Er macht die Nacht zum Tag

Vettel: Das ist sein rasanter Feier-Fahrplan

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Sebastian Vettel feiert seinen Titel-Hattrick

Sao Paulo - Die WM-Sause war lang und intensiv. Sebastian Vettel und sein Formel-1-Team feierten den Titel-Hattrick gebührend. Zeit zum Ausspannen bleibt dem Champion nicht. Der Feier-Fahrplan:

So richtig krachen ließen es der Champion und seine Crew nach dem historischen Hattrick im Nobel-Club Villa Mix in Sao Paulo. Mit den landestypischen Caipirinhas und allerlei anderem Hochprozentigen feierte Sebastian Vettel mit Freundin Hanna und der Red-Bull-Truppe bis in die Puppen. Teamchef Christian Horner hatte schon beim „Vorglühen“ an der Strecke champagner-selig garantiert: „Da werden einige einen Kater haben.“

Der ganze Stress, die ganze Anspannung waren Stunden nach dem Wahnsinns-Finale der Formel 1 in Sao Paulo vorüber und vergessen. Jetzt war nur noch Feiern bis zum Abwinken angesagt. „Das wird eine tolle Nacht mit den Jungs“, hatte Vettel nach seinem lange am seidenen Faden hängenden dritten Titel-Triumph erleichtert versprochen. „Ich will das jetzt genießen und die Batterien wieder aufladen.“ Gegen halb vier Uhr am Montagmorgen war auch der Feier-Akku leer und Vettel verzog sich mit seiner Freundin ins Hotel.

Derweil feierten die internationalen Medien den neuen Mega-Star. „Das Wunderkind imitiert Schumacher und Fangio. Er hat den Titel einer großartigen WM verdient“, schrieb die italienische „La Repubblica“. Die britische „The Times“ titelte: „Vettel gesellt sich mit seinem dritten WM-Titel zu den Unsterblichen des Sports.“ Für die französische „L'Equipe“ steht fest: „Vettel schließt zu den Giganten auf.“

Die gesamte Saison mit dem spektakulären Finale als Höhepunkt haben auch Vettel unglaublich viel Kraft, Energie und Substanz gekostet. „Das war mein härtestes Rennen“, sagte der 25-Jährige nach dem Großen Preis von Brasilien, seinem 101. Formel-1-Einsatz.

