„Wir sind bei Bayern München. Eine gewisse Erwartungshaltung ist immer da.“

Das letzte Stück zum Triple: FC Bayern Amateure wollen in Liga drei 

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“Das muss am Ende der Karriere schon nochmal sein.“ Kapitän und Routinier Nicolas Feldhahn ist in seiner Laufbahn bisher zweimal abgestiegen. Am Sonntag möchte er sich mit dem Aufstieg einen Karriere-Traum erfüllen.In unserer Mannschaft gibt es viele Spieler, die zu gut für die Regionalliga sind.“Otschi Wriedt, Top-Torjäger FC Bayern IIDrei Trainer scheiterten am Aufstieg Seitz strahlt Zuversicht und Ruhe aus

Zwei Schritte sind noch zu gehen. Die FC Bayern Amateure wollen über die Relegation in die 3.Liga. Dort würden zwei Derbys gegen 1860 warten. 

Am 1. Juni 2014 platzte der große Traum der kleinen Bayern: Fortuna Kölns Oliver Laux erzielte im Relegationsrückspiel in der vierten Minute der Nachspielzeit nach einem folgenschweren Torwartfehler von Lukas Raeder das entscheidende Auswärtstor für die Rheinländer zum 1:2. Knapp fünf Jahre später möchte die zweite Mannschaft von der Säbener Straße diesen Nachlässigkeit korrigieren. In zwei Entscheidungsspielen am heutigen Mittwoch und kommenden Sonntag wird sich gegen den VfL Wolfsburg zeigen, welcher Verein in der kommenden Spielzeit die einzige U23 in der 3. Liga stellt.

Drei Trainer scheiterten am Aufstieg

Holger Seitz möchte es besser machen als der heutige Ajax-Amsterdam-Trainer Erik ten Hag im Jahr 2014. Er hat mit seiner Mannschaft die Chance auf sein persönliches Triple. Mit dem Sieg beim International Premier League Cup und der Regionalliga-Meisterschaft hat der ehemalige Mittelfeldspieler schon zwei Titel geholt. Doch was sind diese wert? „Es ist seit langen Jahren ein Thema, dass wir den Weg zurück in die 3. Liga schaffen“, sagt der 44-Jährige im Vorfeld des Hinspiels. Druck empfindet er nach eigenen Angaben nicht. „Wir sind bei Bayern München. Eine gewisse Erwartungshaltung ist immer da.“

Seitz ist nach ten Hag erst der zweite Coach, der nach dem Abstieg 2011 unter Hermann Gerland und Rainer Ulrich die Chance hat, in die 3. Liga zurückzukehren. In den vergangenen Jahren scheiterten ten Hag, Heiko Vogel und Tim Walter auch deshalb an der Mission, weil mit den Würzburger Kickers (2015), Jahn Regensburg (2016), der SpVgg Unterhaching (2017) und dem TSV 1860 (2018) immer hochkarätige Konkurrenz die Liga beherrschte. Der Rekordmeister hat stets betont, wie wichtig der Aufstieg für die Entwicklung der eigenen Nachwuchsspieler ist. Jetzt soll nachgeholt werden, was in der Vergangenheit versäumt wurde. Mit dem Aufstieg bekäme der Verein auch eine Bestätigung für das 70 Millionen Euro teure Nachwuchsleistungszentrums (NLZ) an der Ingolstädter Straße.

Durch die Rückkehr des FC Bayern II oder dem Aufstieg der Wolfsburger Reserve würde die 3. Liga elf Jahre nach ihrer Gründung ihrer ursprünglich vorgesehenen Berufung wieder ein Stück weit gerechter werden. Der Plan des DFB sah damals vor, jungen Talenten eine Entwicklungsplattform auf professionellem Niveau zu bieten. Übrig geblieben ist eine Liga, in der etliche Traditionsvereine wie der TSV 1860 oder 1. FC Kaiserslautern versuchen, sportlich nicht endgültig von der Fußball-Landkarte Deutschlands zu verschwinden. „Es gibt in der 3. Liga sehr wenige, junge Spieler, die wirklich die Chance auf Spielzeit bekommen. Das ist sicher auch ein strukturelles Problem. Wenn fast alle Mannschaften ständig um ihre Existenz kämpfen und sich wirtschaftlich am Abgrund bewegen, ist das in der Regel keine gute Basis, um jungen Spielern eine sportliche Plattform zu bieten“, findet Jochen Sauer, Leiter des NLZs, und legt nach: “In Sachen Nachwuchsentwicklung passiert in Liga 3 nicht viel.“

