Sie kannte den Mann sogar

Duisburgerin sucht ihren Papa - und fällt aus allen Wolken, als sie rausfindet, wer es ist

+
Schwangere Frauen auf einem Symbolfoto.

Mehrmals haben sich die Duisburgerin und der Arzt vor Gericht gesehen. Von ihrer Verwandschaft wussten sie dabei nichts.

Essen - Rund 100.000 Kindern hat Doktor Thomas Katzorke in seiner seit 1981 bestehenden Praxis ins Leben verholfen. So zitiert ihn die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ). Er sei auch sichtlich stolz auf diese Zahl, heißt es in dem Bericht. Seine Praxis „Novum“ bediente sich dabei wohl immer wieder innovativer Mittel der Reproduktionsmedizin. Für kinderlose Frauen sei er so etwas wie die letzte Hoffnung gewesen, heißt es weiter. 

Katzorke gibt zu, zwei-, dreimal selbst gespendet zu haben. In den 1970er und 1980er Jahren im Essener Krankenhaus sei die Insemination damals Pionierarbeit gewesen. Bei derart neuartiger Arbeit gehe es manchmal wild und unordentlich zu, sagt der Arzt gegenüber der WAZ und bezeichnet den Skandal als „Wildwest“-Phänomen. Damit spielt der heute 70-Jährige auf die Pioniere an, die als erste Siedler auf dem jungen amerikanischen Kontinent Ende des 19. Jahrhunderts in den Wilden Westen reisten. 

Duisburgerin sucht ihren Vater: Arzt spendet selbst - trotz ärztlicher Ethik

Als Vorreiter interpretiert sich der Arzt demnach. Und das, obwohl seine Vorgehensweise schon damals gegen jegliche ärztliche Ethik verstieß und auch gegen Handreichungen der Bundesärztekammer. Wie die WAZ berichtet, will Katzorke dabei nicht allein gewesen sein. Die Ärzte seien in der Zeit vor der Dokumentationspflicht anonymer Samenspenden immer wieder selbst eingesprungen, wenn etwa ein vorgesehener Spender den Termin platzen ließ. „Wir wussten ja, welche Kollegen gesund waren, und dann hieß es, gib mal her“, sagt er derWAZ.

Auch wenn er sein Verhalten heute offiziell als falsch anerkennt, wirklich schlimm scheint er es nicht zu finden. Der genetische Vater sei nicht so bedeutsam wie der soziale, verteidigt er sich vor der Zeitung. Christina Motejl ist da ganz anderer Ansicht. Als sie mit 26 Jahren erfuhr, dass ihr Vater nicht mit ihr verwandt ist, hat sich die junge Anwältin auf die Suche nach ihrem leiblichen Vater gemacht. In ihrer Verzweiflung ging sie oftmals vor Gericht. Mit anderen Betroffenen des Vereins Spenderkinder wirbt sie immer wieder dafür, die Daten anonymer Samenspender auf Anfrage an die Kinder von Samenspendern herauszugeben.

Duisburgerin will Informationen von dem Arzt, der ihre Mutter inseminiert hat - er will sich an nichts erinnern

Und auch Katzorke hat sich laut der WAZ einen Namen vor Gericht gemacht. Er kämpfte gegen Motejls Anliegen und warb für eine Einhaltung der Anonymität. Dabei soll er auch mehrmals auf seine leibliche Tochter getroffen sein. Und das, ohne dass beide von der Verwandtschaft wussten. Christina Motejl hatte aber auch davor bereits Kontakt zu dem Arzt aufgenommen. Er war der Arzt, der ihre Mutter 1979 behandelt und inseminiert hatte, daher bat sie ihn um Informationen zu der Samenspende. Seine Antwort: Er könne sich nicht erinnern und habe auch keine Dokumente mehr. 

DNA-Datenbank: Über entfernte Verwandte in Kanada hat sie den Vater gefunden

Nur durch eine Verkettung von Ereignissen erfuhr Motejl die Identität ihres Vaters. Sie hatte sich in der DNA-Datenbank registrieren lassen und traf dabei auf einen entfernten Verwandten in Kanada. Motejl recherchierte weiter und stieß auf eine Todesanzeige, die ihr kanadischer Verwandter für seinen Vater veröffentlicht hatte. Um den Vater trauerte auch ein Neffe aus Deutschland: Doktor Thomas Katzorke. 

Der Arzt sprach dann mit Motejl - und habe ihr auch viel von seiner Familiengeschichte erzählt. Auf Bitten seiner Frau und drei Töchter will der den Kontakt dann aber abgebrochen haben, berichtet die WAZ.

Samenspenden: Kinder suchen ihre Väter

In Amerika hatte sich eine Zehnjährige mit ihrer Mutter auf die Suche nach dem leiblichen Vater gemacht. Auch sie kam durch eine Samenspende auf die Welt. Die beiden haben den Spender gefunden - mit großen Folgen. 2015 beschloss der Bundesgerichtshof, dass Reproduktionskliniken den Namen des Samenspenders auch Eltern preisgeben müssen, wenn diese das für die Information ihrer minderjährigen Kinder fordern. 

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Abgefahren, mit welchem Tattoo ein Mann nun freiwillig Bier-Werbung macht
Abgefahren, mit welchem Tattoo ein Mann nun freiwillig Bier-Werbung macht
Vater und Sohn wollen Mann im Oster-Urlaub retten - nun sind beide tot
Vater und Sohn wollen Mann im Oster-Urlaub retten - nun sind beide tot
Völlig abgedrehtes Angebot bei eBay-Kleinanzeigen: "Schaue Game of Thrones für euch"
Völlig abgedrehtes Angebot bei eBay-Kleinanzeigen: "Schaue Game of Thrones für euch"
Familiendrama: Mann sticht immer wieder auf Ehefrau ein – dann flieht er mit den Kindern
Familiendrama: Mann sticht immer wieder auf Ehefrau ein – dann flieht er mit den Kindern

Kommentare