Der Bayern-Trainer ganz privat

Ancelotti: Drei Spielern muss man (fast) nichts mehr beibringen

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Carlo Ancelotti beim Training der Bayern. 

München - In einem Interview spricht Carlo Ancelotti über seine italienische Heimat und verrät, welchen Bayern-Spielern er nur noch wenige Anweisungen geben muss. 

Carlo Ancelotti hat sich in München gut eingelebt. Er fühlt sich wohl in der bayerischen Landeshauptstadt, die italienische Heimat ist nicht weit weg und mit seiner bisherigen Arbeit beim FC Bayern ist der 57-Jährige auch zufrieden. In einem ausführlichen Interview mit der Süddeutschen Zeitung  gibt Ancelotti nach einem halben Jahr in München Einblicke in seine Arbeit als Trainer wie auch in sein Privatleben. 

Drei seiner Spieler spricht Ancelotti dabei ein großes Lob aus. Sie hätten so viel Erfahrung und verstehen das Spiel so gut, dass man ihnen nur noch wenig beibringen müsse, sagt der Coach. Und wen meint er damit? „Bei den Bayern wären das für mich Lahm, Müller und Alonso.“

Salami zu Weihnachten

Generell achtet Ancelotti auf ein gutes Verhältnis zu seinen Spielern, was viele mit Nachgiebigkeit verwechseln, wie er erklärt. Stattdessen versucht er, „mit allen zu reden und, was noch wichtiger ist, allen zuzuhören. Ich würde zum Beispiel niemals auf Zeitplänen bestehen. Wenn die Spieler lieber nachmittags trainieren wollen als vormittags - warum denn nicht?“ Gerade die jungen Spieler, betont Ancelotti, brauchen Unterstützung, um im Rampenlicht einer Profi-Karriere nicht den Kopf zu verlieren.

Ancelotti selbst kennt diese Erfahrung, er erinnert sich nur zu gut an seine Gefühle, als er sein erstes Gehalt bekam. Als Sohn eines Bauern wuchs Ancelotti in dem Dort Reggiolo in der Emilia Romagna in armen Verhältnissen auf. Die Familie besaß nicht viel, aber er hatte eine glückliche Kindheit. „Wenn ich jetzt daran denke, überkommt mich die Nostalgie.“ Der Vater hielt Kühe, das einzige Schwein wurde an Weihnachten geschlachtet und das Fleisch zu Salami verarbeitet. Die Würste hingen dann über Ancelottis Bett. 

Weihachten feiert der Maestro dieses Jahr allerdings nicht in Italien, sondern bei der Familie seiner Frau in Vancouver. Italienisches Essen gibt es aber trotzdem - Ancelotti steht dafür selbst am Herd. Neben seinem Leibgericht Tortellini wird er Bollito, ein Gericht mit gekochtem Fleisch, und den traditionellen italienischen Weihnachtskuchen Panettone servieren. 

„Wenn sie so spielen wollen, sollen sie das tun“

Als neuer Trainer des FC Bayern hatte Ancelotti im Sommer ein erfolgreiches und perfekt eingespieltes Team von Pep Guardiola übernommen. „Mir war bewusst, dass die Bayern sehr stark sind, hervorragend aufgestellt. Aber ehrlich gesagt ist es mir nie in den Sinn gekommen, dass das ein Problem für mich sein könnte“, resümmiert Ancelotti. 

Er hat seine eigene Ideen zu den Bayern mitgebracht - dazu gehört auch sein 4-3-3-Spielsystem aus Madrid, mit dem man sich in München allerdings nicht so recht anfreunden wollte. Also reagierte Ancelotti und änderte die Taktik. Heute spielen die Bayern wie unter Guardiola in einer 4-2-3-1-Formation - und Ancelotti ist zufrieden damit. „Erfolgreich ist nicht das System, sondern dessen Anwendung. Wenn meine Spieler lieber 4-2-3-1 spielen, dann sollen sie das tun. Für mich sind andere Dinge wichtig. Rhythmus, Spielintensität, Kombinationssicherheit, Organisation. Das kann man in allen Systemen immer noch verbessern“, so der Italiener. 

WM mit 48 Teams? Zu viele Spiele, zu wenig Sehenswertes

Kritik an seinen Methoden erlebte Ancelotti in München in der Mini-Krise nach den Niederlagen gegen Dortmund und Rostow. Intern blieb dabei aber alles ganz ruhig, betont der Trainer: „Natürlich haben wir analysiert, wie es zu diesen Niederlagen kommen konnte. Aber ohne Dramen und ohne große Diskussion.“ Und wie geht Ancelotti mit Kritik von außerhalb des Vereins um? „Vielleicht ist es auch von Vorteil, dass mein Deutsch noch nicht so gut ist. Deshalb bekomme ich die Kritik von außen im Moment nicht so mit“, antwortet Ancelotti. 

Er selbst äußert sich jedoch mehrmals kritisch zu mehreren aktuelleren Entwicklungen im Fußball, zum Beispiel dem Plan von FIFA-Präsident Infantino, das Turnier auf 48 Teilnehmer aufzustocken. „Bei der letzten Europameisterschaft gab es bereits zu viele Mannschaften, zu viele Spiele und zu wenig Sehenswertes“, ist Ancelottis Kommentar dazu. Allgemein gebe es zu viele Spiele, moniert er, „ und das beeinflusst zwangsläufig die Qualität“. 

Außerdem dürfe man nicht vergessen, dass der Fußball am Ende nur ein Spiel ist. „Manchmal nimmt man den Fußball zu wichtig, als ginge es um Leben und Tod, als wäre so ein Spiel wie eine Schlacht. Das finde ich übertrieben.“ 

sr

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