Max Mosley: Der Pate kehrt zurück

Im ­Prinzip ist Manor ein verkapptes Team der Automobilbehörde FIA, deren Ex-Präsident Max Mosley im Hintergrund immer noch die Fäden zieht.
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Im ­Prinzip ist Manor ein verkapptes Team der Automobilbehörde FIA, deren Ex-Präsident Max Mosley im Hintergrund immer noch die Fäden zieht.

München - Niki Laudas erste Reaktion war: „Für wen fährt ­Timo Glock? Manor?“ So wie Lauda erging es auch anderen Experten. Kopfschütteln allenthalben. Dahinter steckt ein alter Bekannter.

Glock hat sich für 2010, also das dritte Jahr seiner noch jungen ­Formel-1-Karriere, für Manor entschieden. Für ein Team, über das selbst ­Experten wenig wissen. Manor wird auf dem Papier von Techniker Nick Wirth und auf Verwaltungsebene von John Booth und Graeme Lowdon ­geführt.

Fürs Marketing ist Tim Wright zuständig. Der war lange Jahre bei ­Williams, später bei Gerhard Berger ­tätig. Jetzt steht er für Virgin, den ­Konzern von Milliardär Richard Branson. Branson, zuletzt noch Sponsor bei Brawn GP, hat sich mit ­Virgin bei Manor eingekauft und soll für ein solides Finanz-Fundament sorgen. Das Team hat bisher mehr oder weniger ­erfolgreich Formel 3 in England ­betrieben, aber es hat einen anderen, ­entscheidenden Vorteil. Denn: Im ­Prinzip ist Manor ein verkapptes Team der Automobilbehörde FIA, deren Ex-Präsident Max Mosley im Hintergrund immer noch die Fäden zieht.

Die Formel-1-Weltmeister der vergangenen 40 Jahre

Die Formel-1-Weltmeister seit 1969

Niki Lauda (Foto), Ayrton Senna und Michael Schumacher: Diese Motorsport-Legenden dominierten die Formel 1 über Jahre hinweg. Ein Überblick über die Weltmeister der vergangenen 41 Jahre. © Getty Images
1969: Jackie Stewart (Schottland), Matra-Ford © mm
1970: Jochen Rindt (Österreich), Lotus-Ford © Getty Images
1971: Jackie Stewart (Schottland), Tyrrell-Ford © Getty Images
1972:  Emerson Fittipaldi (rechts, Brasilien), Lotus-Ford © Getty Images
1973 Jackie Stewart (Schottland), Tyrrell-Ford © Getty Images
1974 Emerson Fittipaldi (Brasilien), McLaren-Ford © Getty Images
1975: Niki Lauda (Österreich), Ferrari © Getty Images
1976: James Hunt (England), McLaren-Ford © Getty Images
1977: Niki Lauda (Österreich), Ferrari © Getty Images
1978: Mario Andretti (USA), Lotus-Ford © Getty Images
1979: Jody Scheckter (Südafrika), Ferrari © Getty Images
1980: Alan Jones (Australien), Williams-Ford © Getty Images
1981: Nelson Piquet (Brasilien), Brabham-Ford © Getty Images
1982: Keke Rosberg (Finnland), Williams-Ford © Getty Images
1983: Nelson Piquet (Brasilien), Brabham-BMW © Getty Images
1984: Niki Lauda (Österreich), McLaren-Porsche Turbo © Getty Images
1985 Alain Prost (Frankreich) McLaren-Porsche Turbo © Getty Images
1986: Alain Prost (Frankreich), McLaren-Porsche © Getty Images
1987: Nelson Piquet (Brasilien), Williams-Honda Turbo © Getty Images
1988: Ayrton Senna (Brasilien), McLaren-Honda Turbo © Getty Images
1989: Alain Prost (Frankreich), McLaren-Honda © Getty Images
1990 Ayrton Senna (Brasilien), McLaren-Honda © Getty Images
1991 Ayrton Senna (Brasilien), McLaren-Honda © Getty Images
1992: Nigel Mansell (England), Williams-Renault © Getty Images
1993: Alain Prost (Frankreich), Williams-Renault © Getty Images
1994: Michael Schumacher (Kerpen), Benetton-Ford © Getty Images
1995: Michael Schumacher (Kerpen, auf dem Foto mit Benetton-Boss Flavio Briatore), Benetton-Renault © Getty Images
1996: Damon Hill (England), Williams-Renault © Getty Images
1997: Jacques Villeneuve (Kanada), Williams-Renault © Getty Images
1998: Mika Häkkinen (Finnland), McLaren-Mercedes © Getty Images
1999: Mika Häkkinen (Finnland), McLaren-Mercedes © Getty Images
2000: Michael Schumacher (Kerpen), Ferrari © Getty Images
2001: Michael Schumacher (Kerpen), Ferrari © Getty Images
2002: Michael Schumacher (Kerpen) Ferrari © Getty Images
2003: Michael Schumacher (Kerpen), Ferrari © Getty Images
2004: Michael Schumacher (Kerpen), Ferrari © Getty Images
2005: Fernando Alonso (Spanien), Renault © Getty Images
2006 Fernando Alonso (Spanien), Renault © Getty Images
2007: Kimi Räikkönen (Finnland), Ferrari © Getty Images
2008: Lewis Hamilton (Großbritannien), McLaren-Mercedes © Getty Images
2009: Jenson Button (Großbritannien), Brawn GP © Getty Images
2010: Sebastian Vettel (Deutschland), Red Bull © dapd

Mosley ­wiederum wird eine enge Verbindung zu Technikchef Nick Wirth nachgesagt. 1994 war Mosley Teilhaber bei Wirths ­Simtek-Team in der Formel 1. Simtek erreichte seine ­Berühmtheit aber weniger durch Leistungen als durch den Tod seines Piloten Roland ­Ratzenberger beim Training zum Großen Preis von San Marino 1994. Ein gebrochener Frontspoiler kostete den ­Österreicher damals das Leben. Nach nur einem Jahr zog sich Simtek wieder zurück, Wirth ­arbeitete daraufhin als ­Aerodynamiker bei Benetton, unter ­anderen für ­Michael Schumacher. ­

Später gründete er mit Manor erneut ein Team. Ob Glock mit diesem Rennstall Erfolg haben kann? Mehr als ­zweifelhaft… Wirth gilt unter ­Experten als überschätzt, Motorenlieferant ­Cosworth als zu inkompetent, um auf vernünftigem Niveau zu arbeiten. Glock hatte Angebote von Renault und ­Sauber. Wie amateurhaft Glocks ­Management zu Werke geht, zeigt die Sauber-Sache. Für mehrere Tage war Glock für Peter Sauber gar nicht mehr zu erreichen. Es gibt nicht wenige, die glauben, dass Glock bei Renault dem bärenstarken Robert Kubica aus dem Weg gehen wollte. Gegen seinen Teamkollegen ­Jarno Trulli jedenfalls sah Glock die ­vergangenen beiden Jahre bei Toyota nicht gut aus. Jetzt könnte es gut ­passieren, dass sich Glock bald aus der Formel 1 verabschieden muss.

Bleibt der Erfolg aus – was Insider stark ­annehmen –, hat der sympathische Hesse nicht die Reputation, um woanders ­unterzukommen. Da helfen auch die fünf Millionen Euro Mitgift nicht, die ­Manager Kamps in Form der Deutschen Post im Rücken hat.

Ralf Bach

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