TV-Kritik: Kegelbruder erklärt den Zirkusclown

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Scholl über Petric: "Der hat so viele gute Eigenschaften, es wundert mich, dass der in der Bundesliga spielt."

Hamburg - Es lebe der Obama unter den Fußball-Fernseh-Experten! Yes, he can say was er will, es ist immer knusperfrisch, spannend und amüsant.

Die Rede ist, natürlich, von Kegelbruder Scholl, der gestern in der ARD seinen bisher prominentesten Auftritt als Nachwuchs-Analytiker hatte. Der erste türkischstämmige Fußball-Experte im deutschen Fernsehen (Obama-Faktor!) musste bisher ja meist im Verborgenen üben. Jetzt haben die ARD-Intendanten nach mehrwöchigen Beratungen beschlossen: Der junge Mann ist gut. Den zeigen wir der Nation auch mal bei einem richtig großen Kick. Feine Idee. Denn wenn die TSG Hoffenheim ein Experte wäre, hieße sie TSG Mehmet Scholl. Da wird der Fernseher zum Gernseher.

Dabei fing das gar nicht gut an gestern. Es moderierte ein fünf Meter langer Schal von Magathschen Ausmaßen, in dem Reinhold Beckmann steckte, der Quasselstripper der Nation. Dann blendete die ARD auch noch eine schlechte Nachricht ein: „Diese Sendung wird nicht in DD 5.1 ausgestrahlt.“ Wo bitte ist DD 5.1? Höchstwahrscheinlich in Dresden. Okay, immer noch besser als „Diese Sendung wird nicht in München ausgestrahlt“.

Die Menschen in Dresden mussten also nicht Beckmann in Handschuhen sehen – dafür verpassten sie Scholl, ohne Handschuhe. Schlecht für Dresden. Nach dem üblichen Beckie-Gedöns („Ribery, ein französischer Zirkusclown“) sprach Scholli in Sachen Ribéry Klartext: „Was mir eigentlich überhaupt nicht gefällt, ist die Tatsache, dass er sich anscheinend nicht mehr dran erinnert, wo er vor zwei Jahren war. Vor zwei Jahren hat er mit Marseille eigentlich im Niemandsland gespielt.“ Eigentlich hat er damit sehr recht, der Scholl.

Und Ex-Lupfer Mehmet erklärte auch Ribérys Elfmeter-Lupfer in Stuttgart wunderbar aus der Spieler-Perspektive: „Da steht man ganz schön blöd da, wenn man als Mitspieler auf dem Platz steht. Und einer darf aus elf Metern aufs leere Tor schießen, und macht das dann so.“ So quicklebendig hat seit Kloppo niemand mehr Fußball analysiert. Scholls rotzfreche Halbzeit-Bemerkung über HSV-Torschütze Petric: „Der hat so viele gute Eigenschaften, es wundert mich, dass der in der Bundesliga spielt.“ Das machte, sogar mit Beckmann, mehr Spaß, als dem Kaiser auf Premiere zuzuhören, der wie gewohnt franzelte: „Bayern fehlt alles!“

Und sonst? Sehr lustig war die TUI-Kreuzfahrt-Bandenwerbung „Besser als jeder Kahn“. Das wird bei der WM 2010 auch fürs Experten-Duell zwischen Mehmet (ARD) und Olli (ZDF) gelten.

Jörg Heinrich

Quelle: tz

Quelle: tz

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