Ein Detail bereitet ihm noch mehr Sorgen

Bayern-Boss Rummenigge im Interview: 100 Millionen Euro für einen Transfer? „Aus unserer Erfahrung wissen wir ...“

Im zweiten Teil der großen tz-Interviews spricht Karl-Heinz Rummenigge unter anderem über die künftige Transferstrategie des FC Bayern und verrät, wie man einen möglichen Sané-Transfer angehen würde.

  • Karl-Heinz Rummenigge verrät im Interview über die Transferstrategie des FC Bayern
  • Zudem spricht der FCB-Boss über die Mega-Ablösen und das Finacial Fairplay
  • Außerdem erklärt er, warum er kein Problem mit der Champion League auf DAZN und Amazon hat 

Fällt beim FC Bayern im bevorstehenden Transfer-Sommer die 100-Millionen-Grenze? Nicht um jeden Preis, wie FCB-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge im zweiten Teil des großen tz-Interviews verrät. In diesem Zusammenhang erklärt der 64-Jährige auch, was die UEFA und das Financial Fairplay mit dem aktuellen Transfer-Wahnsinn zu tun haben, warum der neue Sponsor-Vertrag mit dem Automobilhersteller Audi so wichtig war – und weswegen er persönlich kein Problem damit hat, die Champions League ab 2021 auf DAZN und Amazon zu verfolgen. 

Herr Rummenigge, im Sommer steht beim FC Bayern der größte Umbruch seit Langem bevor.

Karl-Heinz Rummenigge: Erst mal möchte ich festhalten, dass wir auch aktuell über einen erstklassigen Kader verfügen. Wir haben einige Spieler, die noch eineinhalb Jahre Vertrag haben. Da werden wir jetzt als Erstes Gespräche führen. Diese Spieler haben große Verdienste um den FC Bayern – egal, ob das David Alaba ist, Thiago, Jerome Boateng, Javi Martinez, Thomas Müller oder Manuel Neuer. Natürlich werden wir die Gespräche mit diesen Spielern mit großer Sensibilität führen, bevor wir Entscheidungen treffen.

Also kann es sein, dass genannte Spieler verkauft werden müssen, um Wunschspieler im Sommer finanzieren zu können.

Rummenigge: Zunächst gilt es, die Positionen zu definieren, auf denen wir Bedarf sehen, unseren Kader zu verbessern. Anschließend werden wir uns den Markt anschauen, um zu sehen, welche Spieler für diese Positionen infrage kommen. Dann werden wir dementsprechend am Transfermarkt tätig werden. Die Nachhaltigkeit des Kaders wird für die Zukunft eine große Rolle spielen.

FC Bayern: Rummenigge im Interview über den überhitzten Transfermarkt

Die 100-Millionen-Grenze ist in München trotzdem kein Absurdum mehr.

Rummenigge: Es liegt nicht im Interesse des FC Bayern, einen neuen Rekord aufzustellen. Aber es gibt nun mal keinen Transfermarkt nur für den FC Bayern, sondern einen Transfermarkt für den gesamten Fußball. Und aus unserer Erfahrung wissen wir, dass dieser Transfermarkt, was Preise und Tempo betrifft, nur eine Richtung kennt: nach oben. Was mir aber viel mehr Sorgen als die Ablöse-Entwicklung macht, ist die Gehaltsentwicklung. Die ist auch schwindelerregend. Das müssen wir als Verein ja im Mix betrachten. Beides spielt eine Rolle, was die finanzielle Belastung betrifft. Wissen Sie, was wir in Zukunft intensivieren müssen?

Was?

Rummenigge: Wir müssen Spieler wie Alphonso Davies holen. Auch wenn es am Ende nicht jeder junge Spieler zum Stammspieler schaffen kann, aber der eine, der macht dann sehr viel Spaß.

Leroy Sané* gilt als 100-Millionen-Mann und Wunschspieler des FC Bayern. Er hat seinen Berater gewechselt. Fangen die Verhandlungen also wieder bei null an?

Rummenigge: Grundsätzlich möchte ich über einen Spieler, der noch für eineinhalb Jahre bei Manchester City unter Vertrag steht, keinen Kommentar abgeben. Sollten wir grundsätzlich noch Interesse haben – was ich nicht ausschließe –, werden wir zuerst mit dem Klub sprechen, um von Anfang an eine freundschaftliche Gesprächsatmosphäre zu schaffen.

