Kommentar

Hoeneß’ Werben um Heynckes: Penetrant ist das passende Wort

FC Bayern München - Vorstellung Trainer Heynckes
+
Karl-Heinz Rummenigge (l.) und Uli Hoeneß (r.) werben penetrant um Jupp Heynckes.

Beim Werben um einen Verbleib von Trainer Jupp Heynckes lassen Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge „die notwendige Eleganz“ vermissen, stellt Merkur-Redakteurin Hanna Raif in ihrem Kommentar fest.

Am Freitag, rund um die Mittagszeit, wird Jupp Heynckes den Medienraum an der Säbener Straße betreten, wie jeden Freitag gut gelaunt sein und freundlich grüßen. Der 72 Jahre alte Bayern-Trainer wird sich hinsetzen, prüfen, ob sein Sitz die richtige Höhe hat und im Fall der Fälle ein Wasser zur Hand wäre, und dann wird er geduldig auf alles antworten, was gerade zur Debatte steht. Ein Prophet muss man nicht sein, um zu wissen, dass auch die Frage aller Fragen dabei sein wird. Bleibt er oder geht er? Da hat Uli Hoeneß unter der Woche ganze Arbeit geleistet.

Man hat es kommen sehen, deshalb ist es keine echte Überraschung, dass die Bayern-Bosse – Vorgesetzte, aber auch Freunde von Heynckes – ihre sogenannte „Charme-Offensive“ knallhart durchziehen. Wann immer ein öffentlicher Auftritt der beiden Strippenzieher dieses Klubs angesetzt ist, sind neue Aussagen garantiert. Honig ums Maul schmieren, sagt man zu dieser Taktik, die im Alltag nicht selten von Erfolg gekrönt ist. Nur ist es inzwischen schon so, dass bei diesem Thema jedes Wort wirkt wie eines zu viel.

Lesen Sie auch: „Kein Plan B zu Heynckes“: Warum hinter Hoeneß‘ Aussage wohl Kalkül steckt

Natürlich kann man niemandem vorwerfen, sich um die Weiterbeschäftigung eines verdienten Mitarbeiters zu bemühen. Die Bayern sind überzeugt davon, dass Jupp Heynckes der richtige Mann ist, um den Abgang alternder Stars sowie die Integration entwicklungsfähiger Talente zu moderieren. Damit liegen sie – auch mangels Alternativen – sicher nicht falsch. Und trotzdem darf man infrage stellen, ob die öffentlich vorgetragene Taktik unter dem Motto „Und täglich grüßt das Murmeltier“ die richtige ist. Gerade ist erst der Januar rum, was soll in den kommenden vier Monaten noch alles kommen?

Penetrant ist das passende Wort. Die bei anderen Trainerwechseln bewusst defensive Haltung im Umgang mit der Öffentlichkeit ausgerechnet bei ihm ins Gegenteil zu kehren, mag als Mittel zum Zweck gesehen werden. Es ist aber gegenüber diesem Mann, dem der Verein schon jetzt sehr, sehr viel zu verdanken hat, – mit Verlaub – nicht sonderlich fein. Heynckes ist eingesprungen, als Hoeneß ihn bekniet hat, er war für seinen Freund da, als der ihn brauchte. Als Dank nimmt man nicht seinen kleinen Finger, sondern zieht – im Blitzlichtgewitter – an seiner ganzen Hand.

Selbst wenn Heynckes es sich doch noch mal überlegt: Die „notwendige Eleganz“, die Karl-Heinz Rummenigge in dieser Causa versprochen hat, vermisst man. Immerhin darf man davon ausgehen, dass der Umworbene selbst die neuerlichen Avancen morgen stilvoll abwiegeln wird. Jede Wette: Er wird den Raum auch mit einem freundlichen „Auf Wiedersehen“ verlassen.

Lesen Sie auch: Hoeneß-Werbekampagne für Jupps Ja geht weiter

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Verliert Bayern auch Miro Klose? Auch Flick-Assistent könnte bald wegen Salihamidzic gehen
Verliert Bayern auch Miro Klose? Auch Flick-Assistent könnte bald wegen Salihamidzic gehen
Rummenigge und Kahn von Flick-Aussage völlig überrascht - sie waren schon auf dem Weg zum Flugzeug
Rummenigge und Kahn von Flick-Aussage völlig überrascht - sie waren schon auf dem Weg zum Flugzeug

Kommentare