Nach dem Aus für ARD/ZDF

Ex-ARD-Sportchef: Eine Stimmung gegen Olympia

München - Das Aus von ARD und ZDF die Olympische Spiele zu übetragen, kam für viele überraschend. Ex-ARD-Sportchef Werner Rabe spricht im Interview, was man anders hätte machen können.

Werner Rabe, pensionierter ARD-Sportchef, hat seit 1972 von 19 Olympischen Spielen berichtet. Discovery/Eurosport steht er in beratender Funktion zur Seite. In der tz spricht er über die zukünftige Olympia-TV-Übertragung.

Herr Rabe, wie beurteilen Sie das Olympia-Aus von ARD und ZDF?

Werner Rabe: Ich bin sehr traurig darüber, dass man sich in

Werner Rabe hat von 19 Olympischen Spielen berichtet.

Deutschland, anders als beim ORF und beim SRG, nicht einigen konnte. Dort hat man sich an einen Tisch gesetzt, ohne die Öffentlichkeit zu informieren, hier hat es von Anfang an begleitende Negativäußerungen gegeben, dass Discovery/Eurosport gar nicht in der Lage sei, alleine Olympia zu übertragen, das habe ich sehr bedauert.

Gehören die Spiele ins öffentlich-rechtliche Fernsehen?

Rabe: Für mich ja, genau wie die Fußballweltmeisterschaft. Ich verstehe, dass es finanziell irgendwo eine Grenze gibt, auch wegen der schlechten Übertragungszeiten bei den nächsten drei Spielen in Asien, aber für mein Gefühl, hätten ARD und ZDF noch etwas mehr investieren können. Die Champions-League-Rechte beispielsweise finde ich nicht so wichtig, aber der Markt ist umkämpft, jeder Sender sucht nach Aushängeschildern.

Hätten Sie sich dieses Szenario je vorstellen können?

Rabe: Gegen Ende, besonders 2014 in Sotschi, hat man gemerkt, dass sich die Medienlandschaft ändert und noch weiter ändern wird. Die Stimmungslage gegenüber Olympia wackelt, auch wegen Thomas Bach, Doping und den vermeintlichen IOC-Knebelverträgen. Aber Rio hat bewiesen, dass die TV-Quoten nach wie vor gut sind. Olympia schauen Alt und Jung, es ist eines der letzten Lagerfeuer.

Kann Eurosport bzw. Discovery auch Olympia?

Rabe: Sie werden alles dafür tun, um eine gute Übertragung zu machen. Dass auch andere Sender von Großereignissen berichten können, hat man im Fußball gesehen, das ist alles kein Hexenwerk. Und Eurosport ist ein Wintersportsender, sie haben immer berichtet, nur etwas anders. Aber sie werden investieren, das sieht man beispielsweise auch an der Verpflichtung von Sven Hannawald als Skisprung-Experten.

Was ist die Grundversorgung?

In Deutschland ist im Rundfunkstaatsvertrag festgeschrieben, dass Ereignisse von „erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung“ frei empfangbar sein müssen. Neben diversen Fußballereignissen zählen dazu auch die Olympischen Spiele: 200 Stunden Sommerspiele und 100 Stunden Winterspiele müssen im nicht verschlüsselten TV laufen. Paragraf 4 Absatz 1 und 2 sagt, dass eine Übertragung im Pay-TV zwar erlaubt sei, aber nur wenn zeitgleich im kostenfreien Fernsehen live berichtet werde. ARD und ZDF müssen ebenfalls übertragen, in welcher Weise entscheiden nun die Intendanten.

Was zahlen die anderen?

Auch der Rest von Europa muss im Vergleich zu 2014/16 teilweise kräftig für die Discovery-Sublizenzen zahlen, dort hat man sich aber geeinigt: Österreich blecht 24 Millionen Euro (+ 33%), die Schweiz 16 ­Millionen Euro (+ 60%), die Niederlande 20 Millionen ­Euro (+ 11%) und Ungarn fünf Millionen Euro (+ 212%)

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