"Können das Tempo noch höherschrauben"

Noch Luft nach oben?
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Noch Luft nach oben?

Nach dem triumphalen 5:1 (3:0)-Pokalsieg im Stil einer Übermannschaft beim völlig desolaten VfB Stuttgart schwelgten die Verantwortlichen des FC Bayern München in den höchsten Tönen und die Spieler sprachen offen von Titelgewinnen.

“Ein Riesenkompliment an meine Mannschaft. Das war ein kleines Ausrufezeichen an die Konkurrenz“, kündigte ein rundum zufriedener Coach Jürgen Klinsmann weitere Coups an. Manager Uli Hoeneß tönte: “Die Konkurrenz weiß jetzt, wo wir stehen.“ Und Verteidiger Philipp Lahm reservierte gleich zwei Trophäen für die Münchner: “Wenn wir so spielen, werden wir Meister und Pokalsieger.“ Am Freitag soll der Hamburger SV beim Rückrundenauftakt der Fußball-Bundesliga das nächste Opfer der wie zu ihren Galazeiten brillierenden Bayern werden.

Stand der deutsche Rekordmeister zum Abschluss der Hinrunde noch am Rand einer Niederlage bei den Schwaben, so zog er beim ersten Pflichtauftritt nach der Winterpause den zuvor unter Teamchef Markus Babbel fünfmal ungeschlagenen VfB wie einen Zirkusbären am Nasenring durch die ausverkaufte “Manege“. “Wir haben unsere Lehren aus dem damaligen 2:2 gezogen“, sagte Klinsmann. Gegen die mut- und ratlosen Stuttgarter waren die Münchner dieses Mal aber auch nie gefordert. “Wir hatten viel zu viel Angst. Wir haben richtig einen verbraten bekommen“, räumte Babbel nach der Blamage ein. “Ich war froh, als das Spiel 'rum war, sonst hätte es noch bitterer werden können.“ Der trotz seines späten Ehrentreffers (84. Minute) wie das ganze Team weit unter Normalform agierende Mario Gomez gestand: “Wir haben als ganze Mannschaft versagt.“

Cup-Verteidiger FC Bayern spazierte nicht nur im Schongang

VfB-FCB: Die Bayern in der Einzelkritik und weitere Bilder vom Spiel

VfB-FCB: Die Bayern in der Einzelkritik und weitere Bilder vom Spiel © 
Der Schock steht ihm ins Gesicht geschrieben: VfB-Trainer Markus Babbel. © dpa
Ribéry trifft zum 2:0 für die Bayern. © dpa
Während der Franzose zum Jubeln aufbricht, fuchtelt Jens Lehmann wild mit den Armen. © dpa
Klares Signal in die Stuttgarter Kurve. © dpa
Schließlich noch die Glückwünsche von Schweini abholen. © dpa
Schneller als Khedira: Franck Ribéry. © dpa
Luca Toni erzielt das 3:0 und schraubt... © dpa
... und schraubt und schraubt. © dpa
Schließlich darf Ribéry gratulieren. © dpa
Jens Lehmann motzte und lamentierte. Allein, es half nichts. Der Ex-Nationalkeeper kassierte satte fünf Buden. © dpa
Was Ribéry misslang, schafft Schweini: Er verwandelt den zweiten Bayern-Elfmeter zum 4:0 sicher. © dpa
Franck Ribéry sogar am Boden noch schneller am Ball als Jan Simak. © dpa
Luca Toni obenauf, Serdar Tasci down. © dpa
Die VfB-Spieler wie begossene Pudel... © dpa
Jens Lehmann ... © sampics
... ist bedient. © sampics
Den Bayern-Verantwortlichen hingegen ... © sampics
... ist das Erstaunen über die Höhe des Siegs ins Gesicht geschrieben. © sampics
... die Bayern dagegen ließen sich zurecht von ihren Fans feiern. © dpa
Eine eindrucksvolle Vorstellung. © dpa
Hoch sollen wir leben! © sampics
Was ist denn das bitte für ein spitzbübisches Lächeln? Uli Hoeneß und der DFB-Pokal... © dpa
Die Einzelkritik: Michael Rensing: In der ersten Halbzeit nicht ein einziges Mal gefordert. Auch ohne Keeper hätte der VfB das Bayern-Tor nicht getroffen. In der zweiten Häfte fing er sich dann doch noch eins. Der Rest? Eine Weltklasse-Parade und viel Ruhe. Note: 2 © dpa
Christian Lell: Verrichtete auf Rechts seinen Part solide. Allerdings: Gegen die offensiv nicht existenten Stuttgarter konnte er naturgemäß nicht sonderlich auffallen. Note: 3 © fishing4
Lucio: Gute Darbietung. Wenn’s hart auf hart kommt, ist er sich für nichts zu schade. Scherenschläge in der Luft oder Kopfballduelle mit Migräne-Gefahr? Egal. Lucio ist dabei. Note: 3 © dpa
Martin Demichelis: Machte mit Lucio den Laden dicht. Wirklich viel musste er dafür nicht leisten, denn die Stuttgarter strahlten überhaupt keine Torgefahr aus. Dafür hätte aber Demichelis um ein Haar eingeköpft. Egal, er muss ja nur Tore verhindern, und das tat er gut. Note 3. © fishing4
Philipp Lahm: Wie immer. Fehlerlos, ballsicher, eifrig, intelligent. Permanent im Vorwärtsgang, ohne jemals die Defensive zu vernachlässigen. Mann, ist der gut. Note: 2 © dpa
Bastian Schweinsteiger: Maßvorlage auf Demichelis, die nicht verwertet wurde, dann kurz darauf das 1:0. Schweini nutzte einen kapitalen Fehler von Boka und netzte souverän ein. Per Elfer traf er auch zum 4:0. Note: 1 © dpa
Ab der 58. Hamit Altintop: Gab sofort Gas, beackerte die rechte Seite wie gewohnt laufstark. Er will ins Team, das merkt man. Aber nach dieser Schweini-Leistung wird’s nichts leichter. Note: 3 © dpa
Mark van Bommel: Bleibt er? Geht er? Seine Entscheidung steht an. Bis dahin spielt er allerdings verdammt gut. Ruhig, souverän und dominant. Vor allem defensiv eine abgezockte und wertvolle Darbietung des Holländers. Note: 3 © Sampics
ab der 46. Minute: Ottl. Reihte sich mühelos in die Bayern-Maschinerie ein. Note 3. © Sampics
Zé Roberto: Elfer rausgeholt, Tor vorbereitet und selber eingenetzt. Glänzend vom 34-Jährigen. Jede Aktion hatte Hand und Fuß. Ruhig und überlegt machte Zé wie so oft alles richtig. Note: 1 © dpa
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Franck Ribéry: Zwischen Genie und Wahnsinn. Leitete das 2:0 ein und vollendete eiskalt. Mit vielen Zauberpässen, aber auch mit viel Arroganz. Versuchte wieder mal einen Panenka-Elfer per Lupfer. Doch Lehmann blieb stehen. Insgesamt eine ziemlich starke Leistung von Ribéry. Note: 2 © dpa
Miroslav Klose: Eine gute Chance versiebte er, weil er zu lange mit dem Abschluss zögerte. Dem ersten Elfer ging sein Schuss voraus. Kapital konnte bekanntlich nicht daraus geschlagen werden. Mannschaftsdienlich wie immer. Note: 3 © dpa
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Luca Toni: Die Stuttgarter deckten ihn konsequent, aber nicht überhart. Zu selten konnte er sich von den Schwaben befreien. Einmal reichte es dann aber doch – und der Ohrschrauber begrüßte die Stuttgarter Kurve. Nach Traumvorlage von Ribéry lupfte Toni lässig an Lehmann vorbei. Ein weiteres Tor bereitete er mustergültig vor. Note: 2 © dpa
Ab der 68. Landon Donovan: ohne Bewertung. © fishing4

