„Ich bin sehr am Kämpfen“

Karriereende? Felix Neureuther kündigt Entscheidung an

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Hört er doch auf? „Man wird sehen“, sagte Felix Neureuther beim Weltcup in Schladming.

Felix ­Neureuther belegte beim Nachtslalom in Schladming am Dienstag einen guten achten Platz. Ob er allerdings kommende Saison noch fährt, ist offen.

Schladming - Auf der Heimfahrt gestern Vormittag konnte sich Felix Neureuther den Dienstagabend in Schladming noch ein mal durch den Kopf gehen lassen. 45 000 frenetische Fans, zumeist Österreicher, feierten den 34-Jährigen für seinen achten Platz auf der Planai, als wäre er einer der Ihren. Nur bei Nachtslalom-Sieger Marcel Hirscher (29) brandete mehr Jubel auf. Neureuther wirkte im Ziel angefasst, verbeugte sich, warf Kusshände ins Publikum und klopfte sich mehrfach mit der Faust aufs Herz. „Die Leute sind irre. Ich weiß nicht, warum der eine oder andere mich hier mag. Aber ich liebe sie auch“, sagte der Partenkirchner. 

Felix Neureuther: Karriere-Ende nach WM in Are?

Die Zuneigung der Fans „geht einem schon sehr nahe, sehr tief ins Herz, das so erleben zu dürfen, macht einfach sprachlos“. Für viele wirkte die Szenerie nach Abschied. So als würde der beliebteste deutsche Wintersportler kommende Saison nicht mehr als Aktiver ins Ski-Mekka zurückkehren. Befeuert wurde der Eindruck durch die Kronenzeitung, die, ohne Quellen anzugeben, erfahren haben will, dass Neureuther nach der WM in Are (5. bis 17. Februar) seine Karriere beendet. Der Protagonist ließ Nachfragen mit seinem für ihn typischen Lausbuben-Grinsen ins Leere laufen: „Ich bin seit einiger Zeit sehr am Kämpfen“, sagte er, „mein Körper spricht mit mir schon seit Längerem.“ Kurz vor Weihnachten waren diese Gefechte mit seiner inneren Stimme besonders hart, hätte er sich damals entscheiden müssen, es wäre wohl das Ende gewesen.

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Felix Neureuther ist körperlich in guter Verfassung

Stand heute geht die Tendenz eher zu einer Verlängerung der Karriere, womöglich sogar bis zu den Olympischen Spielen 2022 in Peking. Dieses Ziel hatte er noch im Oktober „im Hinterkopf“. Aufmunternde Ergebnisse würden das positive Gefühl verstärken. Die bisherigen Platzierungen 8., 8., 15., 17., 11. und 8. können den mehrfachen WM-Medaillengewinner in dieser Hinsicht aber nicht zufriedenstellen. Körperlich ist Neureuther bei seinem Comeback nach seinem Kreuzbandriss in guter Verfassung. Der Aufwand, den er dafür betreiben muss – viele Fahrten zu seinem Osteopathen Martin Auracher am Schliersee oder zu Doktor Müller-Wohlfahrt in München – nagt allerdings am Familienvater und lässt ihn zweifeln. DSV-Boss Wolfgang Maier (58) verwies das Abschiedsgerücht dennoch ins Reich der Fabeln: „Das ist ein Käse (…) Ich wüsste nicht, dass er sich verabschiedet hat.“ Neureuther will sich bis zur WM „nur aufs Skifahren konzentrieren“. Herren-Chef Mathias Berthold ist sich sicher, „dass der Felix beim nächsten Rennen (dem WM-Slalom, d. Red.) ziemlich geil auftreten wird“. 

Wie schnell kann Neureuther seinen aktuellen Rückstand aufholen?

Auch Frank Wörndl, Weltmeister 1987, sieht ihn im Kreis der Medaillenanwärter: „Der Schnee, die Piste, Are ist wieder ein anderes Rennen. Seinen aktuellen Rückstand kann er schnell aufholen“, sagte der 59-Jährige der tz. Heute schnallt sich Neureuther nach längerer Abstinenz den Riesenslalom-Ski an, nach dem Training steht fest, ob er beim Heimrennen am Sonntag an den Start geht. Auch in der Frage nach dem Karriereende wolle er bald „eine Entscheidung bekannt geben“. Nach tz-Informationen aber erst nach der WM. Verständlich und klug, denn so bleibt man im Gespräch. 

Mathias Müller

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