Dänemark verzichtet bereits

Verwirrung um Stopp: Nach erster Mitteilung - Norwegen vertagt endgültige Astrazeneca-Entscheidung

Dänemark stellt Corona-Impfungen mit Astrazeneca komplett ein. Die Entscheidung aus Norwegen sorgt hingegen für Irritationen, ein Ergebnis steht nun noch aus.

Update vom 16. April, 10.40 Uhr: Nachdem erste Meldungen über ein Astrazeneca-Aus in Norwegen am Donnerstag, 15. April publik wurden, scheint sich das Land nun doch noch nicht ganz auf das Aus geeinigt zu haben. Ein endgültiger Entschluss werde erst gefasst, nachdem ein Expertenausschuss bis zum 10. Mai seine Einschätzung zum Einsatz des Impfstoffes sowie zum
Mittel des US-Herstellers Johnson & Johnson gegeben habe, sagte Gesundheitsminister Bent Høie kurz darauf am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Oslo.

Parallel empfahl jedoch das nationale Gesundheitsinstitut FHI, das Astrazeneca-Praparät wegen des Risikos seltener, aber schwerwiegender Nebenwirkungen gänzlich aus der laufenden Impfkampagne zu streichen. Es gebe mittlerweile deutlich mehr Erkenntnisse über den Zusammenhang zwischen dem Vakzin und seltenen, schweren Fällen von Blutgerinnseln, Blutungen und niedrigen Blutplättchenzahlen, wurde der für den Infektionsschutz zuständige FHI-Direktor Geir Bukholm in einer Mitteilung zitiert.

Vor dem Hintergrund dieses Wissens empfehle man, das Präparat aus dem Impfprogramm zu nehmen. Die ursprüngliche Überschrift der Mitteilung, die die Streichung des Mittels aus der Impfkampagne ankündigte, wurde umgehend korrigiert. Norwegen hatte den Einsatz des Impfstoffes des britisch-schwedischen Unternehmens jedoch bereits am 11. März vorsorglich ausgesetzt, nachdem seltene Fälle von Blutgerinnseln nach der Impfung aufgetreten waren, darunter auch Todesfälle. Dieser Stopp wurde später verlängert.

Dänemark hatte am Mittwoch bekanntgegeben, seine Impfkampagne komplett ohne Astrazeneca fortzusetzen. Zuvor hat das EU-Land ebenso wie Norwegen bereits wochenlang auf den Einsatz verzichtet.

Update vom 15. April, 16.14 Uhr: Norwegen stellt die Impfungen mit dem Corona-Impfstoff von Astrazeneca ein. Vier Menschen waren in Norwegen nach einer Impfung verstorben. Das Land hatte daraufhin einen Astrazeneca-Stopp verhängt, um die Vorfälle zu untersuchen. Nun wird empfohlen das Vakzin aus dem Impfprogramm zu streichen, teilt Geir Bukholm, Direktor für Infektionskontrolle am National Institute of Public Health am Donnerstag mit. Bukholm weist darauf hin, dass es keine einfache Empfehlung war, heißt es in der Mitteilung der Gesundheitsbehörde Folkehelseinstitutt FHI.

Dänemark verzichtet komplett auf Astrazeneca-Impfstoff

Update vom 14. April, 14.20 Uhr: Das EU-Land Dänemark verzichtet nun dauerhaft auf den Einsatz des Corona-Impfstoffes von Astrazeneca. Die Impfkampagne werde ohne das Präparat des britisch-schwedischen Unternehmens fortgesetzt, gab der Direktor der dänischen Gesundheitsverwaltung, Søren Brostrøm, am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Kopenhagen bekannt. Es gebe „echte und ernsthafte Hinweise“ auf schwere Nebenwirkungen, so der Chef der Gesundheitsbehörde.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmann hat sich mit Astrazeneca impfen lassen

Update vom 10. April, 16.53 Uhr: Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat sich vor drei Wochen als erster deutscher Regierungschef gegen das Coronavirus impfen lassen. Er erhielt das Vakzin von Astrazeneca. Ganz spurlos ging die Impfung an dem 72-Jährigen jedoch nicht vorbei. Am Rande des Parteitags der Südwest-Grünen am Samstag berichtete er von Nebenwirkungen. „Ich musste einen Tag Homeoffice machen“, so Kretschmann. Er litt unter Gliederschmerzen und habe sich schlapp gefühlt. „Aber es lohnt sich für den Schutz, den man dadurch bekommt“, so der Ministerpräsident.

Müdigkeit, Kopfweh sowie Schmerzen an der Einstichstelle gehören zu häufigen Nebenwirkungen der Impfung. Solche Begleiterscheinungen sind Impfexperten zufolge üblich.

