Kart-Händler schreibt für die tz

Vettel-Entdecker erklärt Super-Sebs Erfolg

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Vettel jubelt - 2004 freute er sich mit Entdecker Gerhard ­Noack

München - Gerhard Noack (60) ist der Entdeckter von Sebastian Vettel und Michael Schumacher. Der Kerpener Kart-Händler schreibt exklusiv in der tz über die Erfolge seine Zöglinge.

Ich wusste ja, dass es in São Paulo ein spannendes Finale wird und habe zu meinem Sohn gesagt: Pass auf, der Vettel dreht sich am Anfang und rollt dann das Feld wieder von hinten auf. Der gewinnt nicht, aber wird Weltmeister. Schon am Start, als der Webber ihm den Weg abschnitt, standen mir die wenigen Haare zu Berge. Aber dass es dann noch verrückter wird, habe ich nicht gedacht, ich war total fertig mit der Welt.

Sebastian macht immer diese Show, das war schon bei seinem ersten Titel 2010 so. Ich glaube, das hat er dem Bernie Ecclestone versprochen. Er war so oft kurz vorm Ausscheiden, aber das ist es, was ihn wirklich ausmacht: der Kampfgeist, dass er nie aufgibt. Er hatte die schmutzigen Tricks von Ferrari und die Psychospielchen von Fernando Alonso nicht nötig. Er macht einfach sein Ding und zieht das durch. Dass er einmal ein Großer werden kann, habe ich schon gesehen, als er als Elfjähriger auf der Kerpener Kartbahn so schnell fuhr und wissbegierig arbeitete. Aber dass er zum dritten Mal in Folge Weltmeister ist, ist sensationell.

