China beginnt langen Marsch zur Raumstation

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China hat ein erstes Modul für die Entwicklung einer eigenen Raumstation ins Weltall geschickt. Während die USA, Russland und Europa ihre Pläne im Weltraum zurückschrauben, strebt das Reich der Mitte volle Kraft voraus ins All.

Peking - China hat ein erstes Modul für die Entwicklung einer eigenen Raumstation ins Weltall geschickt. Während die USA, Russland und Europa ihre Pläne im Weltraum zurückschrauben, strebt das Reich der Mitte volle Kraft voraus ins All.

China ist dem Bau einer eigenen Raumstation ein großes Stück näher gekommen. Erfolgreich brachte eine Rakete vom Typ “Langer Marsch 2FT1“ am Donnerstag ein Weltraummodul in eine Umlaufbahn. “Tiangong 1“, übersetzt “Himmelspalast“, wird den ersten chinesischen Andockmanövern im All und Tests für die Entwicklung und den Betrieb einer eigenen Raumstation dienen. Mit einem Feuerschweif vor dem dunklen Nachthimmel hob die Rakete vom Raumfahrtzentrum in Jiuquan (Provinz Gansu) in Nordwestchina ab.

“Alles normal“, kommentierte die Flugkontrolle immer wieder den Start. Kameras an der Außenwand dokumentierten jede Flugphase der Rakete live im chinesischen Staatsfernsehen für das Milliardenvolk. Rund 20 Minuten nach dem Start meldete das Raumfahrtzentrum, dass “Tiangong 1“ wie geplant seine Position in rund 350 Kilometer Höhe erreicht habe und die Sonnensegel ausgeklappt worden seien. Der Kommandeur des Raumfahrtprogramms, Chang Wanquan, verkündete unter großem Beifall den “kompletten Erfolg“ des Starts.

Himmelsphänomene und ihre Ursachen

UFOs? Von wegen! Himmelsphänomene und ihre Ursachen

Wenn in Werner Walters Ufo-Zentrale in Mannheim das Telefon klingelt, kann er manche Himmelsphänomene ganz einfach erklären. Wir zeigen Ihnen eine Auswahl. © dpa
HALE-BOPP: Er schrieb Geschichte: Hale-Bopp war für mehrere Jahrzehnte einer der hellsten und meist beobachtesten Kometen. Erstmals wurde er am 23. Juli 1995 unabhängig voneinander von Alan Hale und Thomas Bopp in den USA entdeckt. Kometen sind Schweifsterne, die die Sonne auf Bahnen umlaufen und zum Großteil aus kleinen, locker verbundenen Staub- und Mineralienteilchen sowie Eis bestehen. © dpa
Sie können einen Durchmesser bis zu 100 Kilometern haben. Wenn der Komet ins Sonnensystem dringt, entreißt ihm der Sonnenwind Gaspartikel, und der Schweif ensteht. © dpa
POLARLICHTER: Polarlichter sind rote, grüne oder blaue schweifhafte, größflächige Lichterscheinungen, die im Bereich der Pole fast täglich vorkommen. Sie entstehen, wenn Elektronen oder andere geladene Teilchen auf die Erdatmosphäre treffen und schließlich als ein Strom in Spiralen entlang auf die Erde treffen. © dpa
Mark Vornhusen von Meteomedia: „Für gewöhnlich werden sie durch das Magnetfeld zu den Polen gelenkt. Wenn aber etwa alle 11 Jahre die Sonne ihre stärkste Aktivität hat, gerät das Magnetfeld durcheinander, und die Polarlichter können auch bei uns erscheinen – das ist übrigens in ein, zwei Jahren wieder der Fall.“ © dpa
GLÜHENDE HIMMELSSPINNE: Von der spektakulärsten UFO-Sichtung hat im November 2009 eine Lufthansa-Crew auf der Strecke zwischen Norwegen und Grönland berichtet. Ufologe Walter klärte damals auf, dass in ihrer Sichtweite der russische Spionagesatellit Kosmos 2455 gestartet war. © dpa
Eispartikel im Raketenschweif und die nur sehr niedrige Umlaufbahn von 195 Kilometern sorgten unter spezieller Beleuchtung für diese glühende Himmelsspinne. © dpa
VENUS: Ein leuchtendes rundes Objekt, das für einen Stern viel zu hell leuchtet! Wenn Augenzeugen dieses Phänomen beobachten, sei es oft die Venus, erklärt Wetterexperte Marc Vornhusen: „Ist sie nahe an der Sonne, sieht man sie nicht. In den Abend- oder ganz frühen Morgenstunden aber kann man sie hell leuchtend tief am West- beziehungsweise Ost-Horizont sehen.“ © dpa
Dieses Foto zeigt einen über Singapur © dpa
DIE ISS: Die Internationale Raumstation kreist in 350 Kilometern Höhe alle 90 Minuten um die Erde. © dpa
Wenn die ISS unsere Breiten überfliegt, erscheint laut Ufologe Werner Walter ein gelbliches Licht „etwas größer als ein Scheinwerfer“, das minutenlang von Westen nach Osten zieht. © dpa
DIE HALOS: Ein Halo (vom griechischen „Halo“ für „Mond“ oder „Sonne“) ist ein Lichteffekt, der durch Reflexion und Brechung von Licht an Eiskristallen in Cirrus-Wolken, an fallenden Schneekristallen oder im Eisnebel entsteht. © dpa
Der Effekt kann laut Vornhusen bis zu 30 unterschiedliche Formen haben. © dpa
„Je nach Form der Kristalle, nach dem Winkel, in dem das Licht auf die Kristalle trifft und nach der Windstärke entstehen am Himmels weißliche oder farbige Kreise, Bögen, Säulen oder Flecken.“ © dpa

