Das Schweigen des Kaisers

Beckenbauer: Hoeneß und Rummenigge stehen zur Bayern-Legende

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Gute Freunde: Uli Hoeneß, Franz Beckenbauer und Karl-Heinz Rummenigge (hier bei der Feier nach dem Champions-League-Sieg 2001)

München - Es ist still geworden um Franz Beckenbauer. Seit der Affäre um die WM-Vergabe hat sich die Bayern-Legende zurückgezogen. Frühere Wegbegleiter stehen zum 71-Jährigen.

„Gute Freunde kann niemand trennen“, trällerte Franz Beckenbauer 1966 in allerbester Schlagerbarden-Manier ins Mikrofon und eroberte auch abseits des Platzes die Herzen der Deutschen. Beckenbauer war lange Jahre einer, dem Fußballdeutschland zu Füßen lag. Größter Coup: Beckenbauer holte die Weltmeisterschaft 2006 nach Deutschland - war der Baumeister des Sommermärchens. 

Beckenbauers Denkmal wankt

Jetzt, zehn Jahre später, ist es ruhig geworden um die einstige Lichtgestalt. Der Grund: Beckenbauer und andere sollen bei der WM-Vergabe gemauschelt haben. Die Schweizer Bundesanwaltschaft ermittelte wegen des Verdachts auf Untreue und Geldwäsche. Seither schweigt er geflissentlich. Auf die einst besungenen guten Freunde von damals kann sich Beckenbauer noch heute verlassen. Im kicker äußern sich Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge zum Fall Beckenbauer(s). Kritische Worte sucht man in ihren Ausführungen vergebens.  

Hoeneß fordert Denkmal statt Kritik

Uli Hoeneß ist ein Mann, der weiß wie es sich anfühlt, wenn sich alles gegen einen verschworen haben zu scheint. Er selbst hat die wohl schwierigste Phase seines Lebens - inklusive Gefängnisstrafe - mittlerweile überstanden. Er steht zu seinem Freund Beckenbauer - vor allem wegen dessen Verdienst um die WM 2006. „Wir alle sind Profiteure, das Land, die Vereine, die Politik, die Gesellschaft“, schreibt er.  „Der Leidtragende jedoch ist der Mann, dem wir diese WM 2006 mit all ihren Annehmlichkeiten, diesen herrlichen Erinnerungen und positiven Folgeerscheinungen zu verdanken haben.“ Hoeneß wünscht sich einen anderen Umgang mit der Lichtgestalt und hat ziemlich konkrete Pläne: „Eigentlich müsste man Franz Beckenbauer einen Lorbeerkranz flechten, ja, man hätte ihm sogar längst ein Denkmal setzen müssen.“

Rummenigge versteht Beckenbauers Rückzug

Karl-Heinz Rummenigge bedauert, dass Franz Beckenbauer sich zurückgezogen hat. „Franz ist von vielen Reaktionen aus dem DFB, der Öffentlichkeit und der Medien tieft enttäuscht“, schreibt Bayerns Vorstandsvorsitzender. „Dafür muss man Verständnis haben.“ Der 61-Jährige bedauert, wie mit Beckenbauer umgesprungen wurde. Gerade vom DFB hätte er anders erwartet. „Ich habe von Anfang an gesagt, dass ich mir einen sensiblen Umgang mit Franz Beckenbauer wünsche.“ An seiner Haltung zur einstigen Lichtgestalt hat sich nichts geändert: „Für uns alle beim FC Bayern war Franz Beckenbauer in den zurückliegenden Jahrzehnten immer nur der Kaiser“, schreibt Rummenigge. Und stellt dem schweigenden Kaiser eine Rückkehr ins Rampenlicht beim Rekordmeister in Aussicht: „Beim FC Bayern ist Franz ‚very welcome.‘“

Der Jahresrückblick des FC Bayern im Video:

mae

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