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„Das ist kein Fußball, das ist Showbusiness“

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Klaus Augenthaler © Getty

München - Im tz-Interview vor dem bayerischen Derby in der Allianz Arena spricht Klaus Augenthaler über den 1. FC Nürnberg, Louis van Gaal und die Leader bei Bayern.

Sein letzter Trainerjob endete am 19. Mai 2007 in Wolfsburg – sein Wissen gibt Klaus Augenthaler dennoch auch dieser Tage weiter: Einmal pro Woche leitet der Trainer das Lauf- und Konditionstraining der Bayernliga-Handballerinnen des TSV Vaterstetten. Im Team: Seine Töchter Tina und Lisa. Vor dem Wiesn-Derby spricht der Ex-Bayern-Profi und Club-Trainer im tz-Interview.

Hätten Sie es gewusst? Auch diese Spieler kickten einst bei Bayern

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Wie werden Sie das Derby verfolgen, Herr Augenthaler?

Augenthaler: Vor dem Fernseher, in aller Ruhe.

Wem drücken Sie die Daumen?

Augenthaler: Keinem. Ich gehe das neutral an und hoffe, dass es ein gutes und spannendes Spiel wird. Groß gejubelt habe ich eh noch nie.

Hat der Club eine Chance?

Augenthaler:  Man kann hypothetisch sagen, dass der Club nicht schlechter als Mainz ist. Und Bayern hat in Mainz verloren. Michael Oenning sagt, dass Nürnberg mutig auftreten will – aber das betont jeder vor dem Spiel in München. Ich weiß nicht, wie weit der Mut am Samstag bei den Spielern nach dem Anpfiff da ist. Da schaut’s meistens anders aus.

Vor allem, weil die Bayern langsam ins Rollen kommen.

Augenthaler: Die Offensivqualität sucht seinesgleichen. Nur eines habe ich auch gesehen, vom ersten Spiel bis zum letzten: Als Topmannschaft lassen die Bayern viel zu viele Möglichkeiten zu. Ob die Transferpolitik wirklich sinnvoll war, wird sich zeigen.

Van Gaal setzt auch auf Talente.

Augenthaler: Den Weg mit Badstuber finde ich gut, so einen musst du wirklich spielen lassen. Thomas Müller nutzt seine Chancen, er darf nicht locker lassen.

Können die Müller-Vergleiche zur Last werden?

Augenthaler: Nein, der Gerd war ja ein ganz anderer Spieltyp mit anderen Körpermaßen – der hatte ja 40 Zentimeter mehr Oberschenkel-Umfang (lacht).

Ist van Gaal der richtige Mann für Bayern?

Augenthaler: Er ist erfahren, aber wie jeder Trainer bei Bayern von den Ergebnissen abhängig. Etwas anderes braucht man sich nicht vorzumachen. Mein Eindruck neben den Abwehrproblemen: In jedem Spiel gab es bisher die ersten 20, 30 Minuten Anlaufschwierigkeiten. Das muss sich ändern.

Van Gaal scheut keinen Konflikt. Gefährlich?

Augenthaler: Du darfst dir nicht zu viele Gegner machen. Dann hast du irgendwann verloren. Man kann nicht nur mit dem Kopf durch die Wand.

Mit Ribéry gab’s lang Ärger.

Augenthaler: Sie hatten einen Konflikt, aber van Gaal hat zurückgezogen, ihn nicht mehr als Zehner aufgestellt. Normal muss sich der Trainer da durchsetzen. Aber Ribéry ist ein Spieler, den er unbedingt braucht. Deswegen musste van Gaal auch mal einen Kompromiss eingehen.

In Dortmund kam es zuletzt zur großen Versöhnungsgeste.

Augenthaler: Ribéry ist ein sehr emotionaler Typ. Wie man das genau deuten soll, kann ich nicht beurteilen. Das gehört wohl einfach dazu, für mich war das kein Fußball mehr, sondern Showbusiness.

Die Bilder vom 5:1 in Dortmund

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Haben die Bayern noch richtige Anführer, wie Sie es waren?

Augenthaler: Da haben die Bayern das gleiche Problem wie die ganze Liga. Die Fluktuation ist zu groß, es wird keine Achse, kein Gerüst aufgebaut. Und es gibt keinen deutschen Stamm mehr in den Teams und zu viele Wechsel. Schweinsteiger und Lahm sind Bayern, sind Nationalspieler – aber nicht die Anführer bei Bayern. Man braucht eine Achse – aber da fehlt’s bei Bayern schon im Tor. Maier, Schumacher oder Kahn haben auch gepatzt, aber sich nichts vorwerfen lassen. Butt oder Rensing stellen sich nach Fehlern ja selbst in Frage…

Interview: Tobias Altschäffl

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