Klinsi widerspricht dem Schiedsrichter: "Ein astreines Tor"

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Jürgen Klinsmann sah die umstrittene Situation anders als der Schiedsrichter.

Hamburg/München - Verhaltener Jubel beim Meisterschaftsanwärter Hamburger SV, tief gefrusteter FC Bayern München.

Nach dem Fußbruch von Verteidiger Bastian Reinhardt fiel die Party nach dem 1:0- Zittersieg in den Katakomben der Nordbank-Arena dezent aus. “Bastian wird uns Monate ausfallen, das ist sehr bitter“, sagte HSV-Coach Martin Jol, den die Personalsorgen mehr zu beschäftigen schienen als der Blick auf die Tabelle mit der zumindest kurzfristigen Spitzenposition. “Es wird keinen Zweikampf Bayern gegen Hoffenheim geben, spätestens seit heute Abend ist der HSV im Titelrennen“, sagte Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge, “und Leverkusen ist auch nicht so weit entfernt“.

Recht schmallippig begaben sich Jürgen Klinsmann und sein düpiertes Team auf die Rückreise, auch wenn sich der junge Vereinstrainer kämpferisch gab: “Das wirft uns nicht um, wir haben 16 Spiele vor uns, wo wir alle Möglichkeiten haben, aus eigener Kraft Meister zu werden“. Seine Körpersprache war eine ganz andere. Vier Tage nach dem 5:1-Pokalfest in Stuttgart wirkte er ernüchtert und sauer auf seine Spieler. Den für seine Verhältnisse schwachen Franck Ribéry entschuldigte der ehemalige Bundestrainer mit Wadenproblemen, die fahrlässige Chancenverwertung von Miroslav Klose (66./82. Minute), Luca Toni (69.) und Bastian Schweinsteiger (3.) ärgerte ihn aber maßlos: “Die Chance von Schweinsteiger - wenn ich hundertprozentig da bin, mach' ich ihn rein“.

“Das haben wir uns natürlich ganz anders vorgestellt“, gab der Nationalspieler selbst zu, “wir haben lange kein Spiel verloren, jetzt hat es uns mal wieder erwischt. Hamburg hatte seine Chancen, trotzdem hätten wir hier gewinnen müssen.“ Die letzte Niederlage datierte vom 27. September beim 0:1 in Hannover.

Keine Schuld suchte Klinsmann bei Schiedsrichter Knut Kircher, der die Treffer von Toni (29.) und Klose (48.) nicht anerkannte, auch wenn er zumindest den abgepfiffenen Zweikampf des Italieners mit Reinhardt anders sah als der Referee: “Ein astreines Tor“. Ob Kloses Kopfball über die Torlinie vom bestens abwehrenden Frank Rost sprang, konnten auch zahlreiche TV-Zeitlupen nicht aufklären.

Rummenigge kritisierte die fehlende Aggressivität des Rekordmeisters in den Zweikämpfen: “Vielleicht haben wir nach dem guten Spiel in Stuttgart geglaubt, mit halber Kraft zu spielen - das geht gegen den HSV nicht“. Zumindest in Halbzeit eins schienen die Bayern überrascht, dass die heimstarken Norddeutschen so gar keinen Respekt zeigten und mühelos von ihrer konzentrierten Defensive in die Vorwärtsbewegung umschalteten.

Piotr Trochowski zeigte dabei seinen Willen, mehr und mehr in die Rolle von Spielgestalter Rafael van der Vaart hineinzuwachsen. “Er kann noch mehr, er kann den letzten Pass wie van der Vaart spielen“, bestätigte Jol, der bis zum Transferschluss am Montag um 24.00 Uhr noch dringend Verstärkung für die Abwehr forderte.