Astrazeneca-Impfung: Zahl der Thrombose-Fälle steigt weiter - 42 Verdachtsfälle in Deutschland bekannt

Update vom 9. April, 20.41 Uhr: In Deutschland sind bislang 42 Verdachtsfälle einer Sinusvenenthrombose nach Impfung mit dem Corona-Impfstoff von Astrazeneca bekannt. Das berichtete das Paul-Ehrlich-Institut am Freitagabend. Die 42 Fälle der speziellen Form sehr seltener Hirnvenenthrombosen seien bis zum 2. April gemeldet worden, in 23 Fällen sei zusätzlich eine Thrombozytopenie (Mangel an Blutplättchen) registriert worden.

Mit Ausnahme von sieben Fällen seien Frauen im Alter von 20 bis 63 Jahren betroffen gewesen. Allerdings seien Frauen nach den Angaben des Robert Koch-Instituts auch häufiger als Männer mit dem Produkt geimpft worden. Die Männer seien 24 bis 58 Jahre alt gewesen. Acht Betroffene starben, fünf Frauen und drei Männer, wie das für die Sicherheit von Impfstoffen zuständige Institut in Langen berichtete. Für Frauen zwischen 20 und 59 Jahren seien deutlich mehr Fälle beobachtet worden, als erwartbar gewesen sei. Inzwischen wird der Impfstoff in Deutschland in der Regel nur noch für Menschen ab 60 Jahren verwendet.

Sieben Fälle einer Sinusvenenthrombose wurden den Angaben zufolge nach Impfung mit dem Biontech-Impfstoff gemeldet, drei Frauen im Alter von 34 bis 81 Jahren und vier Männer im Alter von 81 bis 86 Jahren seien betroffen gewesen. In keinem Fall wurde eine Thrombozytopenie berichtet. Die Zahl der gemeldeten Fälle sei jedoch unter Berücksichtigung der verimpften Dosen im Vergleich zur gewöhnlich erwarteten Zahl dieser Thrombosen nicht erhöht.

Bis zum 2. April seien in Deutschland insgesamt rund 14,38 Millionen Impfungen durchgeführt worden. Dem Institut wurden 407 Todesfälle „in unterschiedlichem zeitlichen Abstand zur Impfung“ gemeldet bei Menschen im Alter zwischen 24 und 102 Jahren. Der Abstand habe zwischen weniger als einer Stunde und 40 Tagen betragen. Bei der überwiegenden Mehrzahl hätten zum Teil multiple Vorerkrankungen bestanden, die vermutlich todesursächlich gewesen seien. In einzelnen Verdachtsfällen seien weitere Informationen angefordert worden.

Astrazeneca-Impfungen: EMA prüft jetzt auch Zusammenhang mit Clarkson-Syndrom

Update vom 9. April, 16.21 Uhr: Die EU-Arzneimittelbehörde EMA untersucht einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Astrazeneca-Impfstoff und dem Kapillarlecksyndrom. Es gehe um fünf Fälle der auch als Clarkson-Syndrom bekannten Gefäßerkrankung. Bei dem nur sehr selten auftretenden Leiden ist die Durchlässigkeit der Kapillargefäße zu hoch, so dass Plasma austritt und es zu Ödemen und einem Abfall des Blutdrucks kommt.

Erst am Mittwoch (7. April) hatte sich die EU-Behörde mit einem möglichen Zusammenhang zwischen der Astrazeneca-Impfung und dutzenden, teilweise auch tödlichen, Fällen von Thrombosen befasst. Sie kam zu dem Schluss, dass der Nutzen der Impfung das Risiko überwiegt und empfahl lediglich, Blutgerinnsel künftig als „sehr seltene Nebenwirkung“ des Impfstoffs aufzuführen. In Deutschland wurde der Einsatz des Astrazeneca-Impfstoffs grundsätzlich auf Menschen ab 60 Jahren eingeschränkt.

Astrazeneca: Wirtschaftsminister Altmaier mit Corona-Vakzin geimpft

Update vom 9. April, 10.32 Uhr: Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) ist mit dem Impfstoff von Astrazeneca gegen das Coronavirus geimpft worden. Der 62-Jährige habe am Freitag in Berlin seine erste Dosis erhalten, teilte sein Ministerium mit. Er habe die Impfung „regulär“ erhalten, sagte Altmaier demnach.

„Das Impfen ist der entscheidende Schritt, um diese Pandemie zu überwinden“, fuhr der Minister fort. Er appellierte an die Bürgerinnen und Bürger des Landes, diese Möglichkeit ebenfalls zu nutzen.

Astrazeneca-Impfung in Deutschland: Streeck über neue Stiko-Empfehlung verwundert

Erstmeldung vom 8. April 2021:

Amsterdam - „Der Nutzen des Wirkstoffes bei der Bekämpfung von Covid-19 ist deutlich höher zu bewerten als die Risiken“, erklärte Emer Cooke, Direktorin der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA), bei einer Pressekonferenz am Mittwoch in Amsterdam. Die Experten der EMA stellten einen Zusammenhang zwischen Astrazeneca-Impfungen und Blutgerinnseln fest, wenn gleichzeitig eine sehr geringe Zahl von Blutplättchen vorhanden war. Dies trete allerdings sehr selten auf. Daher entschied sich die Behörde dazu, das Astrazeneca-Vakzin weiterhin uneingeschränkt zu empfehlen.

