Tausende protestierten

Endlos-Zoff: Bayerns Mathe-Abi ist am Donnerstag wieder Fall für den Landtag

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Die Abiturienten verzweifelten dieses Jahr an ihrer Mathe-Prüfung. Jetzt gibt es neue Hoffnung.(Symbolbild)

Bayrische Abiturienten sind entsetzt über das schwere Mathe-Abi. Sie fordern einen Notennachlass. Am Donnerstag wird das Thema im Landtag behandelt.

Update vom 18. Juni: Jetzt ist klar, wie die Abiturienten in Bayern abgeschnitten haben. Merkur.de* berichtet, wie gut der Notenschnitt war und welche Überraschungen es beim Mathi-Abi gab.

Endlos-Zoff: Bayerns Mathe-Abi ist am Donnerstag wieder Fall für den Landtag

Update vom 5. Juni:

Der Streit über die Schwierigkeit des diesjährigen Mathe-Abiturs beschäftigt am Donnerstag erneut den bayerischen Landtag. Im Bildungsausschuss soll das Kultusministerium einen aktuellen Bericht abgeben. Allerdings: Die endgültigen Noten und der landesweite Schnitt sollen erst nach den mündlichen Prüfungen feststehen - und der Zeitraum dafür endet erst an diesem Freitag.

Nach der Auswertung erster Korrekturen hatte Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) Mitte Mai mitgeteilt, die Noten lägen bis dato leicht unter dem Niveau der „letzten drei, vier, fünf Jahre“.

Nach den Prüfungen Anfang Mai war Kritik lautgeworden, einige Fragen seien zu kompliziert und die Bearbeitungszeit für manche Aufgaben zu kurz gewesen. Im Internet wurde eine Petition gestartet, damit die Benotung dem Schwierigkeitsgrad angepasst wird. Hamburg und das Saarland haben angekündigt, die Bewertungsschlüssel zu verändern.

Für eine deutschlandweite Sensation sorgte die 14-jährige Mandy Hoffmann aus Peine bei ihrem Abitur am Gymnasium in Braunschweig, wie nordbuzz.de* berichtet.

Streit ums Mathe-Abi: Schüler bekommen zweite Chance - aber nicht alle

Update vom 27. Mai: Nach der Kritik am Mathematik-Abitur in Hamburg erhält ein Teil der Schüler die Möglichkeit, sich zusätzlich noch mündlich prüfen zu lassen. Die betrifft alle 1200 Schüler, die die Mathe-Abiturprüfung in der Stufe grundlegendes Niveau abgelegt haben. Sie hätten damit die Chance, ihre Note zu verbessern, teilte die Schulbehörde am Montag mit. Ihre Prüfungsaufgaben seien „relativ schwer“ gewesen, die Klausuren würden aber dennoch normal bewertet.

Für etwa 1400 Schüler, die das Mathe-Abitur auf erhöhtem Niveau zu bewältigen hatten, ändert sich nichts. Deren Aufgaben waren nach Auffassung der Behörde angemessen und nicht zu schwer.

Streit ums Mathe-Abi: Notennachlass? Kultusminister macht klare Ansage

Update vom 16. Mai, 11.47 Uhr: Kultusminister Michael Piazolo äußert sich in München gerade zur der umstrittenen Prüfung. Das Matheabi scheine nach der Erstkorrektur "etwas schlechter ausgefallen zu sein" als in Vorjahren. Die Prüfung sei ambitioniert, aber machbar gewesen. Der Notendurchschnitt werde dieses Jahr wohl bei 3,1 oder 3,2 liegen (Normaldurchschnitt: 3,0). „Das bietet aber für mich noch keinen Anlass, in die Bewertung einzugreifen", sagt Piazolo. Es wird demnach keinen Notennachlass geben.

dw

Umstrittenes Mathe-Abi: Schüler in Bayern benachteiligt? Ansage dürfte für Furore sorgen

Update vom 9. Mai, 21.37 Uhr: Die Empörung über das bayerische Mathe-Abitur hat einen bundesweiten Trend ausgelöst. Abiturienten aus ganz Deutschland beschweren sich. Dass sich alle auf dieselbe Aufgabe beziehen, scheint unwahrscheinlich. Jetzt stellt sich die Frage: Ist das Mathe-Abitur in Bayern wirklich schwerer, als in anderen Bundesländern?

Gegenüber der Bild-Zeitung äußerte sich dazu Susanne Lin-Klitzing (55), Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes - und macht Schluss mit den Mythen um das bayerische Elite-Abi: „Unser Abitur ist seit dem Zweiten Weltkrieg bis heute immer vergleichbarer zwischen den einzelnen Ländern geworden! Aber die gemeinsamen Leistungsansprüche müssen höher werden.“ 

Die annähernde Ähnlichkeit der Abiturprüfungen ergibt sich laut Bild-Zeitung auch daraus, dass die Kultusminister 2016 einen Fragenpool angelegt haben, aus dem sich inzwischen alle Bundesländer bedienen. Selbst an den Durchfallquoten lasse sich eine bayerische Sonderstellung nicht erkennen. Die höchsten Durchfallquote hat Mecklenburg-Vorpommern mit sieben Prozent.