Pressestimmen: Auch Italien huldigt Vettel

Pressestimmen: Auch Italien huldigt Vettel

Nach Sebastian Vettels WM-Hattrick huldigt selbst Italien, die Heimat der Konkurrenz Ferrari, dem deutschen Superstar. Wir zeigen Ihnen die gesammelten Pressestimmen: © dpa
ITALIEN: "La Gazzetta dello Sport": „Super-Alonso heldenhaft, Vettel weltmeisterlich. Der zweite Platz des Spaniers reichte nicht. Fernando hat sich nichts vorzuwerfen. Nicht er, vielmehr Ferrari hat die WM verloren, weil es Alonso nach Monza kein Siegerauto mehr stellen konnte ... © dpa
... Er war perfekt, aber der Deutsche rettet sich. Seb holt nach dem Crash mit Senna im Regen auf. Was für eine Reaktion! Ehre dem Weltmeister. Er hat den Titel verdient. Das war ein sensationelles Rennen. Schumacher hat auch in seinem letzten Rennen Mut bewiesen. Er ist ein großer Vorbild für die Jungen.“ © dpa
"Corriere dello Sport": "Alonso, Du warst grandios! Der zweite Platz reichte nicht zum Titelgewinn, aber mit diesem Auto hat er Wunder vollbracht. Dieses Talent sollte man nicht vergeuden. Was für eine Aufregung in Brasilien: Vettel holt vom letzten Platz auf." © dpa
"Tuttosport": "Alonso verliert die WM wegen drei Punkten. Jetzt gebt ihm endlich ein ordentliches Auto!" © dpa
ÖSTERREICH: "Kronen Zeitung": "Drama mit Happy End für Seb, den 'Geisterfahrer'". © dpa
"Il Tempo": "Alonso fliegt im Regen auf und davon, aber der Titeltraum ist geplatzt. Die Ära Schumacher geht zu Ende - diesmal für immer." © dpa
"Corriere della Sera": "Regen, Unfälle und Pannen - aber Vettel hält stand. Der Golden Boy der Formel 1 holt seinen dritten Titel." © dpa
SCHWEIZ: "Blick": "Vettel-Wahnsinn! Er geht durch die Regen-Hölle und kommt heil ins Ziel. Sebastian Vettel braucht 101 Rennen für drei Titel - und das Glück der großen Champions. Mehr Action bietet fast kein Kino-Thriller aus Hollywood. Es war ein würdiges WM-Finale. Mit einem würdigen Weltmeister namens Sebastian Vettel." © dpa
"Neue Zürcher Zeitung": "Es gehört zu den größten Stärken Sebastian Vettels, sich blitzschnell auf neue Situationen einstellen zu können. Das muss er nun auch abseits der Rennstrecke schaffen: Der in São Paulo perfekt gemachte Titel-Hattrick katapultiert ihn schon nach 101 Formel-1-Rennen in die Liga der Champions." © dpa
"Tages-Anzeiger": "Für Vettel ist es der dritte Sieg in Serie, eine ähnliche glückte in 62 Jahren Formel 1 nur Juan Manuel Fangio (1954-1956) und Michael Schumacher (2000-2003). Das zeigt, in welche Gesellschaft der Triumph Vettel rückt. Dass er mit 25 Jahren der mit Abstand jüngste ist, der auf eine solche Marke kommt, führt vor, was er noch erreichen kann." © dpa
"Basler Zeitung": "Dass Vettel im chaotischen letzten Rennen der bisher längsten Saison der Formel-1-Geschichte die Nerven behielt, war ein Meisterstück." © dpa
NIEDERLANDE: "de Volkskrant": "In Tränen zum neuen Meilenstein." © dpa
"De Telegraaf": "Phänomen Vettel. Im regnerischen Brasilien hat Sebastian Vettel der Geschichte der Königsklasse des Autosports ein schönes Kapitel hinzugefügt. Wie so viele Sportler, die jahrelang ihre Disziplin dominieren, ist Vettel im letzten Jahr beim breiten Publikum nicht populärer geworden. Unter anderem ärgern sich immer mehr Menschen über seinen arroganten Finger, den er auch gestern wiederholt in die Luft streckte. Die Rennqualitäten Vettels sind aber über jeden Zweifel erhaben." © dpa
"Algemeen Dagblad": "In einem Spektakel greift Vettel sich den Weltmeistertitel. Erneut hat Vettel große Spannkraft bewiesen, indem er sehr rasch einen Fehler gutmachte und noch vorn schoss. Dabei bekam er Schützenhilfe seines prominenten Landsmanns Michael Schumacher, der ihn im letzten Formel-1-Rennen seiner Karriere vorbeiziehen ließ." © dpa
BELGIEN: "De Standaard": "Der letzte Grand Prix der Formel-1-Saison wurde zu einem spektakulären und chaotischen Finale." © dpa
"De Morgen": "Große Emotionen bei Red Bull. Sowohl Christian Horner als auch Sebastian Vettel konnten die Tränen nicht zurückhalten. Ein spannenderes Finale dieser schönen Saison wäre kaum denkbar gewesen. Drei auf einen Streich für Red Bull und für Vettel. Aber sie haben in dieser Saison auch wirklich nichts geschenkt bekommen." © dpa
SPANIEN: "El País": "Den wirklichen Wert eines Champions kann man nicht an den Titeln messen, die er errungen hat, sondern auch an den Rivalen, die er bezwingen musste. Sebastian Vettel erfüllt mit seinem Lorbeerkranz, den er in Interlagos gewann, das eine wie das andere Kriterium." © dpa
"La Vanguardia": "Das Wunder währte nur vier Runden. Alonso stand in einem verrückten Rennen kurz vor dem Titelgewinnen, aber Vettel holte in großem Stil auf und verteidigte seine Krone." © dpa
"Marca": "Vettel ist der jüngste Dreifachweltmeister in der Formel-1-Geschichte. Alonso war im dramatischsten und mitreißendsten Rennen der jüngsten Zeit vier Runden lang Weltmeister. Am Ende fehlten ihm nur drei Punkte zu einer echten Heldentat." © dpa
"As": "Wir Spanier können auf Fernando Alonso stolz sein. Wir hatten auf ein Wunder gehofft. Dazu brauchte es ein Chaos im letzten Rennen. Das Chaos kam, aber es reichte nicht ganz aus. Glückwunsch an Sebastian Vettel! Der Deutsche ist ein hervorragender Rennfahrer und hat den Titel verdient." © dpa
"Sport": "Alonso bewahrte sich den Traum vom Titelgewinn bis in die letzte Runde. In einem Herzinfarkt-Finale sicherte Vettel sich den Titel einer der spannendsten Weltmeisterschaften aller Zeiten." © dpa
FRANKREICH: "Le Parisien": "Vettel geht in die Geschichte ein. Wenn der Deutsche in diesem Rhythmus weiter macht, hat er mit 30 Jahren Schumacher und dessen sieben Titel überholt." © dpa
"Libération": "Sebastian Vettel tritt aus Schumachers Schatten und macht seinen Spitznamen 'Baby-Schumi' endgültig vergessen." © dpa
"L'Equipe": "Vettel schließt zu den Giganten auf. Die Karriere des 25-Jährigen gleicht einem Aufstieg mit Überschallgeschwindigkeit." © dpa
BRASILIEN: "Lance!": "Vettel hat das 'Chaos überlebt' und ist Dreifachweltmeister der Formel 1. Eine Formel-1-Saison, die in die Geschichte eingeht." © dpa
"Globo-TV": "Was für ein Spektakel. Ein Rennen wie in einem Spielberg-Film." © dpa
"Internetportal Terra": "Die Saison 2012 schließt chaotisch und mit Sebastian Vettel als Weltmeister. Der Deutsche macht ein historisches Rennen und holte den dritten Formel-1-Titel." © dpa
"Die Presse": "Sebastian Vettel gelingt der WM-Hattrick. In einem dramatischen Saisonfinale genügte Sebastian Vettel im Grand Prix von Brasilien ein sechster Platz, um seinen dritten WM-Titel einzufahren." © dpa
"O Dia": "Mit Regen, ohne Regen und in einem chaotischen Rennen gewinnt Button und Vettel holt den Titel." © dpa

