicks Ankündigung gut verstehen. Es sei zwar strittig, ob man heute „so etwas einseitig erklären kann“. Deshalb ist „der Ärger der Bayern darüber verständlich“. Aber man dürfe auch die Frage stellen: „Wie haben sich die Bayern eigentlich in diesen Gesprächen verhalten? Wie haben sie sich darauf vorbereitet, das Worst-Case-Szenario zu verkünden?“

„Hansi Flick ist sich absolut treu geblieben. Bevor er seine Entscheidung an die Öffentlichkeit bringt, hat er die Mannschaft informiert. Das ist typisch Hansi Flick und das Einzige, was man in dieser Sache machen kann, wenn man professionell arbeitet“, lobt Stenger den FCB-Trainer. Es gäbe nämlich „nicht nur den netten Hansi, sondern auch den knallharten Hansi, der diese unpopulären oder in diesem Fall vielleicht auch populären Positionen vertritt. Nicht in der Sache Selbstdarstellung, sondern im Sinne der Sache und des Erfolgs.“ Mittlerweile sind neue brisante Details über sein Aus durchgesickert, offenbar kontaktierte Flick schon vor Wochen einen Anwalt. (ck) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Sven Hoppe/dpa

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