Entscheidung nächsten Sonntag

Vettel verpasst vorzeitigen WM-Titel

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Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel hat beim Großen Preis der USA den vorzeitigen Titelgewinn verpasst.

Austin - Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel hat den vorzeitigen Titelgewinn verpasst. Die Entscheidung fällt beim Saisonfinale nächsten Sonntag in Sao Paulo.

Sebastian Vettel hat sich trotz großen Kampfes in seinem 100. Formel-1-Rennen geschlagen geben müssen und den vorzeitigen Titel-Hattrick verpasst. Der Red-Bull-Pilot konnte am Sonntag bei der Formel-1-Premiere im texanischen Austin die Angriffe des pfeilschnellen McLaren mit Lewis Hamilton am Steuer letztlich nicht mehr abwehren und musste sich mit dem zweiten Rang abfinden. Widersacher Fernando Alonso landete auch dank einer umstrittenen Ferrari-Finte noch vor dem Start zum Großen Preis der USA nur einen Platz hinter dem 25 Jahre alten Asphalt-Cowboy aus Heppenheim. Immerhin reichte aber allein Vettels Auftritt für den dritten Titel für Red Bull in der Konstrukteurswertung nacheinander.

Vettels dritter WM-Titel wohl Frage von Tagen

Der historische dritte Fahrer-Titel in Serie könnte für Vettel auch nur noch eine Frage von Tagen sein: Beim Finale am kommenden Sonntag in Sao Paulo reicht dem Heppenheimer der vierte Rang - selbst wenn Alonso gewinnen würde. Dennoch dürfte Vettel mit einem bitteren Beigeschmack am Dienstag von Austin Richtung Brasilien aufbrechen: Nicht nur die umstrittene Ferrari-Order dürfte für weiteren Zündstoff sorgen, auch der Ausfall seines Teamkollegen Mark Webber wegen einer erneut kaputten Lichtmaschine dürfte den Heppenheimer nicht ganz sorgenfrei schlafen lassen.

Denn den womöglich entscheidenden Schachzug, um weiter im WM-Rennen gegen Vettel bleiben zu können, machte Red-Bull-Rivale Ferrari schon vor dem Start. Am Wagen von Felipe Massa musste ganz plötzlich das Getriebe gewechselt werden, der Brasilianer selbst konnte sich ein vielsagendes Grinsen nicht verkneifen. Vettel tat die Ferrari-Finte lapidar ab: „Das ist nicht unsere Sache.“

Alsonso schnell auf wichtigem Rang Vier

Durch die Zurückversetzung von Massa rutschte Alonso noch einen weiteren Platz nach vorne. Und: Der Champion von 2005 und 2006 durfte als Siebter von der besseren sauberen Seite ins Rennen starten. Als die Roten Ampeln dann ausgingen, hielten die 120.000 Zuschauer auf dem nagelneuen Circuit of the Americas den Atem an. Alonso katapultierte sich binnen weniger Sekunden an Nico Hülkenberg im Force India, Abu-Dhabi-Sieger Kimi Räikkönen im Lotus und auch noch Rekordchampion Michael Schumacher im Mercedes vorbei. Auf der Kuppe der ersten Kurve lag Alonso schon auf jenem vierten Rang und damit genau auf dem Platz, den er mindestens holen musste, damit Vettel sich nicht vorzeitig krönen konnte.

Allerdings wurde schnell deutlich, dass es für den Heppenheimer keine Spazierfahrt auf dem 5,513 Kilometer langen Kurs würde. Nachdem er seine 36. Karriere-Pole souverän verteidigt hatte, konnte er den künftigen Mercedes-Piloten Hamilton nicht abschütteln. Der Brite blieb in Sekunden-Abstand hinter Vettel, dessen Fan-Club in Heppenheim jedes Manöver gebannt beim Public Viewing verfolgte.

