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Hoeneß: Feuchte Augen beim Fan-Beifall

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Uli Hoeneß
Hoeneß’ großer Wunsch zum Amtsantritt: „Ich möchte darum bitten, dass wir alle mehr Gelassenheit zeigen. Wir müssen wieder gemeinsam den Spruch Mia-san-mia leben, uns nicht von außen anpinkeln lassen. Wir müssen unsere Ziele gnadenlos anstreben und verwirklichen.“ © dpa

München - Der Übergang erfolgte fließend. Vom Start der Jahreshauptversammlung um kurz nach 19 Uhr an führte Franz Beckenbauer gewohnt charmant durchs Programm der Veranstaltung.

Um 21.59 Uhr änderte sich dann jedoch alles. Eine neue Zeitrechnung beim FC Bayern wurde auch auf dem riesigen Podium in der Messehalle C1 dokumentiert: Uli Hoeneß übernahm das Wort und führte – als Präsident, nicht mehr als Manager – durch die Tagesordnung.

Erste Amtshandlung: Er verteidigte gegen den Einwand eines Mitglieds die Maßnahme des Anteilsverkaufs an Audi. „Wir werden Geschicke nicht in falsche Hände geben“, versprach Hoeneß, „bis zur nächsten Mitgliederversammlung keine Anteile mehr verkaufen“. Bei seiner Antrittsrede gab er offen zu, dass wir „vor diesem Abend etwas Muffensausen hatte“, forderte dann aber Zusammenhalt: „Ich glaube ihr alle habt erkannt, was wir miteinander hier geleistet haben. Wir haben die Basis gelegt für eine gute Zukunft des Klubs.“ Hoeneß’ großer Wunsch zum Amtsantritt: „Ich möchte darum bitten, dass wir alle mehr Gelassenheit zeigen. Wir müssen wieder gemeinsam den Spruch Mia-san-mia leben, uns nicht von außen anpinkeln lassen. Wir müssen unsere Ziele gnadenlos anstreben und verwirklichen.“ Nach Blick auf Finanzielle und Schuldenabbau bei der Allianz Arena (Hoeneß: „Wenn wir alles abbezahlt haben, sind wir in der ganzen Welt eine Macht“) will der Neu-Präsident seine Schaffenskraft jetzt wieder mehr dem Fußball widmen: „Wir können uns wieder mehr auf die sportlichen Ziele konzentrieren. Das verspreche ich Ihnen.“ Abteilung Attacke – auch als Präsident. Ein Gruß galt dann auch dem Lokalrivalen: „Wenn 1860 ernsthaft aus der Allianz-Arena ausziehen will, werden wir alles dafür und sie bestimmt nicht daran hindern“, so Hoeneß.

Uli Hoeneß - Sein Leben in Bildern

Der Tag hatte für das Bayern-Urgestein mit einem Vorstandsessen angefangen, um 18.53 Uhr betrat er die Halle – ohne sich vorher „groß Gedanken“ gemacht zu haben, wann genau der Wechsel vom Manager zum Präsidenten vollzogen werden sollte. Der Abend wurde zu einer einzigen Huldigung des ehemaligen (!) Managers. Die bloße Erwähnung seines Namens reichte, um die Mitglieder von ihren Plätzen zu reißen. Als Karl-Heinz Rummenigge zu seiner Hommage auf Hoeneß ansetzt, kam er nicht weit. „Unser Manager, 30 Jahre Leidenschaft pur in diesem Amt“, begann der Vorstandsvorsitzende – und wurde von den rund 5000 Mitgliedern in der Messehalle unterbrochen. Erste Standing ovations, um 20.56 Uhr. Klar, auch Franz Beckenbauer wurde verabschiedet, erhielt immer wieder respektvollen Applaus. Doch noch mehr Jubel, herzliche Ovationen gab es für Hoeneß. „Uli ist Motor, Seele, Säule des Vereins, er ist ein Vorbild, Zuhörer, Ratgeber und im Hintergrund guter Engel mit großem Herzen“, würdigte Karl-Heinz Rummenigge seinen langjährigen Vorstandskollegen – und sprach stellvertretend für alle Mitglieder: „Innovativ, heiter, dominant, impulsiv, manchmal auch explosiv: Die Initialen UH stehen für vieles und alles.“

Rummenigges Rede freute Hoeneß. Richtig gerührt war er aber, als ihm die ganze Herzlichkeit der Fans entgegenschlug. Da konnte sich Gefühlsmensch Hoeneß nicht mehr beherrschen. Nachdem die Halle zum zweiten Mal allein zu Ehren 57-Jährigen aufstand, saß Hoeneß mit nassen Augen auf dem Podium. „Der Uli ist etwas ergriffen. Das ist ein gutes Zeichen“, urteilte Rummenigge. „Jetzt wird Uli Präsident. Ich weiß noch, wie er damals daherkam: Blond, wallendes Haar. Und schnell war er, manchmal zu schnell“, erklärte der neue Ehrenpräsident- und Spielführer Beckenbauer daraufhin gewohnt nonchalant: „Wir haben alles erlebt. Er war von Anfang an ein Manager, Uli hat seine Konditionen selbst ausgehandelt. Er ist schon als Manager auf die Welt gekommen.“ Fast bis zur Geburt reichte der Videobeitrag über Hoeneß’ Wirken beim FC Bayern zurück: Nicht nur eine bloße Aufzählung seiner gigantischen Titelsammlung, sondern auch Würdigung des unglaublichen sozialen Engagements des Managers. Bestes Beispiel: Neben den Kategorien „Meistertitel“ und „Pokalsiege“ gab es auch den Unterpunkt „Gerettete Vereine“ – mit Klubs von St. Pauli bis Gern.

Beckenbauer umarmte nach seiner Rede seinen Nachfolger herzlich, dann wurde es ernst – zumindest auf der Tagesordnung. Die Wahl des Präsidiums stand an. Weniger als ein halbes Prozent des ganzen Saals (20 Mitglieder) stimmten gegen Hoeneß & Co., um 21.59 Uhr war es offiziell. Der neue Präsident nahm die Wahl mit einem kurzem „Ja“ an. Der Beginn einer neuen Ära. An Hoeneß’ Handeln wird sich freilich nicht viel ändern. Die Befürchtung Beckenbauers, „dass du dich ein bisserl zurücklehnen wirst“, war mehr Spaß denn Ernst. Vielmehr dürfte der Kaiser mit seinem abschließenden Satz Recht haben: „Du bist die Seele des Klubs und wirst es weiterhin bleiben.“

ta

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