Toter in Bahrain - Todt bricht sein Schweigen

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FIA-Präsident Jean Todt

Bahrain - FIA-Präsident Jean Todt hat sein Schweigen zum Tabuthema Bahrain gebrochen und trotz des gewaltsamen Todes eines Demonstranten die Austragung des Formel-1-Rennens gerechtfertigt.

„Schade, dass solche Berichte in Umlauf sind. Ich bin nicht sicher, ob all diese Berichte tatsächlich das widerspiegeln, was in diesem Land passiert“, sagte der Präsident des Automobil-Weltverbandes und beklagte damit eine angeblich verfälschte Berichterstattung - obwohl er von dem tödlichen Zwischenfall zu diesem Zeitpunkt bereits wusste. Einen Kommentar dazu lehnte er aber ab: „Ich kann nichts zu Dingen sagen, von denen ich die Details nicht kenne. Ich habe diese Details nicht. Es wäre demnach falsch, wenn ich etwas dazu sagen würde.“

Der FIA-Boss spricht auch weiterhin von einer zusammenführenden Wirkung durch das Rennen, auch wenn es sogar gegen die Veranstaltung einige Demonstrationen gegeben hatte. „Wenn der Sport dabei helfen kann, ein gesellschaftliches Problem zu lösen, dann ist es gut“, meinte er: „Ich habe beispielsweise viele Aussagen von Nelson Mandela gehört, der meinte, dass der Sport einige Wunden heilen könne. Wenn dies gelingt, dann dürfen wir doch stolz sein, dass die Formel 1 einen gewissen Anteil daran hat.“

Aus der Formel-1-Familie habe sowieso keiner ein Problem in Bahrain, meinte Todt und untermauerte dies mit der offizielle Sprachregelung aller Crewmitglieder. „Alle, mit denen ich im Fahrerlager gesprochen habe, sind sehr happy“, sagte der frühere Ferrari-Teamchef: „Man sagte mir sogar, dass es ein Fehler gewesen wäre, wenn wir nicht hierher gekommen wären. Die meisten Teamchefs denken zum Beispiel so. Leider liest man solche Aussagen nur selten in den Medien. Ich respektiere die Medien und deren Arbeit. Es spiegelt eben nicht immer das wider, was ich hier zu sehen und zu hören bekomme.“ Unter der Hand hatten aber zahlreiche Teammitglieder ihre Bedenken an der Reise nach Bahrain geäußert.

Die fast täglichen Demonstrationen wertet der Franzose sogar als alltäglich. „In jedem demokratischen Land sind Proteste erlaubt“, sagte er: „Das passiert überall auf der Welt. Es gibt auch in meiner Heimat Proteste. Leider bedeutet Protest oft auch Verletzung von Menschen. Das ist ein Weg, sich auszudrücken.“ In Bahrain würden „höchstens zehn Prozent“ gegen die aktuellen Machthaber aufbegehren: „Und sollen wir die anderen 90 Prozent bestrafen?“

Schließlich verglich Todt die politisch motivierten Unruhen, die das Land seit 14 Monaten erschüttern, sogar mit Ausschreitungen im Fußballstadion. Wenn es diese gebe, „dann werden dort immer mindestens drei Leute verletzt“, sagte Todt: „Ich will das nicht als Beispiel nehmen. Aber so etwas ist schon in Großbritannien, in Deutschland, in Frankreich, auf der ganzen Welt passiert. So etwas kann eben passieren. Das heißt aber doch nicht, dass wir mit dem Sport aufhören sollten.“

Dass die Formel 1 durch das Rennen in dem Golfstaat Imageprobleme bekommen werde, glaubt der Franzose ebenfalls nicht: „Ich denke, die Formel 1 ist stark genug.“

SID

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