FC Bayern: Rummenigge im Interview über den Audi-Deal

Thema Geld: Wie wichtig war der Audi-Deal in der strategischen Ausrichtung für die kommenden Jahre?

Rummenigge: Ich persönlich bin sehr glücklich, dass wir diese Vertragsverlängerung hinbekommen haben. In den 18 Jahren unserer Zusammenarbeit war Audi immer ein super Partner. Total seriös, fair und fußballaffin. Das ist ein ganz wichtiger Deal, nicht nur vom finanziellen Volumen, weil es uns Planungssicherheit bringt, sondern auch von der partnerschaftlichen Zusammenarbeit, die immer sehr vertrauensvoll war.

Passt Audi doch besser als BMW?

Rummenigge: Audi passt sehr gut zum FC Bayern. Wenn man wie Audi und der FC Bayern nun schon im 18. Jahr zusammenarbeitet, ist doch klar, welche Qualität dahintersteht.

Die tz-Redakteure Manuel Bonke (l.) und Hanna Raif im Gespräch mit Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge.

Haben Sie Angst, dass sich der Verein nach Ihrem Ausscheiden in ferner Zukunft Investoren öffnen könnte?

Rummenigge: Das glaube ich nicht. Wir haben in Deutschland ja die 50+1-Regel, die immer so ein bisschen als Handicap verkauft wird. Ich sehe das nicht unbedingt so. Wenn sie fallen würde, würde das keinen Vorteil bringen – ich sage Ihnen auch warum: Es gibt das Financial Fairplay für alle, die Champions League spielen, und gemäß dieser Regularien darf die „Equity injection“, also eine Finanzspritze, sowieso nicht mehr als zehn Millionen Euro einmalig bzw. 30 Millionen kumuliert über drei Jahre betragen. 30 Millionen Euro. Sorry! Aber mit 30 Millionen Euro kannst du heute keine Mannschaft mehr aufpimpen, das wird selbst Jürgen Klinsmann bald in Berlin feststellen (lacht).

FC Bayern: Rummenigge im Interview über Financial Fairplay - „Das ist ein Rattenrennen“

Was konkret muss sich ändern?

Rummenigge: Wenn ich lese, welche Clubs in den letzten sechs Monaten welche Verluste kommuniziert haben, und dann lese, man ist mit Financial Fairplay voll auf einer Linie, dann frage ich mich manchmal, wie das geht. Die UEFA hat den Schlüssel in der Hand und müsste Financial Fairplay seriöser, stringenter und transparenter umsetzen. Wenn jemand eine Stratftat begangen hat, weiß er nach unserem Gesetzbuch, welche Strafe ihn erwartet. Wenn ich gegen das Financial Fairplay verstoße, weiß ich nicht, was mich erwartet. Wir brauchen da klare und transparente Regeln.

Unter anderem eine gute Jugendarbeit kann finanziell essenziell sein, siehe Joshua Zirkzee.

Rummenigge: Der Campus war für uns eine ganz wichtige Investition in die Zukunft. Und Hansi ist da ein ganz entscheidender Faktor. Joshua Zirkzee hat jetzt einen Effekt auf die anderen jungen Spieler: Die wissen nun, dass man auch beim FC Bayern wieder seine Chancen bekommt.

Ein Verdienst von Hansi Flick*.

Rummenigge: Hansi hat die vier jungen Burschen aus der Jugend direkt geholt, als er Cheftrainer wurde. Das war eine wunderbare Entscheidung für uns. Das ist genau das, was wir beim FC Bayern wollen: Eliteförderung. Wir wollen ja nicht primär Deutscher Meister der U 17 oder U 19 werden, das nehmen wir gerne mit. Uns geht es vielmehr darum, die Jungen in die erste Mannschaft zu bringen, und dass sie da eine Chance haben, zu spielen. Der Junge war Gold wert in Freiburg und gegen Wolfsburg. Natürlich muss man da auch als Trainer Glück haben, und das hatte Hansi. Aber trotz erster Erfolge muss man am Campus noch weiter Geduld haben.

FC Bayern: Rummenigge im Interview über Bundesliga-Einsätze mit 16

Was halten Sie vom Vorschlag des BVB, die Altersgrenze für die Bundesliga auf 16 Jahre zu senken?

Rummenigge: Wir sind dafür. Was in anderen Ländern mit Erfolg gemacht wird, sollte doch auch bei uns möglich sein. Dortmund hat da den Moukoko, der ist 15, das halte ich für zu jung. Aber 16? Bitte gerne!

