Patiententag am 20. März: Organe retten Leben

Triathlet Elmar Sprink bekam 2012 ein Spenderherz: „Ich will bis zum Ende Sport treiben“

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Immer in Bewegung: Elmar Sprink auf dem Mountainbike. „Ich werde engmaschig kontrolliert“, sagt er.

Triathlet Elmar Sprink, 47, bekam 2012 ein Herz transplantiert – nachdem sein eigenes Herz stehen geblieben war. Nur zwei Jahre später startete er beim „Ironman“ auf Hawaii. Es folgten mehr als 80 Ausdauerwettkämpfe. Extremsport mit einem Spenderherz: eine Art Therapie für Elmar Sprink.

Ihre Geschichte macht Mut und zeigt, was alles möglich ist. Aber ganz ehrlich: Wie schafft man das?

Das ist eine gute Frage. Ganz salopp gesagt: Ich habe nach der Transplantation einfach wieder mit Sport angefangen.

Das klingt wirklich fast zu einfach …

Das war alles andere als leicht! Ich hatte 2010 zu Hause auf dem Sofa einen Herzstillstand aus dem Nichts. Zwei weitere folgten, mein Herz wurde immer schwächer. 2011 ging es mir immer schlechter, ich konnte kaum noch laufen. Ich lag 189 Tage im Krankenhaus, am Ende an der Herz-Lungen-Maschine. Nach der großen Operation am 9. Juni 2012 musste ich erst mal wieder sitzen und alleine aufstehen lernen.

Wann kam die Lust auf Sport zurück?

Die war immer da. Schon nach zwei Monaten habe ich mit dem Radfahren wieder angefangen. Ganz langsam, mit zehn bis zwölf Stundenkilometern. Im Winter 2013 dann die ersten Joggingversuche: 500 Meter, mehr ging am Anfang nicht. Da hat das Anziehen länger gedauert als das Rennen.

Haben Sie ans Aufgeben gedacht?

Nein. Ich habe mir kleine Ziele gesetzt. Und ich hatte einen Vorteil: Ich war mein ganzes Leben lang schon ein Multi-Sportler und habe mit eigenem Herzen bereits sechs Mal den Ironman bewältigt. Ich wusste, wie es sich anfühlt, wenn Sport dich glücklich macht. Zähne zusammenbeißen gehört dazu. Und ich habe mich tatsächlich besser gefühlt, je mehr Sport ich gemacht habe. Nach acht Monaten habe ich bei einem 10-Kilometerlauf mitgemacht, nach einem Jahr folgte der erste Triathlon.

2014 sind Sie dann beim Ironman auf Hawaii gestartet, danach folgten etliche Ausdauerevents, wie der „Transalpine Run“ – 250 Kilometer und 15 000 Höhenmeter, oder der Ötztaler Radmarathon. War das Ihr Ziel?

Das waren alles Träume. Und ich habe schnell gemerkt, dass mit dem neuen Herzen einiges geht. Klar, ich mache schon extrem viel Sport. Aber ich glaube, viele Transplantierte trauen sich zu wenig zu. Dabei ist zu wenig Bewegung sicher schlechter, als manchmal ein bisschen zu viel.

Hatten Sie nie Angst, dass es zu viel wird für das neue Herz?

Ich habe sehr gute Ärzte, die haben mir versichert, dass Sport einem gesunden Herzen nicht schadet. Ich werde engmaschig kontrolliert und meine Werte werden aufgezeichnet. Die sind alle super. So ein Ultraschall tut ja zum Glück auch nicht weh, da ist eine Zahnreinigung schlimmer. Und natürlich habe ich Glück, dass das neue Herz offensichtlich gut zu mir passt. Aber eine 100-prozentige Garantie gibt es eben nie. Zwei Monate vor meinem Herzstillstand war ich damals auch beim Kardiologen, ohne auffälligen Befund.

Treiben Sie bewusster Sport als früher?

Ja, ich achte mehr auf die Signale meines Körpers. Beim kleinsten Anflug einer Erkältung mache ich Pause. Ich denke, dass ich sehr verantwortungsbewusst mit mir umgehe. Im Durchschnitt halten sich meine Trainingszeiten auch einigermaßen in Grenzen: Zwölf Stunden waren es 2018 wöchentlich, auf das ganze Jahr hochgerechnet. Zudem genieße ich viel mehr das Drumherum als früher. Momentan bin ich auf Lanzarote beim Training. Ich bereise spannende Länder, genieße die tollen Landschaften – und bin nicht mehr so auf Bestzeiten konzentriert. Klar trainiere ich nach einem Plan. Aber ich mache mir immer wieder bewusst, dass ich das alles freiwillig mache. Mir tut der Sport einfach gut.

Auf was müssen Sie achten?

Ich bin sehr pflichtbewusst bei der Einnahme meiner Medikamente – wie jeder andere Transplantierte muss ich mein Leben lang sogenannte Immunsuppressiva nehmen, damit mein Immunsystem das fremde Herz nicht abstößt. Alle zwölf Stunden zwei Wirkstoffe, da bin ich eisern, auch wenn es eine Zeitverschiebung gab und ich mir den Wecker mitten in der Nacht stellen muss. Durch die Medikamente bin anfälliger für Infektionen, damit muss ich umgehen. Außerdem darf ich nicht zu viel in die Sonne, weil ich ein erhöhtes Hautkrebsrisiko habe.

Ansonsten geht es Ihnen wieder richtig gut?

Körperlich ja. Aber mental und psychisch habe ich schon meine Probleme. Drei Mal ein Herzstillstand, diese Todesangst, Überleben nur dank Maschinen, das verändert einen schon. Ich leide an einer diagnostizierten Anpassungsstörung und einem posttraumatischen Belastungssyndrom. Ich schlafe schlecht und wache manchmal nachts mit Panikattacken auf. Meine Therapie ist der Sport, er lenkt mich ab.

Was sind Ihre nächsten Ziele?

Ich habe mich in Südafrika für die Mitteldistanz der Ironman-70.3-WM in Nizza am 7. September qualifiziert. Vorher starte ich unter anderem noch beim Osterlauf in Paderborn, dem Organspende-Lauf in München, ich mache den halben Ironman auf Mallorca, und mein Jahresziel ist die Challenge Roth, ein Langdistanzrennen.

Und was ist Ihr größter Wunsch?

Weiter gesund bleiben! Mit einem Spenderherz liegt die durchschnittliche Lebenserwartung bei 15 Jahren. Aber es gab schon Menschen, die über 30 Jahre mit einem fremden Herz lebten. Ich weiß nie, was mein Leben bringen wird. Aber es wäre schön, wenn ich bis zum Ende Sport treiben könnte – und ich freue mich über jeden Tag, den ich leben darf.

Das Interview führte: Aglaja Adam

Patiententag: Organe retten Leben

Füllen Sie das Formular unten auf dieser Seite aus und melden Sie sich an für den Patiententag am 20. März, 17.30 Uhr, im Münchner Pressehaus. Die Teilnahme am Patiententag ist kostenlos, die Teilnehmerzahl ist jedoch begrenzt.

Die Anmeldefrist ist leider abgelaufen.

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