Starke 45 Minuten reichen nicht zur Tabellenführung

Bayerns zwei Gesichter: Kovac-Elf scheitert daran, das Spiel 90 Minuten lang zu dominieren

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Robert Lewandowski verkörpert aktuell wie kein anderer Spieler die gute Seite des deutschen Rekordmeisters

Nur ein Punkt, die Tabellenführung verpasst – die Bilanz des FC Bayern nach dem 1:1 (1:1) im Spitzenspiel bei RB Leipzig liest sich ernüchternd.

Update vom 16. September 2019: Auftakt für die deutschen Vereine in der Königsklasse. Wir haben zusammengefasst, wie Sie das Champions-League-Spiel Benfica Lissabon gegen RB Leipzig live im TV und im Live-Stream sehen können.

Vor allem, nachdem Dortmund gegen Leverkusen souverän mit 4:0 (1:0) gewann und somit in der Tabelle wieder am Rekordmeister vorbeizog. Im Osten der Republik trat erneut ein Bayern-Problem zu Tage, das den Rekordmeister in der noch jungen Saison schon häufiger beschäftigt hat. Der FCB schaffte es weder gegen Hertha (2:2) und Mainz (6:1), noch gegen Leipzig 90 Minuten lang Herr der Lage zu sein. Immer wieder gönnt sich das Team von Niko Kovac folgenschwere Auszeiten, lädt sogar vermeintlich schwache Gegner zu Torchancen ein. Bayerns zwei Gesichter – ein grundsätzliches Trainer-Problem? Thomas Müller wiegelt ab: „Kein Feuer legen, bitte!“

FCB dominiert, RB läuft hinterher

Gegen Mitte der ersten Halbzeit bekamen der FCB und Coach Kovac das wohl größtmögliche Lob ausgesprochen - vom Leipziger Publikum. Die RB-Fans hatten genug gesehen, es wurde gepfiffen. Die Unmutsbekundungen waren nicht zu überhören. Und sie waren die Konsequenz dessen, was die Münchner bis dato auf den Rasen der Red-Bull-Arena gezaubert hatten. 75 Prozent Ballbesitz, gepaart mit dem Gefühl der totalen Chancenlosigkeit für Leipzig. Bayern ließ RB laufen wie die Schuljungen. Julian Nagelsmann sprach später von einem „Waldlauf ohne viel Fußball“. Kovac schwärmte zu Recht: „Wir haben in der ersten Halbzeit mit das beste Spiel gemacht, seitdem ich hier bin.“

Impressionen vom Spiel:  RB Leipzig gegen FC Bayern in der Bildergalerie bei tz.de*

Das war zu großen Teilen ein Verdienst des kroatischen Trainers. Er hatte Joshua Kimmich und Thiago erneut ins Zentrum beordert, Leipzig – zunächst mit nur einem defensiven Mittelfeldmann aufgestellt – kam gar nicht erst in die Zweikämpfe. Den einzigen Vorwurf, den der FCB sich machen konnte, formulierte Manuel Neuer: „In der ersten Halbzeit war viel mehr drin. Da hätten wir das eine oder andere Tor mehr machen können.“ Thomas Müller meinte: „Nach der ersten Halbzeit dürfen wir niemals mit 1:1 in die Pause gehen.“

Nachdenklicher Kovac: Der FCB zeigt viel Licht, aber auch viel Schatten

Was die Bayern so stark machte? Die Innenverteidiger Niklas Süle und Jerome Boateng zogen Leipzigs Offensivspieler, die erste Angriffsreihe also, mit gutem Passspiel weit auseinander. Auf dem rechten Flügel drehte Kingsley Coman Gegenspieler Marcel Halstenberg nach Belieben ein. Wie erwähnt fiel aber nur ein Bayern-Tor: Robert Lewandowski traf nach drei Minuten. Kurz vor der Halbzeitpause hob Lucas Hernandez dann im RB-Strafraum ab, den Elfmeterpfiff nahm Schiedsrichter Sascha Stegemann nach Studium der Bewegtbilder korrekterweise zurück. Stattdessen gab’s kurz danach Elfmeter für Leipzig. Und dann zeigten die Bayern plötzlich ihr anderes Gesicht…

Taktik-Kniff bei RB überrumpelt FCB

So gut die erste bayerische Hälfte war, so billig ließen sich die Roten im zweiten Abschnitt überrumpeln. Der naheliegende taktische Kniff von Nagelsmann, auf Viererkette umzustellen, reichte aus, um beim FCB das Chaos ausbrechen zu lassen. RB hatte plötzlich einen Mann mehr im Mittelfeldzen­trum, verwickelte die Gäste in viele Zweikämpfe und hatte mit Yussuf Poulsen jemanden gefunden, der die Kreise von Kimmich und Thiago eingrenzte.

Der Live-Ticker vom Spiel zum Nachlesen: Bayern verpasst Lucky Punch

Neuer kritisierte: „Wir wissen, dass Nagelsmann taktisch umstellen kann – das hat er mit Hoffenheim schon gemacht. Das war nichts Überraschendes für uns! Wir müssen drauf reagieren, mutiger sein und mit dem Selbstverständnis der ersten Halbzeit weitermachen.“ Als Kritik an Kovac wollte er das ausdrücklich nicht verstanden wissen. „Wir waren darauf vorbereitet, wir kennen die Systeme.“ Der Trainer selbst sorgte mit einer kruden Aussage zu den Umstellungen seines Kollegen für Aufsehen. Am Sky-Mikrofon sagte Kovac: „Es ist schwierig, während des Spiels Einfluss zu nehmen auf die Mannschaft. Klar kann man umstellen, aber ich weiß nicht, ob jeder alles mitbekommt.“

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Letztlich hätte der FCB genau diesen Impuls von der Seitenlinie gebraucht, um sich nicht auf den offenen Schlagabtausch in Durchgang zwei einlassen zu müssen.

Die taktische Umstellung der Leipziger war das eine, das zweite Münchner Problem war die fehlende Flexibilität im Vorwärtsgang. Stellt ein Team wie RB das Zentrum zu, ist der FCB mit dem flügellastigen Fußball leicht auszurechnen. Das dürfte in der Champions League härter bestraft werden – eher nicht am kommenden Mittwoch beim Königsklassen-Auftakt gegen Roter Stern Belgrad, spätestens aber Anfang Oktober gegen Tottenham Hotspur. Spätestens dann klärt sich auch die Frage, welches das wahre Bayern-Gesicht der bisherigen Saison ist.

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