Pressestimmen: Auch Italien huldigt Vettel

Pressestimmen: Auch Italien huldigt Vettel

Nach Sebastian Vettels WM-Hattrick huldigt selbst Italien, die Heimat der Konkurrenz Ferrari, dem deutschen Superstar. Wir zeigen Ihnen die gesammelten Pressestimmen: © dpa
ITALIEN: "La Gazzetta dello Sport": „Super-Alonso heldenhaft, Vettel weltmeisterlich. Der zweite Platz des Spaniers reichte nicht. Fernando hat sich nichts vorzuwerfen. Nicht er, vielmehr Ferrari hat die WM verloren, weil es Alonso nach Monza kein Siegerauto mehr stellen konnte ... © dpa
... Er war perfekt, aber der Deutsche rettet sich. Seb holt nach dem Crash mit Senna im Regen auf. Was für eine Reaktion! Ehre dem Weltmeister. Er hat den Titel verdient. Das war ein sensationelles Rennen. Schumacher hat auch in seinem letzten Rennen Mut bewiesen. Er ist ein großer Vorbild für die Jungen.“ © dpa
"Corriere dello Sport": "Alonso, Du warst grandios! Der zweite Platz reichte nicht zum Titelgewinn, aber mit diesem Auto hat er Wunder vollbracht. Dieses Talent sollte man nicht vergeuden. Was für eine Aufregung in Brasilien: Vettel holt vom letzten Platz auf." © dpa
"Tuttosport": "Alonso verliert die WM wegen drei Punkten. Jetzt gebt ihm endlich ein ordentliches Auto!" © dpa
ÖSTERREICH: "Kronen Zeitung": "Drama mit Happy End für Seb, den 'Geisterfahrer'". © dpa
"Il Tempo": "Alonso fliegt im Regen auf und davon, aber der Titeltraum ist geplatzt. Die Ära Schumacher geht zu Ende - diesmal für immer." © dpa
"Corriere della Sera": "Regen, Unfälle und Pannen - aber Vettel hält stand. Der Golden Boy der Formel 1 holt seinen dritten Titel." © dpa
SCHWEIZ: "Blick": "Vettel-Wahnsinn! Er geht durch die Regen-Hölle und kommt heil ins Ziel. Sebastian Vettel braucht 101 Rennen für drei Titel - und das Glück der großen Champions. Mehr Action bietet fast kein Kino-Thriller aus Hollywood. Es war ein würdiges WM-Finale. Mit einem würdigen Weltmeister namens Sebastian Vettel." © dpa
"Neue Zürcher Zeitung": "Es gehört zu den größten Stärken Sebastian Vettels, sich blitzschnell auf neue Situationen einstellen zu können. Das muss er nun auch abseits der Rennstrecke schaffen: Der in São Paulo perfekt gemachte Titel-Hattrick katapultiert ihn schon nach 101 Formel-1-Rennen in die Liga der Champions." © dpa
"Tages-Anzeiger": "Für Vettel ist es der dritte Sieg in Serie, eine ähnliche glückte in 62 Jahren Formel 1 nur Juan Manuel Fangio (1954-1956) und Michael Schumacher (2000-2003). Das zeigt, in welche Gesellschaft der Triumph Vettel rückt. Dass er mit 25 Jahren der mit Abstand jüngste ist, der auf eine solche Marke kommt, führt vor, was er noch erreichen kann." © dpa
"Basler Zeitung": "Dass Vettel im chaotischen letzten Rennen der bisher längsten Saison der Formel-1-Geschichte die Nerven behielt, war ein Meisterstück." © dpa
NIEDERLANDE: "de Volkskrant": "In Tränen zum neuen Meilenstein." © dpa
"De Telegraaf": "Phänomen Vettel. Im regnerischen Brasilien hat Sebastian Vettel der Geschichte der Königsklasse des Autosports ein schönes Kapitel hinzugefügt. Wie so viele Sportler, die jahrelang ihre Disziplin dominieren, ist Vettel im letzten Jahr beim breiten Publikum nicht populärer geworden. Unter anderem ärgern sich immer mehr Menschen über seinen arroganten Finger, den er auch gestern wiederholt in die Luft streckte. Die Rennqualitäten Vettels sind aber über jeden Zweifel erhaben." © dpa
"Algemeen Dagblad": "In einem Spektakel greift Vettel sich den Weltmeistertitel. Erneut hat Vettel große Spannkraft bewiesen, indem er sehr rasch einen Fehler gutmachte und noch vorn schoss. Dabei bekam er Schützenhilfe seines prominenten Landsmanns Michael Schumacher, der ihn im letzten Formel-1-Rennen seiner Karriere vorbeiziehen ließ." © dpa
BELGIEN: "De Standaard": "Der letzte Grand Prix der Formel-1-Saison wurde zu einem spektakulären und chaotischen Finale." © dpa
"De Morgen": "Große Emotionen bei Red Bull. Sowohl Christian Horner als auch Sebastian Vettel konnten die Tränen nicht zurückhalten. Ein spannenderes Finale dieser schönen Saison wäre kaum denkbar gewesen. Drei auf einen Streich für Red Bull und für Vettel. Aber sie haben in dieser Saison auch wirklich nichts geschenkt bekommen." © dpa
SPANIEN: "El País": "Den wirklichen Wert eines Champions kann man nicht an den Titeln messen, die er errungen hat, sondern auch an den Rivalen, die er bezwingen musste. Sebastian Vettel erfüllt mit seinem Lorbeerkranz, den er in Interlagos gewann, das eine wie das andere Kriterium." © dpa
"La Vanguardia": "Das Wunder währte nur vier Runden. Alonso stand in einem verrückten Rennen kurz vor dem Titelgewinnen, aber Vettel holte in großem Stil auf und verteidigte seine Krone." © dpa
"Marca": "Vettel ist der jüngste Dreifachweltmeister in der Formel-1-Geschichte. Alonso war im dramatischsten und mitreißendsten Rennen der jüngsten Zeit vier Runden lang Weltmeister. Am Ende fehlten ihm nur drei Punkte zu einer echten Heldentat." © dpa
"As": "Wir Spanier können auf Fernando Alonso stolz sein. Wir hatten auf ein Wunder gehofft. Dazu brauchte es ein Chaos im letzten Rennen. Das Chaos kam, aber es reichte nicht ganz aus. Glückwunsch an Sebastian Vettel! Der Deutsche ist ein hervorragender Rennfahrer und hat den Titel verdient." © dpa
"Sport": "Alonso bewahrte sich den Traum vom Titelgewinn bis in die letzte Runde. In einem Herzinfarkt-Finale sicherte Vettel sich den Titel einer der spannendsten Weltmeisterschaften aller Zeiten." © dpa
FRANKREICH: "Le Parisien": "Vettel geht in die Geschichte ein. Wenn der Deutsche in diesem Rhythmus weiter macht, hat er mit 30 Jahren Schumacher und dessen sieben Titel überholt." © dpa
"Libération": "Sebastian Vettel tritt aus Schumachers Schatten und macht seinen Spitznamen 'Baby-Schumi' endgültig vergessen." © dpa
"L'Equipe": "Vettel schließt zu den Giganten auf. Die Karriere des 25-Jährigen gleicht einem Aufstieg mit Überschallgeschwindigkeit." © dpa
BRASILIEN: "Lance!": "Vettel hat das 'Chaos überlebt' und ist Dreifachweltmeister der Formel 1. Eine Formel-1-Saison, die in die Geschichte eingeht." © dpa
"Globo-TV": "Was für ein Spektakel. Ein Rennen wie in einem Spielberg-Film." © dpa
"Internetportal Terra": "Die Saison 2012 schließt chaotisch und mit Sebastian Vettel als Weltmeister. Der Deutsche macht ein historisches Rennen und holte den dritten Formel-1-Titel." © dpa
"Die Presse": "Sebastian Vettel gelingt der WM-Hattrick. In einem dramatischen Saisonfinale genügte Sebastian Vettel im Grand Prix von Brasilien ein sechster Platz, um seinen dritten WM-Titel einzufahren." © dpa
"O Dia": "Mit Regen, ohne Regen und in einem chaotischen Rennen gewinnt Button und Vettel holt den Titel." © dpa