Wo spielen denn die Zirkzees, Dajakus & Co. später mal? In der Bundesliga, in der Super Liga?

Rummenigge: Sie spielen – das kann ich Ihnen ganz genau sagen – in der Bundesliga und in der Champions League. Ich weiß, dass nach wie vor regelmäßig Gespräche über eine Super League geführt werden, aber wir nehmen an diesen Gesprächen schon gar nicht mehr teil. Wir haben kein Interesse daran, dass eine Super League gegründet wird. Die wird hin und wieder aus finanziellen Gründen ins Spiel gebracht. Wir müssen aber aufhören, immer nur finanziell zu ticken. Klar ist auch der FC Bayern an Einnahmen interessiert. Aber wenn man mal ehrlich ist: Wo geht das Geld hin am Ende?

Sagen Sie es uns!

Rummenigge: In die linke Tasche der Spieler und in die rechte der Agenten. Immer höher, immer schneller, immer weiter – das halte ich für ein Rattenrennen. Deshalb appelliere ich ja auch ständig an die UEFA, die Schrauben beim Financial Fairplay anzuziehen.

FC Bayern: Rummenigge im Interview über die Konkurrenten für die Bundesliga

Wie kann man sich gegen eine Reform der Champions League stemmen?

Rummenigge: Indem man nicht zustimmt. Ich habe bisher noch keinen Bundesliga-Club gehört, der mit dem aktuellen Format unglücklich ist. Da sage ich: Repariere nicht, was nicht kaputt ist!

Wo schauen Sie denn als Rentner Fußball – wird das Haus voller Receiver sein?

Rummenigge: Ach, in Deutschland wird da gerade etwas nachgezogen, was es im Ausland seit geraumer Zeit gibt. Wir werden uns alle einstellen darauf. Natürlich wird der eine oder andere ältere Herr, etwas Zeit brauchen, um sich damit anzufreunden. Aber das ist doch im Grunde einfach, auch ich habe das ja unfallfrei geschafft, habe mich so weit digitalisiert, dass ich kein Problem mehr habe (lacht). Es ist doch einfach. Über Sky kann ich mir inzwischen andere Apps laden, dazu kommt Amazon. Der Mensch wird sich darauf einstellen. Und am Ende des Tages wird diese Vielfalt und diese Konkurrenz dazu führen, dass die Preise sich bewegen – für die Verbraucher, also für die Fans, nach unten. Für den Konsumenten wird es also bestimmt keinen Nachteil geben.

Für die Liga ist es also eher Segen, dass mehr Anbieter in den Markt drängen?

Rummenigge: Ja. Der größte Vorteil für die Liga ist, dass Sky die Champions League nicht bekommen hat, weil sie zu wenig geboten haben. Das setzt sie in der Bundesliga-Rechteausschreibung unter Druck. Jeder wird sich daran erinnern, was passiert ist, als Sky noch Premiere hieß. Da haben sie ein Mal die Bundesliga verloren. Und das können sie sich nie wieder erlauben.

National sind die TV-Einnahmen in Deutschland aber nicht so hintendran wie international.

Rummenigge: Es ist der Mix. Wir sind Dritter bei den TV-Einnahmen, die Engländer werden wir nicht einholen, aber die Spanier erzielen aktuell noch höhere Einnahmen als wir. Die Spanier einzuholen, muss für uns die Benchmark sein.

Über Sie als TV-Konsument haben wir nun schon gesprochen. Ab wann werden Sie wehmütig, wenn Sie an Ihren Abschied denken?

Rummenigge: Wissen Sie, dass ich überhaupt nicht an morgen denke? Als ich selber Fußball gespielt habe, musste ich immer Fünfjahresverträge haben, so lange wie möglich. Ich wollte diese Planungssicherheit. In Italien habe ich dann eine neue Lebenseinstellung gefunden. Da habe ich gemerkt: Leb im heute, denke nicht an morgen, genieße es. So halte ich es bis heute. Ich hoffe nur, dass es mir nicht langweilig wird.

Dann werden Sie halt DFB-Präsident!

Rummenigge: Keine Drohung (lacht)! Ich habe schon immer gesagt: Für das Verbands-/Funktionärswesen bin ich nicht geboren.

Interview: Manuel Bonke, Hanna Raif

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Rubriklistenbild: © sampics / Stefan Matzke / Stefan Matzke

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