Astrazeneca: Stiko bleibt bei Empfehlung für über 60-Jährige - Deutschland hat Alternativen

Die Ständige Impfkommission (Stiko) bleibt trotz der positiven Stellungnahme der EMA bei ihrer Empfehlung, den Astrazeneca-Impfstoff in Deutschland weiter nur bei Menschen über 60 Jahren einzusetzen. Das teilte der Vorsitzende Thomas Mertens am Donnerstag im ZDF-„Morgenmagazin“ mit.

Wenn man ganz Europa betrachte, habe die EMA mit ihrer positiven Bewertung der Astrazeneca-Impfung sicher recht, betonte Mertens im RBB-Inforadio: „Denn es gibt viele Länder in Europa, die auch in ihrer Impfkampagne fast völlig von Astrazeneca abhängen.“ In Deutschland sei das anders, auch andere Präparate stünden zur Verfügung. „Wir haben die Möglichkeit, Impfstoffe in den Altersgruppen zu verschieben und dadurch das Risiko einer schweren Nebenwirkung zu reduzieren oder ganz auszuschließen“, so Mertens.

Die Stiko bleibt bei ihrer Empfehlung, den Corona-Impfstoff von Astrazeneca für über 60-Jährige zu verwenden. (Symbolbild)

„Wir bleiben dabei, dass wir den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission folgen“, erklärte auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Donnerstag im WDR5-„Morgenecho“. Er schloss sich Mertens Argumentation an, dass man in Deutschland alternative Corona-Impfstoffe* zur Verfügung habe und daher aus Vorsicht bei der Empfehlung bleiben könne. „Wenn wir nur Astrazeneca als Impfstoff hätten und keine Alternative für die unter 60-Jährigen, dann käme man in der Abwägung - wie ist die Empfehlung - möglicherweise zu einem anderen Ergebnis“, sagte Spahn weiter.

Astrazeneca: Stiko empfiehlt Zweitimpfung mit anderem Corona-Impfstoff

Die Reaktionen auf die EMA-Einschätzung zum Astrazeneca-Impfstoff waren in den europäischen Ländern bislang unterschiedlich. Italien und Spanien änderten ihre Impfrichtlinien und empfehlen das Präparat von Astrazeneca, wie Deutschland, nur für Personen über 60 Jahre. In Österreich sprach sich das nationale Impfgremium hingegen dafür aus, der EMA-Empfehlung zu folgen und den Astrazeneca-Impfstoff weiterhin uneingeschränkt zu empfehlen.

Jüngeren Personen, die bereits eine Erstimpfung mit dem Astrazeneca-Vakzin bekommen haben, empfiehlt die Stiko, die beim Robert-Koch-Institut (RKI)* angesiedelt ist, auch weiterhin eine Zweitimpfung mit einem anderen Corona-Impfstoff, von Biontech* oder Moderna*. „Viele glauben, dass dann zwei Impfstoffe im Körper um die Wette arbeiten“, erklärte Mertens, „aber das ist nicht so.“ Vielmehr sei der eigentliche Impfstoff schnell aus dem Körper verschwunden. „Was bleibt, ist die Immunantwort“, so der Stiko-Vorsitzende im ZDF-„Morgenmagazin“. In einem Gespräch mit der Rheinischen Post stellte Mertens die These auf, dass es bei einer Zweitimpfung mit einem anderen Corona-Impfstoff* sogar zu einer besseren Schutzwirkung kommen könne.

Astrazeneca-Zweitimpfung: Streeck überrascht über Stiko-Empfehlung

Der Virologe Hendrik Streeck zeigte sich überrascht über die Stiko-Empfehlung, Astrazeneca-Erstgeimpften eine Zweitimpfung mit einem anderen Vakzin anzubieten. „Da sind die klinischen Studien noch nicht gelaufen. Ich hielte es für notwendig, sich an die Regeln zu halten und abzuwarten, ob die Studien erfolgreich sind“, sagte Streeck der Fuldaer Zeitung. Die Entscheidung, den Astrazeneca-Impfstoff nicht mehr an unter 60-Jährige zu verimpfen, halte er allerdings für „nachvollziehbar“ - auch wenn der Impfstoff an sich gut und sicher sei.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach ist ebenfalls von der Wirksamkeit des Astrazeneca-Impfstoffs überzeugt. „Selbstverständlich habe ich ihn auch genommen“, schrieb er auf Twitter und postete dazu ein Bild, auf dem seine Corona-Impfung im Leverkusener Impfzentrum mit dem Astrazeneca-Vakzin* zu sehen ist. Über das Astrazeneca-Dilemma berichtet auch ruhr24.de* (ph/dpa) *Merkur.de und ruhr24.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © MARCO BERTORELLO/afp

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