Ob er einmal Michaels Rekorde brechen kann, hängt auch von anderen Faktoren ab: Glück und das technische Gerät müssen mitspielen. Vom Auto her sieht es nächstes Jahr gut aus, denn das Reglement bleibt annähernd gleich und auch der neue Red Bull wird siegfähig sein. Ich sage: 2013 wird es mit dem Titel easy, 2014 sorgt er bei uns wieder für Schweißperlen. Ich traue Sebastian zu, dass er noch mehrfach den Titel holt und vielleicht irgendwann mit Michael gleichzieht.

Es kann sein, dass er später eine neue Herausforderung sucht und zu Ferrari wechselt. Aber die ganzen Leute, die ihm schon für 2014 einen Wechsel andichten, kennen Sebastian nicht. Es ist sicher ein Traum von ihm, aber er ist auch Pragmatiker. Es gibt keinen Grund, Red Bull zu verlassen, wo er die besten Leute um sich hat und um Titel kämpfen kann, und zu Ferrari zu gehen. Einem Team, dass es nicht schafft, Alonso ein siegfähiges Auto zu bauen. Erst wenn Red Bull nicht mehr wettbewerbsfähig sein sollte, wird er wechseln.

Da ist Sebastian cleverer als Lewis Hamilton, der das Siegerteam McLaren verlässt und zu Mercedes wechselt. Ob das richtig ist, bezweifle ich. Was Mercedes aus dem Weltmeister-Team von Ross Brawn gemacht hat, ist schade. Darunter hatte auch Michael zu leiden. Und ich frage mich: Warum sollte es 2013 besser werden? Das kann Michael egal sein. Er hat sich noch einmal drei Jahre dem Wettkampf gestellt und konnte mit den Jungs mitfahren. Jetzt wird er etwas die Seele baumeln lassen, aber ich kann mir vorstellen, dass wir ihn auf der Rennbahn wiedersehen. Er hat wie sein Bruder Ralf ein Auge auf die Nachwuchsarbeit, da könnte etwas heranwachsen.

Von Gerhard Noack

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