“China ist einer permanenten Raumstation einen Schritt näher gekommen“, kommentierte das Staatsfernsehen. Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao, der den Start im Raumfahrtzentrum in Peking verfolgt hatte, gratulierte den Verantwortlichen. Der Start des Raummoduls nur zwei Tage vor dem Nationalfeiertag an diesem Samstag ist ein prestigeträchtiger Schritt für das größte Entwicklungsland der Erde, das zugleich zweitstärkste Wirtschaftsmacht ist.

Anfang November wird das unbemannte Raumschiff “Shenzhou 8“ folgen. Das “Magische Schiff“ soll ferngesteuerte Kopplungsmanöver mit dem Modul üben. Die 8,5 Tonnen schwere, 10,4 Meter lange und 3,35 Meter breite Testplattform soll nächstes Jahr auch von Astronauten angeflogen und als Mini-Raumlabor genutzt werden. Zwei weitere Flüge mit “Shenzhou“-Raumschiffen sind geplant. Erstmals könnte mit “Shenzhou 10“ auch eine Astronautin fliegen.

“Tiangong 1“ besteht aus einem Versorgungsteil und einer Versuchseinheit. In den 15 Kubikmetern Volumen haben drei Astronauten Platz. Zwei Missionen mit weiteren “Tiangong“-Modulen sind geplant, die 2016 ein Raumlabor bilden sollen. Um 2020 soll dann die richtige Raumstation gebaut werden, für die noch ein Name gesucht wird. Mit 60 Tonnen wird sie eher klein ausfallen. Die Internationale Raumstation ISS bringt immerhin rund 400 Tonnen auf die Waage. Da das internationale Projekt bis dahin auslaufen wird, wäre China dann das einzige Land mit einem bemannten Posten im All.

“Chinas größtes Problem ist der Mangel an Erfahrung mit Andockmanövern“, sagte Dean Cheng, Experte der US-Denkfabrik Heritage Foundation, der Nachrichtenagentur dpa. “Es hat noch nie zwei Raumschiffe miteinander verkoppelt. Die Risiken sind enorm.“

China betreibt ein ehrgeiziges Raumfahrtprogramm. Es baut ein Satellitennetz für ein eigenes globales Navigationssystem, hat den Mond im Visier und plant Flüge in die Tiefen des Weltraums. In zwei Jahren ist eine unbemannte Mondlandung geplant. Vorläufige Studien, eines Tages auch Astronauten auf den Erdtrabanten zu bringen, sind in Arbeit. Es gibt aber noch keinen Zeitplan dafür.

Für seine ambitionierten Pläne entwickelt China leistungsstärkere Raketen. “Um eine Raumstation zu bauen, brauchen wir Raketen mit größerer Schubkraft, da jedes Teil der Station rund 20 Tonnen wiegt“, sagte Chefingenieur Jing Muchun der Nachrichtenagentur Xinhua. Auf der südchinesischen Insel Hainan wird ein dritter chinesischer Raumfahrtbahnhof gebaut, auch weil die Nähe zum Äquator für Raumflüge besser geeignet ist. Dort soll 2014 erstmals eine größere Rakete vom Typ “Langer Marsch 5“ starten.

Vor dem Start von “Tiangong 1“ musste das Raketenprogramm den ersten Fehlschlag seit 15 Jahren verkraften. Der ursprünglich für Anfang des Monats geplante Start wurde verschoben, weil am 18. August eine Rakete des ähnlichen Typs 2C aus der Familie “Langer Marsch“ abstürzte. Als Ursache wurden Fehler im Kontrollsystem der Steuerungsraketen ausgemacht. Die 2FT1-Rakete für das Raummodul wurde entsprechend nachgebessert.

Vor dem Andockmanöver mit “Shenzhou 8“ zwei Tage nach dem Start im November wird “Tiangong 1“ in eine Umlaufbahn in 343 Kilometer Höhe gehen. Das Raumschiff soll zwölf Tage angekoppelt bleiben. Vor seiner Rückkehr zur Erde und seiner Landung in der Inneren Mongolei in Nordchina soll noch ein weiteres Andockmanöver geübt werden. “Tiangong 1“ soll nach zwei Jahren kontrolliert ins Meer stürzen.

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