Ab dieser Saison bei Aston Martin

Formel-1-Legende teilt gegen Sebastian Vettel aus - „Jämmerlich“, „So schlecht“

Sebastian Vettel schaut skeptisch und fasst sich mit der linken Hand hinter den Kopf.
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Diese Worte dürften nachwirken: Sebastian Vettel muss sich Kritik von Eddie Jordan anhören.

Von seinem Wechsel zu Aston Martin verspricht sich Sebastian Vettel einen Aufschwung. Ein früherer Teamchef sieht die Verpflichtung des viermaligen Weltmeisters jedoch als Fehler an.

München - Bei Ferrari war Sebastian Vettel nach sechs Jahren, in denen er den Titelträumen hinterherfuhr, nicht mehr erwünscht. Sein Neustart bei Formel-1-Rückkehrer Aston Martin verspricht Spannung. Denn das Vorgänger-Auto von Racing Point war in der Saison 2020 für einige Topplatzierungen gut.

Vettels künftiger Teamkollege Lance Stroll fuhr zweimal auf Platz drei, der zu Red Bull gewechselte Sergio Perez landete im Regen von Istanbul auf Rang zwei und gewann in Bahrain beim vorletzten Grand Prix des Jahres sein erstes Rennen in der Königsklasse. Folglich wird sich auch Vettel mehr erhoffen, als nur Aufbauhelfer für ein neues Projekt und das Gesicht der britischen Traditionsrennmarke zu sein.

Sebastian Vettel kassiert Kritik: Jordan sieht in Verpflichtung durch Aston Martin „einen Fehler“

Millionen PS-Fans fiebern der Ausfahrt des Heppenheimers in dem neuen, wahrscheinlich in dunkelgrüner Lackierung gehaltenen Boliden entgegen. Doch nicht jeder setzt darauf, dass der viermalige Weltmeister die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllen kann. Eddie Jordan etwa bremst allzu hohe Ansprüche ein. „Ich mag ihn sehr, aber ich denke, Aston Martin hat einen Fehler gemacht, ihn zu verpflichten“, mutmaßt der langjährige Teamchef, für dessen Rennstall Michael Schumacher 1991 sein erstes F1-Rennen bestritt, im Gespräch mit dem F1 Insider.

Vor allem die Leistungen der vergangenen beiden Saisons lassen den extrovertierten Iren zweifeln: „Die letzten zwei Jahre gegen Leclerc bei Ferrari waren jämmerlich. Ich weiß nicht, warum er so schlecht aussah, er hat doch vier WM-Titel gewonnen. Aber ich glaube, er ist über seinem Zenit. Ich hätte jedenfalls Perez behalten.“

Eine der schillerndsten Persönlichkeiten in der Formel 1: Eddie Jordan hat noch immer beste Verbindungen in die Branche.

Vettel kassiert Kritik: Zwei Jahre nacheinander gegen Leclerc den Kürzeren gezogen

Die nackten Zahlen sprechen tatsächlich gegen Vettel: 2019 und 2020 behauptete er sich nur in 13 von 38 Qualifying-Duellen gegenüber seinem jungen Teamkollegen Charles Leclerc, davon nur viermal im vergangenen Jahr. Auch in der WM-Wertung hatte er gegen den Monegassen zweimal das Nachsehen: 2019 wurde Leclerc mit 264 Punkten Vierter, Vettel landete mit 24 Punkten weniger einen Platz dahinter, 2020 betrieb Leclerc mit 98 Punkten als Achter einigermaßen Schadensbegrenzung, während Vettel nur 33 Zähler sammelte und auf Rang 13 endete.

All das lässt bei Jordan die Alarmglocken schrillen. Übrigens lässt der stets gut informierte 72-Jährige auch an Vettels neuem Stallgefährten kein gutes Haar: „Lance ist wie eine Wundertüte. Man weiß nie, was drin ist. Manchmal fährt er gut, manchmal extrem schlecht. Er ist alles andere als konstant.“

Video: Vettel zeigt sich im Interview enttäuscht von der Formel 1

Formel 1: Neues Vettel-Team ging über Umwege aus Jordan-Rennstall hervor

Warum sich Jordan so viele Gedanken über Aston Martin macht? Wahrscheinlich auch, weil der Rennstall letztlich - freilich über mehrere Zwischenstationen - aus seinem Team hervorging. Also mit der einstigen Rennlizenz von Jordan am Start ist.

Dennoch scheint seine Meinung bei Aston Martin offenbar kein besonderes Gewicht zu haben. Teamchef Otmar Szafnauer, ein in Rumänien geborener US-Amerikaner mit deutschen Wurzeln, umschrieb die mit dem Vettel-Deal verbundenen Hoffnungen so: „Sebastian ist eine so wichtige Verpflichtung für uns. Er bringt eine Siegermentalität mit und wir alle werden auf dieser Reise zweifellos viel von ihm lernen.“

Formel 1: Vettels neuer Teamchef spricht schon von Meisterschaften

Der 33-Jährige könne Aston Martin dabei „helfen, Rennen zu gewinnen und um Meisterschaften zu kämpfen“. Das dürfte sich mit Vettels Plänen decken. Der soll aber auch den jungen Teamkollegen mitformen. „Wir glauben auch, dass Sebastian das Beste aus Lande herausholen wird, wobei Lance im Gegenzug Sebastian hart pushen wird“, betont Szafnauer, der in der Fahrerpaarung „die ideale Mischung aus Erfahrung, Rennsieg-Knowhow und Talent“ sieht.

Dem 56-Jährigen, der auch schon bei den Vorgängern Force India und Racing Point das Sagen hatte, ist die Vorfreude auf die Saison anzumerken: „Während die Herausforderung einst darin bestand, uns als das effizienteste Team in der Startaufstellung zu etablieren, bietet sich nun die aufregende Gelegenheit, uns als Top-Team zu positionieren.“ Ob das gelingt, wird besonders von Vettel abhängen. Der Jordan beweisen kann, dass er immer noch zu den Besten der Schnellsten zählt. (mg)

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