“Dartitis“

Darts-Profi kann Pfeil nicht mehr werfen - das steckt dahinter

Im britischen Wolverhampton beim Grand Slam of Darts konnte ein Darts-Profi den Pfeil nicht mehr werfen. Das Phänomen ist eine psychische Erkrankung: die Dartitis. 

Wolverhampton - Berry van Peer dreht den Dartpfeil in seiner rechten Hand, zögert, holt aus - und bricht den Wurf ab. Der zweite Versuch, van Peer atmet tief ein und wieder aus, er hebt die Hand erneut. Und wieder stoppt der Niederländer seine Bewegung. Der 21-Jährige verzweifelt, Tränen schießen ihm in die Augen. Immer wieder wiederholt er die Bewegungen, bis der Pfeil endlich seine Hand verlässt.

Mit 1:5 Legs unterlag van Peer im britischen Wolverhampton Gary Anderson beim Grand Slam of Darts. 3000 Zuschauer johlten in der Halle, lachten den jungen Dartspieler aus und jubelten laut, wenn er den Pfeil dann doch warf. Bis dem Publikum bewusst wurde, dass Berry van Peer an einer im Dartsport gefürchteten psychischen Erkrankung litt: der Dartitis. 

Fans reagieren großartig

Erstmals wurde das Krankheitsbild 1981 erwähnt, 2007 wurde der Begriff dann sogar in das Oxford English Dictionary aufgenommen. Die Definition: „Ein Zustand der Nervosität, welcher einen Spieler davon abhält, den Dartpfeil im richtigen Moment loszulassen.“ 

Als die Fans in Wolverhampton dann mitbekamen, dass van Peer mit diesem Leiden zu kämpfen hatte, reagierten sie großartig. Die Pfiffe setzten aus, der Niederländer wurde vor jedem Wurf aufgemuntert, wenn er hohe Scores erzielte, sprang die Halle auf und jubelte. Und vor allem: Wenn van Peer mal wieder länger brauchte, erstummten die Zuschauer, ließen dem Dartspieler die Zeit, die er benötigte. 

Auch sein Gegner, Gary Anderson, reagierte bemerkenswert: Der Schotte nickte ihm während der Partie immer wieder aufmunternd zu. Nachdem er den entscheidenden Matchdart versenkt hatte, tröstete er den aufgelösten van Peer. Natürlich sei er froh, gewonnen zu haben, sagte er nach der Partie: „Aber es war schon hart, Barry so mit sich kämpfen zu sehen.“

„Danke an alle“, twitterte van Peer nach der Partie: „Die Unterstützung war unglaublich. Gary war ein Gentleman. Es war eine Ehre, in dieser Partie zu spielen.“ Er habe in den vergangenen Monaten vermehrt Probleme gehabt und wisse nicht, durch was es ausgelöst werde. Schon während der ersten Begegnung mit Simon Whitlock, die er knapp mit 5:4 für sich entschied, hatte er erste Anzeichen einer Blockade, musste die Ausholbewegung immer wieder unterbrechen. 

Niederländer hat Leidensgenossen

Van Peer ist nicht der erste Dartprofi, der unter dieser Erkrankung leidet. Der fünffache Weltmeister Eric Bristow gehört ebenso zu seinen Leidensgenossen wie Mervyn King oder Weltmeister Richie Burnett. Auch in anderen Sportarten gibt es vergleichbare psychische Leiden, im Golf ist es der Yips, ein Zittern oder Zucken im Arm beim Putten, und auch im Bowling, Snooker oder Bogenschießen gibt es ähnliche Phänomene. 

Van Peer hat mittlerweile die nächste Runde des in Gruppen ausgetragenen Grand Slam of Darts erreicht. Auch im finalen Gruppenspiel gegen Cameron Menzies litt er an Dartitis, konnte aber mit 5:4 gegen Cameron Menzies gewinnen. 

Rubriklistenbild: © Screenshot PDC.tv

Auch interessant

Meistgelesen

Skibbe will in Griechenland weitermachen
Skibbe will in Griechenland weitermachen
Neuer Vertrag, spätes Vorbereiten: Das steht im DEB an
Neuer Vertrag, spätes Vorbereiten: Das steht im DEB an
Zverev will bei Tennis-WM ins Halbfinale
Zverev will bei Tennis-WM ins Halbfinale
Nach schwacher Saison: Das will Kerber nun ändern!
Nach schwacher Saison: Das will Kerber nun ändern!

Kommentare