Hamilton und Ecclestone trauern

Formel 1: „Mister Mercedes“ ist tot - Er verhalf Michael Schumacher zu Traum-Karriere

Erst spät fanden Michael Schumacher und Mercedes in der Formel 1 zusammen. Ohne ein deutsches Genie wäre der Kerpener nie durchgestartet - jetzt ist Jürgen Hubbert tot.

München - Wenn die Formel 1 in dieser Saison ihre Punktejagd eröffnet, dürfte ein Mercedes-Stern am Himmel erstrahlen. Denn der zuletzt so dominante Konzern mit dem markanten Erkennungszeichen trauert um eine seiner wichtigsten Führungsfiguren: Jürgen Hubbert starb im Alter von 81 Jahren im schwäbischen Sindelfingen. Der gebürtige Hagener galt als Verfechter des Motorsports und erlebte die ganz großen Erfolge mit nun sieben WM-Titeln in Konstrukteurs- und Fahrerwertung nacheinander als Ruheständler.

Welche Strahlkraft Hubbert bei den Stuttgartern besaß, verdeutlicht die Aussage von Ola Källenius. Der Vorstandschef der Daimler AG und der Mercedes-Benz AG nennt den Verstorbenen ehrfürchtig „Mister Mercedes. Mit Integrität, Innovationsgeist und großem Erfolg hat er Mercedes-Benz immer geprägt.“

Mister Mercedes tot: Hamilton trauert um „Freund und Familienmitglied“ Hubbert

Auch Lewis Hamilton, dessen Verbleib bei den Silberpfeilen noch immer nicht fixiert ist, drückte seine Trauer über den Verlust aus. „Ich bin zutiefst traurig, die Nachricht vom Tod unseres Freundes und Familienmitglieds Jürgen zu hören“, wird der Rekordweltmeister zitiert: „Im Herzen war er ein Racer. Ich habe unsere Gespräche und seinen Enthusiasmus für den Rennsport genossen. (...) Er wird nie vergessen werden.“

Für den anderen Rekordchampion der Königsklasse war Hubbert ähnlich inspirierend. So schreibt Motorsport-Experte Ralf Bach in einem Nachruf für den F1 Insider: „Ohne ihn gäbe es keine Silberpfeile der Neuzeit, vermutlich auch keinen Michael Schumacher, weil Hubbert einer der Initiatoren des Juniorenteams war, das Mercedes 1990 mit Schumacher, Heinz-Harald Frentzen und Karl Wendlinger ins Leben rief.“ Über diese machte das Trio entscheidend auf sich aufmerksam.

Jürgen Hubbert soll für Mercedes stets Zugriffsrecht auf Schumacher besessen haben

Anschließend jedoch trennten sich die Wege von Schumacher und schwäbischen Autobauer, in der Formel 1 hießen die Stationen des Kerpeners zunächst Jordan, Benetton und Ferrari. In der Auto Bild berichtete Bach vor einigen Wochen, Mercedes und damit Hubbert habe stets das Zugriffsrecht besessen, um den größten deutschen Rennfahrer in einen Silberpfeil zu setzen. Warum dieses nie genutzt wurde? Angeblich habe Hubbert die Karriere Schumachers nicht beeinträchtigen wollen.

Nachdem auch infolge seiner Aussagen Gerüchte aufgekommen waren, er halte den Star der Branche für zu teuer, dementierte Hubbert angeblich zu hoch gegriffene finanzielle Forderungen aus dem Hause Schumacher. In der Stuttgarter Zeitung betonte er seinerzeit: „Wir konnten uns auf die anderen Bedingungen nicht einlassen, und die hießen: Nur einer hat das Sagen im Team, alle anderen arbeiten zu, und es gibt eine eigene Vermarktung. Das passt nicht in unser Konzept. Daimler promotet nicht einen Fahrer, wir brauchen ein Team das die Marke Mercedes nach vorne bringt.“

Hatten sich auch als Konkurrenten einiges zu erzählen: Michael Schumacher (r.) verdankt seine Formel-1-Karriere auch dem langjährigen Mercedes-Boss Jürgen Hubbert (l., hier mit dem damaligen Motorsportchef Norbert Haug in der Mitte).

Formel 1: Erst nach Hubberts Abschied von Mercedes ging Schumacher zu den Silberpfeilen

Erst 2010, sechs Jahre nach Hubberts Eintritt in den Ruhestand, fanden Schumacher und Mercedes dann doch noch zueinander. Bei der Präsentation des namhaften Zugangs, der damit sein Comeback nach drei Jahren Pause gab, war der einstige Wegbereiter dabei, gemeinsam mit Schumi-Teamkollege Nico Rosberg strahlten sie in die Kamera.

Hubbert sollte aber auch als scharfer Kritiker des Superstars in Erinnerung bleiben. Schumachers umstrittenes Parkmanöver in der Schlussphase des Monaco-Qualifyings 2006, mit dem er alle Konkurrenten ausbremste und letztlich trotz der schnellsten Runde ans Ende des Feldes zwangsversetzt wurde, verurteilte er scharf: „Ich interpretiere es als Versuch, noch einmal die WM zu gewinnen, um als Weltmeister aufzuhören. So etwas ist schlecht für den Sport.“ Hubbert könne „keinerlei Verständnis“ für die Aktion aufbringen, was er Schumacher „auch so ins Gesicht sagen“ würde.

Mister Mercedes tot: Hubbert hätte fast für Ausstieg aus Formel 1 gesorgt

Nicht nur der Liebling der deutschen Fans musste erfahren, wie ungemütlich Hubbert sein kann. 2002 stieg der langjährige Mercedes-Vorstand auch als Präsident der Grand Prix World Championship ein - einer ins Leben gerufenen Konkurrenzserie zur Formel 1, mit der neben den Stuttgartern auch BMW, Renault, Honda und Toyota den damaligen F1-Boss Bernie Ecclestone bei den Verhandlungen über ein neues Concorde Agreement unter Druck setzen wollten.

Letztlich blieben alle Hersteller doch an Bord. Zum Glück für die Formel 1, Mercedes und Ecclestone. Der Brite, als knallharter Verhandler bekannt, betonte laut Bach ebenfalls, welch immense Bedeutung Hubbert für die Erfolgsära von Mercedes hat: „Er war ein extrem analytischer und intelligenter Mensch, der nicht nur das Heute sah, sondern auch das Morgen und Übermorgen. Selbst wenn er nicht meiner Meinung war, versuchte er immer eine Lösung zu finden, die für alle die Beste war. Er hat die Silberpfeil-Ära der Neuzeit nicht nur geprägt, er hat sie erschaffen.“

Das bleibt Hubberts Vermächtnis, über das er nun vom Himmel aus wacht. (mg)

Bereits wenige Tage vor Hubbert verlor die Formel 1 mit John Hogan eine weitere prägende Persönlichkeit. Auch der Australier war ein wichtiger Förderer von Schumacher.

Rubriklistenbild: © A3397 Gero Breloer/dpa

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