Der französische Mittelfeldakteur Mickael Tavares von Slavia Prag, mit dem am Samstag letzte Details für einen Vertrag bis 2012 ausgehandelt wurden, und der Venezolaner Tomas Rincon reichen nicht, will man im Norden ein Wörtchen um den Titel mitreden. Im Sturm sind die Hanseaten zumindest bis Saisonende mit dem noch in Karlsruhe gesperrten Ivica Olic und dem Torschützen Mladen Petric (44.) gut aufgestellt. Zu Paolo Guerrero klafft eine große Lücke, die Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer bis zur neuen Saison, wenn Olic für die Bayern stürmt, mit einem Teil der Millionen in der gut gefüllten Kasse schließen sollte.

Der FCB beim HSV: Bilder vom Spiel und die Bayern-Spieler in der Einzelkritik

Endlich Rückrundenstart! Jürgen Klinsmann zeigt sich am Spielfeldrand zuversichtlich. Uli Hoeneß putzt noch einmal sein Visier für freie Sicht. © dpa
HSV-Coach Martin Jol lacht. © Fishing4
Wer gewinnt, ist mindestens über Nacht Tabellenführer. © Fishing4
Das dürfte doch eigentlich Motivation genug sein. © Fishing4
Außerdem wollen beide Teams im Kampf um die Spitze dauerhaft ein Wörtchen mitreden. © Fishing4
Mitunter geht es ruppig zu. © Fishing4
In der Anfangsphase kommen beide Teams zu guten Chancen. Bastian Schweinsteiger (FCB) setzt einen Volleyschuss übers Tor, Piotr Trochowski (HSV) trifft mit einem Fernschuss den Pfosten. © dpa
Der erste große Aufreger: Luca Toni trifft ins Tor und schraubt schon jubelnd an seinem Ohr, doch der Treffer wird nicht gegeben. Er soll Bastian Reinhardt unfair gehalten haben. Sehr fragwürdig. © Fishing4
"Wenn der Schiedsrichter pfeift, ist es Foul", sagt Philipp Lahm nach dem Spiel im ARD-Interview. Grundsätzlich korrekt, aber: Die Fans diskutieren die Schlüsselszene heiß - mit gutem Grund. © dpa
Aggressivleader unter sich: Mark van Bommel im Zweikampf mit David Jarolim © Fishing4
Der Noch-Hamburger und Bald-Bayer Ivica Olic brummt seine Sperre (nach Tätlichkeit im Testspiel gegen Hoffenheim) ab. © dpa
Der FC Bayern nutzt seine Chancen nicht, der HSV schon: Jarolim kommt aus 21 Metern zum Schuss. Den abgefälschten Ball kann Michael Rensing nicht festhalten. Der Ball kommt zu Mladen Petric ... © Fishing4
..., und der Kroate staubt ab. © Fishing4
Der Ball zappelt im Tor. © dpa
Petric jubelt. © dpa
Und Petric wird bejubelt! © dpa
Jürgen Klinsmann hingegen ist zur Pause bedient. © dpa
Kurz nach Wiederanpfiff beinahe das 0:2 gegen die Bayern: Mladen Petric spitzelt den Ball an Rensing vorbei an den Pfosten. Den Nachschuss vergibt Guerrero (Foto). © dpa
Wieder ein Aufreger: Der Kopfball von Miroslav Klose landet auf der Linie - oder dahinter? Schiedsrichter Knut Kircher lässt weiterspielen. Auch die Fernsehbilder geben keine eindeutige Antwort, HSV-Torwart Frank Rost behauptet nach dem Spiel im Interview, er habe klar vor der Linie gerettet. © Fishing4
Im Verlauf der zweiten Halbzeit kommen beide Teams weiter zu Chancen. © dpa
Die größte hat wohl Miroslav Klose in der 66. Minute. Gegen seinen Schuss bekommt HSV-Keeper Frank Rost gerade noch einen Fuß dazwischen und lenkt ihn irgendwie über die Latte. Auch Franck Ribéry und Bastian Schweinsteiger (Foto) erhöhen die Schlagzahl. © dpa
Der FC Bayern kämpft, will mit aller Macht das Spiel drehen. Aber auch der HSV bleibt gefährlich. © dpa