In unserer Mannschaft gibt es viele Spieler, die zu gut für die Regionalliga sind.“

Die Sehnsucht der Fans, nach David Alaba endlich wieder einen hochtalentierten Spieler aus der eigenen Jugend im Profi-Team begrüßen zu dürfen, soll der nächste Schritt werden. Anführer und Torjäger Kwasi Okyere „Otschi“ Wriedt sagt: „In unserer Mannschaft gibt es viele Spieler, die zu gut für die Regionalliga sind. Der Aufstieg in die 3. Liga wäre wichtig, um die Entwicklung der einzelnen Spieler zu fördern.“ Doch selbst bei einem Aufstieg, könnte für das eine oder andere Talent die 3. Liga noch zu wenig sein. „Möglicherweise werden wir auch im Falle des Aufstiegs Top-Talente in die 2. oder 1. Liga verleihen, weil dort die Anforderungen an diese Spieler nochmal höher sind“, sagt Sauer. „An erster Stelle wird weiterhin die individuelle Entwicklung und Förderung des einzelnen Spielers stehen.“

Die Junioren-Nationalspieler Lars Lukas Mai, Wooyeong Jeong, Meritan Shabani oder Christian Früchtl stehen längst in den Notizblöcken der Klubs und sind heiße Kandidaten für einen Wechsel ins Oberhaus. Neben möglichen Verstärkungen würde der FC Bayern die Lücken auch mit Spielern aus dem A-Junioren-Team auffüllen: „Sicherlich werden in der nächsten Saison Spieler bereits bei den Amateuren spielen, die altersbedingt noch in der U19 auflaufen könnten“, bestätigt Sauer.

Auf jeden Fall mit an Bord wäre Kapitän Nicolas Feldhahn. Der Routinier ist in seiner Karriere bisher zweimal, ab-, aber noch nie aufgestiegen. „Das muss am Ende der Karriere schon nochmal sein“, sagt der 32-Jährige. In der Saison 2017/18 war der FC Bayern II die einzige Mannschaft, die Meister und Aufsteiger TSV 1860 in Hin- und Rückspiel schlagen konnte. Die Aussicht auf die erneuten Duelle im Grünwalder Stadion bringen Feldhahn ins Schwärmen: „Das war ein Wahnsinns-Highlight letztes Jahr. Wir haben da richtig Bock drauf.“

Seitz strahlt Zuversicht und Ruhe aus

Damit nicht nur Feldhahn, sondern auch die Fans vom Hin- und Rückspiel gegen den Erzrivalen träumen können, muss sich die Mannschaft in den letzten beiden Partien noch einmal beweisen. Holger Seitz gibt sich vor dem Saison-Höhepunkt betont gelassen, denn „dafür bin ich schon zu lange dabei. Ich kenne die Situation“, sagt der Ex-Profi. Der 44-Jährige setzt auf Routine und möchte an den gewohnten Abläufen in der Spielvorbereitung vor den beiden Duellen nichts ändern: „Alles andere wäre ein Witz. Wir spielen die Relegation, weil alles andere vorher normal und richtig war.“

Durch die K.o.-Spiele im International Premier League Cup sieht Seitz sein Team geeicht: „Mit so einer Situation können die Spieler umgehen, weil wir es durchlebt haben.“ Am Ende wird auch das nötige Quäntchen Glück eine Rolle spielen, damit nicht wie vor fünf Jahren im Rückspiel die Gäste zur großen Jubelfeier ansetzen. Die Revanche gegen Fortuna Köln wird in der kommenden Saison aber garantiert ausfallen. Der Klub hat sich am Wochenende in die Regionalliga verabschiedet.

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