Diplom-Psychologe im Interview

So kann der FC Bayern Heynckes doch noch überreden weiterzumachen

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Hoeneß und Rummenigge würden gerne mit Heynckes verlängern.

Es ist DAS Thema beim FC Bayern. Wer wird neuer Trainer bei Rekordmeister? Oder schaffen es die Bosse um Uli Hoeneß doch, Jupp Heynckes zu überreden?

München - Seit Wochen gibt es nur ein Thema: Präsentieren die Bayern einen neuen Cheftrainer? Oder gelingt es Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß doch noch, Jupp Heynckes dazu zu überreden, ein weiteres Jahr den Übergang zu moderieren? Heynckes selbst zeigt sich bislang abweisend („Eine Vertragsverlängerung? Das ist ausgeschlossen“). Keine Chance also? Wir sprachen mit dem Münchner Diplom-Psychologen Dan Coler darüber, welche Überredungsstrategie vielleicht doch verfangen könnte.

Herr Coler, was könnte Jupp Heynckes trotz seiner 72 Jahre doch noch dazu bewegen, schwach zu werden und dem unbeirrten Werben der Bayern nachzugeben?

Dan Coler: Applaus vom Fußball-Volk. Weiterhin Thema zu sein. Als Top-Trainer Anerkennung zu genießen. Kurz: Das Ego. Jeder von uns mag das, ist eitel. Vollständig kann man sich dem gar nicht entziehen. Die Frage ist nur, wo die Schwelle liegt, an der man schwach wird.

Sind Heynckes’ Liebe zum Fußball und seine Arbeit als Trainer in dieser Hinsicht ebenso bedeutsam wie die öffentliche Wertschätzung?

Coler: Zumindest öffentlich hat er sich bisher klar dazu geäußert, wie er sich diesbezüglich entschieden hat. Aber ob er das durchhält? Wer hört nicht gerne, dass er in seinem Metier „unersetzlich“ ist? Etwas so gut kann, wie kein Anderer. Dieses Bauchpinseln und Lob wieder und wieder hören, kann einen schon ins Wanken bringen.

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Geld dürfte bei seinem Alter und Vermögen wohl kaum eine Rolle spielen? Die Pistole auf die Brust setzen kann man ihm auch schlecht. Karl-Heinz Rummenigge sprach von einer „Charmeoffensive“ durch Uli Hoeneß. Wie bringt man jemanden dazu, seine Entscheidung zu revidieren?

Das ist Diplom-Psychologe Dan Coler.

Coler: Alle bereits genannten Methoden können funktionieren. Das ist von Fall zu Fall verschieden. Beim einen vielleicht nur einzelne Aspekte, bei anderen ein Mix aus allem. Wir leben in einer kapitalistischen Gesellschaft, sind so sozialisiert – auch Geld drückt daher Wertschätzung aus. Letzten Endes geht es aber immer um das Streicheln des Egos. Es ist gewissermaßen ein Widerstreit: Sein bewusstes Selbst will zu Hause sitzen, das Leben mit Frau und Hund genießen – aber sein Ego hat vielleicht noch nicht genug, will weiter befriedigt werden.

Bisher widersteht er ja noch allen Avancen, will sich aufs wohlverdiente Altenteil zurückziehen. Wie kann man jemanden von etwas überzeugen, das er eigentlich nicht so wirklich möchte?

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Coler: Wer von uns ist schon frei in seiner Entscheidung? Und wer gesteht sich das ein? Es gibt ein gutes Zitat des niederländischen Philosophen Spinoza: „Auch der geworfene Stein würde, hätte er ein Bewusstsein, glauben, freiwillig zu fliegen.“ Darüber sollte man nachdenken – nicht nur als Jupp Heynckes. Er will nicht, er wird gewollt. Jeder Mensch wird das. Wir erkennen das nur nicht immer.

Sind ständiges Bedrängen, von allen Seiten damit konfrontiert werden, überhaupt hilfreich? Oder eher kontraproduktiv? Bringt es etwas, permanent auf jemanden einzuwirken?

Coler: Wenn ich etwas unbedingt von jemandem will und noch dazu Zeitdruck habe, dann kann diese Holzhammer-Methode erfolgversprechend sein. Keine Ruhe lassen, es immer wieder probieren, ständig mit neuen Lobeshymnen und Angeboten kommen – bis einer schwach wird. Ob man dann bei seinem ursprünglichen Entschluss bleibt oder dem Werben ein weiteres Mal nachgibt, hat mit Charakterstärke zu tun. Ich schätze die Bayern werden es bis zum Schluss probieren. Freundschaftlich ist das nicht unbedingt.

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Wie meinen Sie das?

Coler: Nun ja. Die Bayern-Bosse missbrauchen den Jupp ja schon etwas, um ihre eigene Entschlussschwäche und Unfähigkeit, einen geeigneten Nachfolger zu finden, zu kaschieren. Wenn er den Übergang ein weiteres Jahr moderiert, verschafft es ihnen Zeit. Zu versuchen, ihn dafür auszunutzen, ist nicht gerade ein Freundschaftsdienst, wenn Sie mich fragen.

Aus Ihrer Sicht: Bleibt Heynckes bei seinem Entschluss, oder hängt er doch noch ein Jahr dran?

Coler: Das kann ich Ihnen auch nicht sagen. Nur, was ich ihm raten würde, wenn ich sein Berater oder Freund wäre. Und das wäre, sich nicht von der eigenen Eitelkeit verlocken zu lassen, sich in seinem Alter weiter diesen gnadenlosen Stress im Hamsterrad Profifußball anzutun, auch wenn Teile davon ihm Spaß machen und er das sicher sehr gut kann – sondern wie geplant seinen Lebensabend zu genießen.

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Interview: Christian Schulz

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