Bahrain stellt Formel 1 vor Zerreißprobe

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Der Große Preis von Bahrain wird nachgeholt - nicht alle Beteiligten sind von der Entscheidung der FIA begeistert.

Berlin - Der Weltverband hat der Formel 1 mit der Rückkehr nach Bahrain einen neuen Konflikt beschert. Ex-Verbandschef Mosley und Red-Bull-Star Webber werfen der FIA moralisches Versagen vor.

Die umstrittene Neuansetzung des Bahrain-Rennens stellt die Formel 1 vor eine Zerreißprobe. Die Rennställe sind mächtig verärgert, Sebastian Vettels Teamkollege Mark Webber beklagt moralisches Versagen und der frühere Weltverbandschef Max Mosley fürchtet schwere Konsequenzen. “Die Entscheidung, das Rennen auszutragen, ist ein Fehler, der nicht vergessen wird und, wenn er nicht aufgehoben wird, die Formel 1 am Ende teuer zu stehen kommt“, schrieb Mosley in einer Kolumne für den “Sunday Telegraph“.

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Sogar Bernie Ecclestone ist sich seiner Sache nicht mehr sicher. “Letztlich müssen wir abwarten, was in Bahrain passiert. Wenn dort Frieden herrscht und keine Probleme sind, nehme ich an, dass sich die Teams damit anfreunden werden“, sagte der Formel-1-Boss nach dem einstimmigen Beschluss des Internationalen Automobilverbands FIA eher vorsichtig. Angesichts der immer noch höchst ungewissen Lage im Golfstaat droht eine Hängepartie.

Die Teamvereinigung FOTA kündigte umgehend eine interne Debatte an. Sorgen um die Sicherheit, offene Versicherungsfragen und organisatorische Nöte wegen der Verlängerung der Saison bis in den Dezember lassen am Rande des Großen Preises von Kanada am Sonntag eine hitzige Diskussion erwarten. Red-Bull-Pilot Webber bezweifelt, dass es in dieser Saison tatsächlich ein Wüstenrennen in Bahrain gibt. “Auch wenn eine Entscheidung getroffen wurde, wäre ich sehr überrascht, wenn der Bahrain Grand Prix in diesem Jahr stattfindet“, schrieb der Australier auf seiner Internetseite.

Die Formel 1 2011: Alle Fahrer und ihre Autos

Die Formel 1 2013: Alle Fahrer und ihre Autos

RED BULL RACING © Mark Thompson/Red Bull Racing
Dreifach-Weltmeister Sebastian Vettel (Heppenheim) fährt 2013 weiter im Red Bull, der Vertrag läuft bis 2014. © dpa
Teamkollege Mark Webber (Australien) hat noch einmal um ein Jahr verlängert. © Getty
MCLAREN © dpa
Für Lewis Hamilton fährt der 22 Jahre alte Mexikaner Sergio Perez. © ap
Routinier und Ex-Weltmeister Jenson Button (England) wird gefragt sein, er ist langfristig bis 2014 an den Rennstall gebunden. © Getty
FERRARI © dpa
Fernando Alonso (Spanien) wird den nächsten Angriff auf Vettel unternehmen. Er hat einen Vertrag bis 2016. © Getty
Felipe Massa (Brasilien) darf 2013 auch noch mal ran. © Getty
MERCEDES © dpa
Lewis Hamilton (England) statt Michael Schumacher. Der Brite ist vorerst drei Jahre an die Silberpfeile gebunden. © Getty
Nico Rosberg (Wiesbaden) bleibt, er hat einen Vertrag bis 2013. © Getty
LOTUS © dpa
Kimi Räikkönen (Finnland) wird als WM-Dritter 2012 noch mehr wollen. © dpa
Romain Grosjean (Frankreich) darf trotz seiner wiederholten Auftritte als Crashpilot wohl bleiben, ist aber noch nicht bestätigt. © dpa
WILLIAMS © Getty
Pastor Maldonado (Venezuela), Sieger in Barcelona, bleibt. Er bringt auch noch Geld aus Venezuela mit. © Getty
Bruno Senna ist raus, Testpilot Valtteri Bottas (Finnland) steigt zum Stammfahrer auf. © getty
FORCE INDIA © Sahara Force India
Paul Di Resta (Großbritannien) bleibt © getty
Adrian Sutil kriegt das zweite Cockpit © dpa
SAUBER © dpa
Die Schweizer treten mit einer neuen Paarung an. Nico Hülkenberg (Emmerich) wechselt von Force India zu Sauber. © dpa
Neben Nico Hülkenberg darf der 21-jährige Deübtant Esteban Gutierrez (Mexiko) ran. © dpa
TORRO ROSSO © dpa
Daniel Ricciardo (Australien) © getty
Jean-Eric Vergne (Frankreich) © getty
MARUSSIA © dpa
Hier ist alles neu! Timo Glock ist weg, für ihn ist Jules Bianchi da © Getty
Sein Kollege: Max Chilton © Getty
CATERHAM © dpa
Charles Pic (Frankreich), bisher Marussia, heuert bei dem anglo-malaysischen Team an. © getty
Giedo van der Garde ist sein Kollege © Getty

Der WM-Dritte übte scharfe Kritik am Motorsport-Weltrat. “Ob man es mag oder nicht, die Formel 1 und der Sport im Allgemeinen können sich ihrer sozialen Verantwortung und dem Gewissen nicht entziehen“, befand Webber. Er fühle sich als Sportler unwohl, in Bahrain fahren zu müssen. Es sei nicht der richtige Zeitpunkt für eine Rückkehr in das jüngst von blutigen Unruhen erschütterte Königreich.

Ähnlich argumentierte Mosley. “Mit der Entscheidung, dort zu fahren, wird die Formel 1 zum Komplizen bei dem, was dort geschehen ist. Sie wird für Bahrains Regierung zum Instrument der Unterdrückung“, schrieb der Brite auch an die Adresse seines Nachfolgers Jean Todt als FIA-Präsident.

Erst am Mittwoch war der Ausnahmezustand in Bahrain nach mehr als zwei Monaten aufgehoben worden. Danach gab es jedoch angeblich wieder Zusammenstöße zwischen Polizei und Demonstranten. Auch Menschenrechtler hatten die FIA vor einer Neuansetzung des Rennens gewarnt. Die Entscheidung sei ein “Schlag ins Gesicht“, sagte der Chef des Kampagnen-Netzwerks Avaaz, Alex Wilks. Mit einer Online-Petition drängen die Aktivisten die Teams zu einem Boykott.

Ein Startverzicht aller Rennställe in Bahrain erscheint jedoch unwahrscheinlich. Da der Grand Prix in Sachir offiziell zurück im Kalender ist, sind die Teams vertraglich verpflichtet zu fahren. Sonst drohen Strafgelder in Millionenhöhe.

Ohnehin dürfte es kaum zu einer einheitlichen Front kommen. Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali trug als Mitglied des Weltrats das Votum mit. Der FOTA-Vorsitzende Martin Whitmarsh muss zudem als McLaren-Teamchef die Interessen des größten Anteilseigners beachten: des Finanzinvestors Mumtalakat aus Bahrain. 

Von Christian Hollmann, dpa

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