„Lernphase“ für Schumacher

Michael Schumacher: Einstiger Manager enthüllt genialen Schachzug

Manager Willi Weber hielt Michael Schumacher den Rücken frei.
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Manager Willi Weber hielt Michael Schumacher den Rücken frei.

Michael Schumacher nahm vor seiner ruhmreichen Karriere in der Formel 1 einen ganz anderen Weg als Sohn Mick. Sein langjähriger Manager Willi Weber erklärt die Hintergründe.

  • Michael Schumacher ist mit sieben WM-Titeln Rekordweltmeister in der Formel 1.
  • Bevor Schumi in die Königsklasse des Motorsports kam, hatte sein einstiger Manager Willi Weber einen Plan.
  • Schumacher sollte in der Sportwagen-Weltmeisterschaft reifen. Ein genialer Schachzug.

München - Michael Schumacher schrieb mit seinen sieben Weltmeistertiteln Formel-1-Geschichte. Doch bevor der Rekordweltmeister in die Königsklasse des Motorsports kam, nahm er einem bemerkenswerten Umweg.

Für Sohn Mick Schumacher, der in diesem Jahr bei Haas in die Fußstapfen seines Vaters treten wird, war der Weg in die Formel 1 vorgezeichnet. Nach erfolgreicher Zeit in der Formel 3 verdiente sich Schumi junior in der Formel 2 sein Ticket für die Formel 1. Schumi senior schlug als Jungprofi zunächst einen ganz anderen Weg ein. Der heute 51-Jährige holte sich sein Rüstzeug als Rennfahrer unter anderem in der DTM und der Sportwagen-Weltmeisterschaft, bevor er 1991 in der Formel 1 an den Start ging. Seine aktuelle Managerin erzählte zuletzt eine kuriose Anekdote.

Formel 1: Schumi-Manager Weber hatte die richtige Idee

„Ich habe das gepusht und wollte, dass er das macht. Dafür haben mich einige Journalisten in Grund und Boden geschrieben“, erinnert sich Schumachers langjähriger Manager Willi Weber im Gespräch mit Motorsport-Total.com. „Ich würde die Karriere Schumacher kaputtmachen, das ist eine Altherrenriege, das hätte ich niemals tun dürfen“, so Weber. Stattdessen hätte Schumacher in die damalige Formel 3000 gehen sollen, die laut Webers Aussage allerdings „auf wackeligen Beinen stand, wo man nie wusste, in welches Team soll man eigentlich gehen“.

„Erstens war das zu teuer, und zweitens zu unsicher. In diesem Gruppe-C-Team, bei Sauber, bin ich heute noch der Meinung, dass das die richtige Entscheidung war“, betont Weber. Schumacher war 1990 Mercedes-Junior und fuhr Sportwagenrennen für den späteren Formel-1-Teamchef Peter Sauber in dessen Rennstall. Der spätere Formel-1-Champion steuerte damals einen sogenannten „Sportprototypen“. Diese Autos hatten eine Leistung von etwa 920 PS und waren so schnell wie damalige Formel-1-Wagen. Schumacher war schon ein versierter Rennfahrer mit langjähriger Rennerfahrung, als er in die Formel 1 wechselte.

Michael Schumacher erfolglos in Sportwagenrennen

Mit dem fünften und neunten Platz in der Gesamtwertung in der Sportwagen-Weltmeisterschaft war Schumacher allerdings nicht besonders erfolgreich. „Es war nicht sein Ding“, erinnert sich Weber zurück und erklärt: „Das ist kein Formelauto. Das kann man nicht in die Ecke schmeißen wie einen Formel Ford oder einen Formel 3 oder später einen Formel 1, den er präzise gefahren ist wie ein Schweizer Uhrwerk. Da hat das Auto nicht in die Gesamtheit gepasst.“

Weber erklärt seine damals kontroverse Entscheidung: „Er hat den Umgang gelernt mit mehr als vier Mechanikern. Er musste lernen, Qualifying zu fahren, mit einem Team umzugehen, das in der Öffentlichkeit steht. Alles, was da auf ihn eingeprasselt ist, war eine Lernphase. Und deswegen sage ich: Diese Zwischenstation war sehr gut.“ Laut Weber war es gar nicht das Ziel, Schumacher zum Sportwagen-Champion zu machen. „Nicht das Autofahren lernen und dieses Auto beherrschen - das war überhaupt nicht Sinn und Zweck dieser Aktion. Deswegen war ich auch nicht enttäuscht, dass er nicht immer der Schnellste war. Er war der Konstanteste, aber nicht der Schnellste. Aber das habe ich gar nicht erwartet“, so Weber.

Formel 1: Ex-Ferrari-Pilot ist sicher: „Schumacher hatte deswegen einen Vorteil“

„Er hat da viel gelernt für die Zukunft. Das hat man nachher auch gemerkt“, ist sich Weber sicher. Ähnlich sieht es auch der ehemalige Formel-1-Pilot Stefan Johansson, der vor und nach seiner Zeit in der Königsklasse ebenfalls Sportwagenrennen bestritt und 1997 den Gesamtsieg bei den 24 Stunden von Le Mans feiern konnte. „Wenn man einen Prototypen über so eine lange Distanz fährt, dann muss man permanent improvisieren. Es gibt Verkehr, unterschiedliche Wetterbedingungen, Schmutz auf der Strecke, dies und das. Man muss immer improvisieren und mit Gefühl fahren“, erklärt der heute 64-Jährige im Podcast Beyond The Grid.

Johanssons Meinung nach ist es „noch schwieriger“, unter solchen Bedingungen schnell zu sein, „als einfach ein Auto am Limit zu fahren, bei dem alles zur Verfügung steht“, sagt der Schwede und verrät: „Jeden Fahrer, mit dem ich arbeite, ermutige ich dazu, mehr Sportwagenrennen zu fahren, denn es gibt kein besseres Training.“ Laut dem Ex-Ferrari-Pilot haben Weber und Schumacher genau die richtige Entscheidung getroffen. „Man braucht eine besondere Technik, um unter diesen Voraussetzungen den Speed herauszuholen. Ehrlich gesagt glaube ich, dass Schumacher in der Formel 1 deswegen einen Vorteil hatte, denn er ist einige Jahre Sportwagenrennen gefahren“, so Johansson. (ck)

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