Hamilton überholt Vettel

Während seine Anhänger den Titel schon vor Augen wähnten, wollte Vettel sich von der Aussicht auf den historischen Hattrick unter keinen Umständen ablenken lassen. „Es ist genau das Geheimnis, das auszublenden“, beteuerte Vettel. Seinen Rückspiegel konnte Vettel aber nicht verhängen und da sah er Runde um Runde immer größer den McLaren von Hamilton. Und dann auch das noch: In Runde 18 von insgesamt 56 rollte der Red Bull von Teamkollege Mark Webber aus - und Alonso war mal wieder der Profiteur.

Hamiltons Attacken ließen etwas nach, der Champion von 2008 kam als erster zum Reifenwechsel, unmittelbar dahinter Alonso. Eine Runde später bekam auch Vettels Rennwagen Abbey die harten Pirelli-Pneus aufgezogen. Alles lief wie geschmiert beim Renn- und WM-Spitzenreiter: Alonso verlor bei seinem Boxenstopp einige Sekunden, konnte letztlich aber seinen dritten Rang halten. Vettels noch größeres Problem hieß sowieso Hamilton: Auf der langen Geraden kam der Engländer immer wieder gefährlich nah. In der 42. Runde war es soweit: Vettel konnte die Attacke nicht mehr verhindern. Die vermeintlichen 20 Punkte Vorsprung zu diesem Zeitpunkt auf Alonso mit Blick aufs Finale schmolzen auf 13.

