Geburtstag in der Pandemie

Grenzenlos: Penzberger AC-Ringer trainieren online

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Die großen Emotionen auf der Matte gibt es derzeit nicht, aber auf der faulen Haut liegen die Penzberger Ringer auch während der Corona-Pandemie nicht.
  • vonMarco Heinrich
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Penzberg – Die 125-Jahr-Feier der Ringer des AC Bayrisch-Fels Penzberg wurde auf 2022 verschoben. Aber einfach nur Sitzen und Warten, reicht dem Verein nicht.

Der Kampf zwischen den Frühlingsgefühlen auf der einen Seite und den wieder steigenden Inzidenzen der Pandemie auf der anderen ist noch nicht entschieden. Neben Wirtschaft und Kultur hofft auch der Sport derzeit sehnsüchtig auf Lockerungen und eine Perspektive für die Zukunft. Denn einige als unverrückbar geltende Regeln haben ihren Wert bereits verloren. Man muss die Feste feiern, wie sie fallen – das ist zum Beispiel schon längst nicht mehr so.

In diesem Jahr wird der AC Bayrisch-Fels 125 Jahre alt. Das sollte groß gefeiert werden, doch alles wurde bereits auf 2022 verschoben. Ob der Turnier- und Ligabetrieb bis dahin wieder angefangen hat, lässt sich derzeit nicht vorhersagen. Denn Ringen bringt fast alles mit, das in Zeiten einer Pandemie einfach nicht geht: Große Anstrengung, sehr enger Körperkontakt, ausgeübt in einer Halle. Und von Null auf Hundert geht es im Ringen sowieso nicht binnen weniger Tage.

Auch Unterföhring und Nürnberg dabei

„Die Ligen-Einteilung steht schon fast – und der normale Start wäre Anfang September. Aber wenn wir erst im Juli oder August in die Halle dürfen, dann macht das keinen Sinn. Die Gefahr für Verletzungen wäre dann einfach zu groß“, erklärt Clemens Seidler, einer der Trainer bei den Penzberger Ringern. Ganz auf der Sport verzichten, ist allerdings auch keine Option. Deshalb trifft sich seit einiger Zeit regelmäßig eine Gruppe von Sportlern online, um gemeinsam zu trainieren. „Anfang des Jahres haben wir innerhalb unseres Vereins damit begonnen. Seit Februar sind auch Vereine aus Unterföhring und Nürnberg beteiligt. Das bringt Abwechslung. Und die Trainer werden natürlich auch entlastet“, weiß Seidler.

Vor der Pandemie: Da konnten die Penzberger Ringer noch zupacken.

Neben dem Aufwärmen, Kraft- und Ausdauerübungen wird auch Ringen-Spezifisches trainiert. „Einen Beinangriff oder bestimmte Abwehrbewegungen können wir auch online trainieren – das ist dann ein bisschen, als würde man mit seinem Schatten trainieren“, erzählt Seidler lachend.

Einfallsreichtum war ohnehin schon immer eine Stärke beim AC Bayrisch-Fels. Bis heute erzählt man sich im Verein die Geschichte der Zwillingsbrüder Hörmann, die kaum jemand voneinander unterscheiden konnte. Nur gleich schwer waren sie nicht – und das ist im Ringen durchaus wichtig. Während der körperlich Leichtere also stets zum Wiegen auf die Waage stieg, schritt dann der Stärkere der beiden zur Matte und gewann die Kämpfe.

Mit Eselkarren nach Bad Heilbrunn

Ein anderes Kapitel der Vereinsgeschichte zeigt einen Hang zum Pragmatismus: Die Frauen der Ringer mussten bei Auswärtskämpfen eigentlich zu Hause bleiben. Eine Ausnahme bildeten die Kämpfe im nahe gelegenen Bad Heilbrunn. Die Matte und die Hantel wurden mit einem Eselsgespann dorthin transportiert. Da man aber wusste, dass der Esel grundsätzlich am Berg stehen blieb, durften die Frauen auf dieser Auswärtsfahrt mitgehen – um dann beim Schieben zu helfen.

Oft sind es nicht die großen Erfolge, sondern kleine Geschichten wie diese, die einen Verein ausmachen und zusammenhalten. So lange, bis die Zeiten wieder so normal sind, dass ein großes Ereignis wie ein 125-Jahr-Jubiläum tatsächlich auch wieder gebührend gefeiert werden kann.

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