Die letzte Großchance für den FC Bayern hat Luca Toni in der 87. Minute. Aus kurzer Distanz braucht er eigentlich nur noch einzuköpfen - und vergibt. Will er es zu genau machen? © dpa
Der Ball muss ins Tor, nicht der Luca Toni! Der Italiener ist nach seiner vergebenen Chance enttäuscht. Das Spiel endet 0:1. Es wäre mehr drin gewesen. © Fishing4
Franck Ribéry: Nichts zu sehen von der Zaubermaus. Blieb hängen, schoss nicht aufs Tor und ließ Fantasie und Kreativität vermissen. Posaunte unter der Woche, wie viele Vereine doch interesse an ihm haben und dass er Elfer gefälligst so schießt, wie er will. Taten ließ er diesmal nicht folgen. Note 5 © Fishing4
Daumen hoch von HSV-Trainer Martin Jol: Die Hamburger stürmen an die Tabellenspitze. © Fishing4
Die Bayern freut's weniger. In der Folge sehen Sie die Einzelnoten. © dpa
Michael Rensing: Segelte an einem Pfostenschuss vorbei. Beim Gegentor kann man sich streiten. Aber der Ball war abgefälscht, deshalb kann man ihm keinen allzu großen Vorwurf machen. Insgesamt strahlte er aber nicht die Sicherheit aus, die er müsste. Note 4 © dpa
Christian Lell: Licht und Schatten. Nach drei Minuten bediente er mustergültig Schweinsteiger und gab den Pass zum Toni-Tor das abgepfiffen wurde. Oft überfordert sorgte er für Gefahr vor dem Bayern-Tor. Note 4 © dpa
Ab der 66. Minute: Altintop: ohne Bewertung. © dpa
Lucio: Klärte zwei Mal in allerhöchster Not. Seinen bedingungsloser Körpereinsatz brachte ihm eine Kollision mit Demichelis ein, die fast das Aus bedeutet hätte. Aber er biss auf die Zähne, machte weiter. Note: 3 © dpa
Philipp Lahm: Ein Musterbeispiel für effizientes Abwehrverhalten. Perfektes Timing bei jeder Grätsche. Elegant sieht es auch noch aus, wenn der linke Verteidiger einem den Ball abluchst. Überragend dieser Typ. Offensiv kam aber zu wenig. Note 3 © dpa
Mark van Bommel: Ein Kampfnachweis par excellence. Hielt die Mitte oft dicht und verstand sich als perfektes Bindeglied zwischen Abwehr und Angriff. Hart aber fair agierte der Kapitän. Eine richtig gute Leistung des Holländers. Note 3 © dpa
Martin Demichelis: Mal glänzend, mal überhastet. Gewann viele Zweikämpfe, musste aber auch das eine oder andere Mal zu unfairen Mitteln greifen. Note 3 © dpa
Zé Roberto: Kam kaum ins Spiel. Die Hamburger deckten ihn aggressiv und schnitten ihm clever die Laufwege ab. Hinzu kamen einige Fehlpässe. Nicht sein bester Tag. Note: 5 © dpa
Ab der 70. Minute: Tim Borowski: ohne Bewertung. © Fishing4
Bastian Schweinsteiger: Vergab in der dritten Minute eine Riesenmöglichkeit, als er per Seitfallzieher knapp übers Tor setzte. Freistöße landeten oft in der Mauer. Half hinten öfter mit aus. Offensiv zu Ideenlos und mit wenig Durchschlagskraft wenn er es auf eigene Faust probierte. Ein Klassenunterschied zur Partie in Stuttgart. Note 5 © dpa
ab der 77. Minute: Donovan, ohne Bewertung © dpa
Miroslav Klose: Ein Fremdkörper in Hamburg. Extrem wenig Torgefahr, kaum gelungene Aktionen. War Phasenweise überhaupt nicht zu sehen. Lief oft einfach nur nebenher. Note 5 © Fishing4
Luca Toni: Bester Mann der Offenive. Rackert was das Zeug hielt. Erzielte ein reguläres Tor. Note 3 © dpa

Quelle: DPA

Quelle: tz

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