Sebastian Vettel - Seine außergewöhnliche Karriere in Bildern

Sebastian Vettel - Seine außergewöhnliche Karriere in Bildern

Sebastian Vettel
Sebastian Vettel holte am 27. Oktober 2013 seinen vierten Weltmeister-Titel in der Formel 1. © dpa
Sebastian Vettel
Wir stellen ihn vor. © dpa
Sebastian Vettel
Vettel ist seit seinem siebten Lebensjahr im Motorsport aktiv. Er startete als Kartfahrer und konnte im Jahr 2001 die deutsche und europäische Juniorenkartmeisterschaft gewinnen. © dpa
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Im Jahr 2004 gewann Vettel mit dem Team Mücke Motorsport die Meisterschaft in der Formel BMW und stellte dabei mit 18 Siegen in 20 Rennen einen neuen Rekord auf. © dpa
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Vettel blieb im folgenden Jahr bei Mücke Motorsport und wechselte in die Formel-3-Euroserie. © dpa
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Er erzielte in der Formel-3-Euroserie sechs Podestplätze und belegte am Ende den fünften Gesamtrang. © dpa
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Vettel ergatterte 2007 einen Platz als Freitagstestfahrer beim BMW Sauber F1 Team in der Formel 1. © dpa
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Beim renommierten Macau Grand Prix 2005 wurde er nach Lucas di Grassi und Robert Kubica Dritter. © dpa
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Nach Robert Kubicas Unfall beim Großen Preis von Kanada 2007 in Montreal meldete BMW Sauber Vettel als Einsatzfahrer für den Großen Preis der USA in Indianapolis. Somit gab er am 17. Juni 2007 sein Formel-1-Renndebüt. © dpa
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In seinem ersten Qualifikationsrennen belegte der Heppenheimer den siebten Platz. © dpa
Sebastian Vettel
Im folgenden Rennen rettete sich Vettel nach anfänglichen Schwierigkeiten auf den achten Rang. Er fuhr damit einen WM-Punkt ein und ist mit 19 Jahren und 350 Tagen der bisher jüngste Fahrer, der je in einem Formel-1-Rennen in die Punkteverteilung kam. © dpa
Sebastian Vettel
Vettel wechselte im Juli 2007 zum Rennstall Toro Rosso. © dpa
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Beim großen Preis von China in Shanghai 2007 startete Vettel von Position 17 und fuhr am Ende auf Platz vier. Dies war die beste Platzierung jemals für den Rennstall Toro Rosso. © dpa
Sebastian Vettel
Am 13. September 2008 eroberte Sebastian Vettel beim verregneten Qualifying für den Großen Preis von Italien in Monza seine erste Pole-Position. Er ist damit - im Alter von 21 Jahren und 73 Tagen - der jüngste Fahrer auf dem ersten Startplatz in der Geschichte der Formel 1. © dpa
Sebastian Vettel
Am Tag darauf holte sich Vettel seinen ersten Sieg in einem Formel-1-Rennen. Damit wurde er zugleich auch der jüngste Grand-Prix-Sieger. © dpa
Sebastian Vettel
Im Juli 2008 gab das Toro-Rosso-Schwesterteam Red Bull Racing bekannt, dass Vettel ab der Saison 2009 an der Seite von Mark Webber für den österreichischen Rennstall fahren wird. Der begeisterte Kicker nahm im gleichen Jahr an einem Benefiz-Fußballspiel teil. © dpa
Sebastian Vettel
Für den WM-Titel reichte es in dieser Saison noch nicht. Durch seinen Sieg beim Saisonfinale in Abu Dhabi wurde Vettel Vizeweltmeister vor Rubens Barrichello. © dpa
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In Jahr 2010 bildeten Vettel und Webber erneut das Renngespann von Red Bull. Nach dem Großen Preis von Korea übernahm Vettel erstmals die Führung der WM-Rangliste. © dpa
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Vor dem letzten Saisonrennen, dem Großen Preis von Abu Dhabi 2010 belegte Vettel den dritten Platz in der Fahrerwertung. Er startete aber dafür von der Pole-Position. © dpa
Sebastian Vettel
Vettel gewann das Rennen und wurde mit vier Punkten Vorsprung auf Fernando Alonso, der in Abu Dhabi nur Siebter wurde, Weltmeister. © dpa
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Mit dem Titelgewinn wurde Vettel mit einem Alter von 23 Jahren und 134 Tagen zum bisher jüngsten Formel-1-Weltmeister der Geschichte. Vettel sammelte in der Saison zehn Pole-Positions. © dpa
Sebastian Vettel
Nach der Saison 2010 wurde der Heppenheimer Vettel als deutscher und europäischer Sportler des Jahres ausgezeichnet. © dpa
Sebastian Vettel
Vettel kam durch seinen Vater Norbert zum Motorsport. Dieser hatte ihn bereits mit dreieinhalb Jahren erste Runden im eigenen Kart drehen lassen. © dpa
Sebastian Vettel
Als sein größtes Vorbild bezeichnet Vettel Michael Schumacher, dessen Ehrgeiz und stets vollen Einsatz er sehr bewundere. © dpa
Sebastian Vettel
Während er bereits Formel-3-Euroserie fuhr, beendete Vettel seine schulische Laufbahn im April 2006 mit einem Abi-Schnitt von 2,8. Seine letzte Prüfung legte er nur vier Tage vor seinem ersten Sieg in der Formel 3 ab. © dpa
Sebastian Vettel
Eine weitere Besonderheit des Heppenheimers: Im Gegensatz zu den meisten seiner Kollegen hat Sebastian Vettel keinen Manager, sondern regelt seine geschäftlichen und vertraglichen Angelegenheiten selbst. © dpa

In den noch verbleibenden Runden kam Vettel noch einmal etwas an Hamilton ran es reichte aber nicht mehr, um als Sieger die 308,405 Kilometern zu beenden. Für den Briten war es der 21. Sieg. Für Vettel, der sich zum Schluss noch die schnellste Rennrunde sicherte, war es der sechste Podiumsplatz in den vergangenen sechs Rennen.

Neben dem 25 Jahre alten Hessen, der 2007 beim bis dato letzten USA-Rennen seinen Einstieg in die Formel 1 gefeiert hatte, schaffte es aus deutscher Sicht nur noch Hülkenberg als Achter in die Top Ten. Schumacher wurde in seinem vorletzten Formel-1-Rennen deprimierender 16, Rosberg landete drei Plätze davor. Glock kam auf Rang 18.

Von Christian Hollmann

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