Fragen nach der nächsten Herausforderung beantwortete Vettel kurz und knapp. Dafür war nun wirklich nicht der geeignete Zeitpunkt. „Ich habe einen Vertrag bis Ende 2014. Ich bin sehr glücklich mit Red Bull. Es gibt keinen Grund, an ein anderes Team zu denken“, versicherte Vettel, der immer wieder mit Ferrari in Verbindung gebracht wird. Dann kündigte er indirekt doch noch den nächsten Coup an. „Die Geschichte ist noch nicht vorbei.“ Titel Nr. 4 ist das nächste Projekt.

Dabei hatte Vettel gerade erst erneut Grand-Prix-Geschichte geschrieben: Mit 25 Jahren und 145 Tagen ist er der jüngste dreifache Champion. Ob Punkte, Pole-Position, Sieg, Weltmeister oder Doppel-Weltmeister: Vettel ist auch hier der Jüngste.

Vettel ist zudem erst der dritte Formel-1-Fahrer, dem das Triple geglückt ist. Juan Manuel Fangio holte in den 50er Jahren mit verschiedenen Teams vier seiner insgesamt fünf Titel hintereinander. Rekordweltmeister Michael Schumacher schaffte mit Ferrari sogar fünf seiner insgesamt sieben Triumphe in Serie. „Vettel geht in die Geschichte ein. Wenn der Deutsche in diesem Rhythmus weiter macht, hat er mit 30 Jahren Schumacher und dessen sieben Titel überholt“, prophezeite „Le Parisien“.

Derartige Vergleiche mit seinem Kumpel und Kindheitsidol lehnt Vettel prinzipiell ab: „Michael war dominant wie kein anderer in der Geschichte.“ Schumacher traut seinem jungen Freund aber zu, eines Tages viele seiner Rekorde zu brechen: „Es ist ein schöner Moment, ihm das Feld zu überlassen. Er macht das klasse, ich bin ein Fan von ihm.“

Einen Seitenhieb auf seine Konkurrenz konnte sich Vettel in der Stunde des Triumphes nicht verkneifen, so sehr hatten ihn diverse Tricksereien und Vorwürfe getroffen. „Wir sind immer wir selbst geblieben und unseren Weg gegangen. Und das hat meiner Meinung nach am Ende den Unterschied ausgemacht“, sagte er.

Es sei am wichtigsten, dass man in den Spiegel schauen könne und zu sich selbst ehrlich sei. Es bringe nichts, zu betrügen und zu heucheln. „Leute haben innerhalb und außerhalb der Regeln alles versucht, uns zu schlagen“, sagte Vettel. Er nannte, auch auf Nachfrage, keine Namen, aber es war klar, dass die Abrechnung seinem knapp unterlegenen Widersacher Fernando Alonso und Ferrari galt.

Für Vettel geht die Terminhatz weiter, wenn auch nicht in dem Wahnsinnstempo wie während der 20 Rennen. Nach einem Nachtflug von Sao Paulo nach England geht es am Dienstag in der Fabrik in Milton Keynes weiter: Vettel will sich bei der gesamten Red-Bull-Truppe bedanken. Zudem stehen die nächsten Interviewrunden an.

Am Samstag dreht der Dreifach-Champion eine Showrunde in Graz. Einen Tag später erhält er den Autosport Award in London. Kommenden Montag dann die Talkrunde im Hangar 7 in Salzburg. Ein paar Tage Privatleben, dann wird Vettel bei der Gala des Internationalen Automobilverbandes FIA in Istanbul geehrt. Und vom 14. bis 16. Dezember wollen Vettel und Schumacher beim „Race of Champions“ in Bangkok den Titel verteidigen. Der neue und der alte Formel-1-Herrscher dürften auch dann noch mal Grund zum Feiern haben.

dpa

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