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Bayern importiert mehr Gas und Öl aus Russland als alle anderen Länder - Söder setzt auf Atomkraft

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Von: Magdalena von Zumbusch

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Kein Bundesland ist abhängiger von russischem Erdgas und Erdöl als Bayern. Aufgrund des Ukraine-Kriegs setzt Markus Söder auf Atomkraft.
Kein Bundesland ist abhängiger von russischem Erdgas und Erdöl als Bayern. Aufgrund des Ukraine-Kriegs setzt Markus Söder auf Atomkraft. © Eli Hartman/dpa/Screenhsot Maybrit Illner ZDF

Bayern importierte 2021 Erdgas und Erdöl für 5,6 Milliarden aus Russland - viel mehr als alle anderen Bundesländer. Wie will der Freistaat nach der Ukraine-Invasion davon wegkommen?

München - Seit Ausbruch des Ukraine-Konflikts* werden Erdgas und Erdöl-Importe aus Russland immer mehr infrage gestellt. Umso interessanter, dass ausgerechnet Bayern hochabhängig vom russischen Erdgas und Erdöl ist - viel abhängiger als alle anderen Bundesländer. So stammten im Jahr 2020 nach den durch die bayrische Industrie- und Handelskammer bestätigten Zahlen 36 Prozent der bayrischen Erdgas und Erdöl-Importe Bayerns aus Russland - zu insgesamt 2,84 Milliarden Euro - im Jahr 2021 machte der russische Anteil an den Importen nach Angaben des Katapult-Magazins 5,6 Milliarden aus. Bei den insgesamt von Bayern für Erdgas- und Erdöl-Importe ausgegebenen 12,58 Milliarden, also rund 45 Prozent.

Alle anderen Bundesländer in Deutschland kaufen wesentlich weniger Gas und Öl aus Russland. Auf Platz zwei liegt Brandenburg mit 3,8 Milliarden, darauf folgen Hessen mit 3 Milliarden, Sachsen-Anhalt mit 2,6 Milliarden und NRW mit 1,8 Milliarden. Diese Zahlen für 2021 hat das Magazin Katapult aktuell recherchiert.

Folgen des Ukraine-Kriegs: Bayern hoch abhängig vom russischen Erdgas

Damit ist Russland vor allem als Energielieferant zentral für Bayern. Ein Rückgang der übrigen Handelsbeziehungen wäre für Bayern deutlich leichter zu verschmerzen. Es sind hier vor allem die Exporte Bayerns an Russland, die ins Gewicht fallen.

Insgesamt exportierte Deutschland im Jahr 2021 Waren im Wert von 26,6 Milliarden Euro nach Russland. Auf Bayern entfielen laut infranken.de fast drei Milliarden. Wichtigste Exportgüter waren dabei Waren der Maschinen-, Auto- und Pharmaindustrie. Darauf folgen Chemie-Industrie (insbesondere Kunststoffe) und elektrotechnische Waren.

Importiert wird aus Russland, abgesehen vom Erdöl und Erdgas, vergleichsweise wenig: Rund 0,6 Milliarden Euro beträgt der Importwert von russischen Waren.

Ukraine-Krieg und russische Gasimporte nach Bayern: Wie will Freistaat jemals unabhängig werden?

Wie also vom russischen Gas loskommen? Kurzfristig hilft bei Engpässen die Freigabe der nationalen Erdölreserven durch die Bundesregierung - durch diese soll aber in erster Linie soll eine Preisstabilisierung erreicht werden, daneben sollen unvorhergesehene Ausfälle in den Erdöl und -gaslieferungen abgedeckt werden. An Bayerns Russland-Abhängigkeit ändern also die Speicher langfristig nichts. Ein Problem ist die Infrastruktur.

Beispiel Flüssiggas aus Qatar und den USA: Dafür müsste Deutschland erstmal die nötigen Terminals in seinen Industriehäfen bauen. Die gibt es noch nicht. Wenn man jetzt loslegt, wären sie frühestens 2026 fertig, so erste Schätzungen laut BR. Abgesehen davon, dass das sogenannte LNG (Liquified Natural Gas) umweltpolitisch umstritten ist.

Insbesondere aber sind die für die Versorgung Bayerns notwenigen sogenannten Terminals in Deutschland zwar geplant, aber mit einem Einsatz kann erst in einigen Jahren gerechnet werden, nach ersten Schätzungen wurde 2026 als frühestes denkbares Datum genannt. Die in den USA beliebte Abbaumethode Fracking, bei der die Gas-Bohrungen mit enormem Druck vorgenommen werden, ist in Deutschland verboten. Dabei kommt es zu hohen Emissionen, erklärt Sascha Boden, Referent für Energie und Klimaschutz bei der Deutschen Umwelthilfe, gegenüber GEO.

Alternative zum russischen Gas in Bayern: Söder setzt auf Atomkraft - Aiwanger distanziert sich

Weiter bleiben heimische Kohle, ebenfalls sehr klimaschädlich. Markus Söder* spricht sich deshalb für eine Laufzeitverlängerung der bayerischen Atomkraftwerke aus, zumindest für einen „kurz begrenzten“ Zeitraum so der Ministerpräsident in der Kabinettssitzung in München am vergangenen Mittwoch. Kurz, konkretisiert er, seien für ihn in diesem Fall drei bis fünf Jahre. Söder sieht die Gefahren der Atomkraft kritisch. Trotzdem bleibe sie für ihn die beste und günstigste Möglichkeit, „Sicherheit und Klimaschutz zu verbinden“.

Hubert Aiwanger macht bekannt, dass Prüfungen schon im Gange sind: Konkret zur Laufzeit des AKW Isar 2 in Niederbayern, das an sich Dezember 2022 auslaufen soll. Allerdings distanziert sich Aiwanger persönlich von der Idee und plädiert bei der Frage Kohle oder Atom dafür, auf Kohle zu setzen. „Wir erleben einen Krieg vor der Haustüre, ein Atomkraftwerk bietet da auch ein Erpressungspotenzial“, äußert er gegenüber der Augsburger Allgemeinen.

Außerdem müssten die erneuerbaren Energien schneller ausgebaut werden. Insbesondere spricht Aiwanger sich für den Ausbau der Windenergie aus: „Wir müssen endlich in der Windkraft den Knoten durchschlagen, das heißt mindestens in den Wäldern und in den schon ausgewiesenen Vorrang- und Vorbehaltsgebieten die 10H-Abstandsregel fallen zu lassen und sofort in die Planung zu gehen“. Über dieses, vielleicht wichtigste Thema der kommenden Jahre, stritten sich Aiwanger und Söder ausgerechnet in der ZDF-heute show.**Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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