Cup-Verteidiger FC Bayern spazierte nicht nur im Schongang ins Pokal-Viertelfinale, er schockte mit seiner lehrbuchhaften Demonstration modernen Fußballs auch die gesamte nationale Konkurrenz und meldete zugleich Ansprüche für die Champions League an. “Wir wollen in Europa so weit wie möglich kommen und die Bundesliga wieder gewinnen“, sagte Klinsmann. Luca Toni versicherte mit breitem Grinsen: “Wir haben gezeigt, dass wir in allen drei Wettbewerben dabei sein wollen.“ Der italienische Nationalstürmer trug mit seinem kunstvollen Heber (43.) ebenso zum Torfestival bei wie das stark auftrumpfende kreative Mittelfeldtrio Bastian Schweinsteiger (14. und 55./Foulelfmeter), Franck Ribéry (16.) und Zé Roberto (59.).

“Nachdem wir den Sack schon früh zugemacht hatten, konnten wir es uns erlauben, etwas lockerer zu spielen“, spottete Schweinsteiger über die erschreckend schwachen Stuttgarter. Sein schwäbischer Trainer ersparte sich an seiner alten Wirkungsstätte Hohn, er schien eher Mitleid mit seinen gebeutelten Landsleuten zu haben. Seine Schützlinge lobte Klinsmann: “An der Leistung gibt es nichts auszusetzen. Das war imponierend und hat Spaß gemacht. Die Automatismen greifen.“ Hoeneß schwärmte: “Die Mannschaft hat wie aus einem Guss gespielt. Ich bin total begeistert. Das war à la bonheur!“

Dabei haben die Münchner laut Klinsmann ihr Top-Niveau noch nicht einmal erreicht. “Wir sind nach der guten Vorbereitung schon jetzt auf einem guten Stand. Aber wir können das Tempo noch höherschrauben, wenn wir mal erst im Drei-, Vier-Tage-Rhythmus spielen.“ Sein Team sei “bestens gerüstet“ für die nächsten vier Monate. Hoeneß ergänzte: “Wenn wir so spielen, wird es schwer gegen uns.“ Der HSV soll das als nächster erfahren, auch wenn Schweinsteiger dem Tabellenvierten zutraut, bis zum Saisonende “um den Titel mitzuspielen“. Mit einem Sieg wollen die Münchner zugleich Spitzenreiter 1899 Hoffenheim entthronen und erstmals in dieser Runde die faktische Nummer 1 werden. Trotz der Verletzung von Torjäger Vedad Ibisevic hat Klinsmann den kecken Emporkömmling alles andere als abgeschrieben: “Hoffenheim wird eine Rolle spielen, wer deutscher Meister wird.“

Grund zu Kritik gab trotz seines stellenweise genialen Auftritts nur Ribéry wegen seines provozierend lässig verschossenen Elfmeters (21.). “Da hab' ich in mich reingebruddelt“, schwäbelte Klinsmann. Hoeneß las dem französischen Ballkünstler wegen dieser Überheblichkeit die Leviten: “Das hat mir gar nicht gefallen. Das ist 'Cirque du Soleil', das muss er sich abgewöhnen.“

Quelle: DPA

Quelle: tz

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