Mathe-Abitur sorgt weiter für Wirbel: Im Laufe der Woche, eventuell schon am Montag, will das Kultusministerium in Bayern mitteilen, ob es einen Noten-Nachlass für das Mathe-Abitur gibt, wie Merkur.de* berichtet.

Kritik am Mathe-Abi in Bayern doch berechtigt?

Update vom 9, Mai, 07.01 Uhr: Nachdem der Ex-Präsident des deutschen Pädagogenverbandes, Josef Kraus, gestern schwere Kritik an den diesjährigen Abiturienten übte, die sich über die angeblich zu schwere Aufgabenstellung des Mathe-Abiturs 2019 beschwerten, erreichte unsere Redaktion der Kommentar einer betroffenen Schülerin.

Mathe-Abitur 2019: Hochbegabte Schülerin hält Kritik an Aufgaben für berechtigt

Pia S. (18), Schülerin an einem niederbayerischen Gymnasium nahm bereits mehrfach auf Vorschlag ihrer Schule hin an Hochbegabten-Seminaren teil und und für diverse Stipendien vorgeschlagen. S. gibt an, dass auch sie die Online-Petition unterschrieben hat, die die verärgerten und verunsicherten Schüler nach den Mathe-Abiturs-Prüfungen ins Leben gerufen hatten.

Begabte Schülerin zum Mathe-Abi 2019: „Das Problem war die Zeitvorgabe“

Wie die 18-Jährige erklärt, hatte sie in der Oberstufe besonders im Fach Mathematik stets hervorragende Leistung erbracht und ihre Klausuren seien durchgängig mit 15 Punkten bewertet worden. Zwar ist die 18-Jährige der Ansicht, dass alle Aufgaben des diesjährigen Abiturs, dank des großen Engagements ihrer Lehrerin und guter Vorbereitung, durchaus lösbar waren - die dafür verfügbare Zeit von vier Stunden jedoch bei Weitem nicht ausgereicht habe. Auch sie sei, trotz ihres Könnens, erheblich unter Zeitdruck geraten. 

Ein Mitschüler, der ebenfalls stets hervorragende Noten im Fach Mathematik erzielt habe und anderen Schülern Nachhilfe gebe, habe fünf Aufgaben unbearbeitet lassen müssen. Dies sei nur ein Beispiel von vielen weiteren.

Mathe-Abitur 2019: Schüler bangen um Studienplätze

Da die Noten im Fach Mathematik bei vielen Auswahlverfahren an Universitäten eine erhebliche Rolle spielten, entstünde vielen Schülern nun ein Nachteil aus der, aus S. Sicht, schwierigen und zeitlich nicht leistbaren Aufgabenstellung des diesjährigen Mathe-Abiturs.

Ex-Präsident des Lehrerverbands mit harter Kritik an Schülern

Update vom 8. Mai, 10.44 Uhr: Nachdem das Mathe-Abitur 2019 von vielen Schülern und Lehrern als zu schwer empfunden wurde, startete vor fünf Tagen in mehreren Bundesländern eine Online-Petition, die eine angepasste Bewertung der Aufgaben fordert. Allein in Bayern wurde die Petition von 76.000 Personen unterschrieben. 

Doch auch in anderen Bundesländern zeigte sich Unmut. In der „Bild“ unterstütze Hartmut Stäker, Präsident des Brandenburger Pädagogenverbands den Protest der Schüler gegen die Aufgaben. Er bezeichnete die Prüfungsaufgaben als unterrichtsfremd, zu umfangreich und ungeschickt formuliert.

Mathe-Abitur 2019 zu schwer? Ex-Präsident des Lehrerverbands: “Schüler sind verwöhnt“

Josef Kraus (69) jedoch, ehemals Gymnasiallehrer und 30 Jahre lang Präsident des Deutschen Lehrerverbands, widerspricht dieser Darstellung vehement. Er habe mit vielen Kollegen gesprochen, die den Trubel um das Mathe Abi 2019 nicht verstehen könnten. Kraus geht sogar noch einen Schritt weiter und behauptet:  „Die Schüler sind heute nur verwöhnt, weil die Matheaufgaben in den letzten Jahren vergleichsweise leicht waren.“

Josef Kraus: Universitäten haben sich schon beschwert - Vorwissen in Mathematik lückenhaft

Harte Kritik aus dem Mund des Ex-Pädagogen. Dennoch bestätigt er, dass die Aufgaben dieses Jahr „wieder ein bisschen schwerer“ geworden seien. Dies sei jedoch notwendig gewesen, da sich Universitäten bereits über das fehlende Vorwissen der Schüler beschwert hätten. Um zu verhindern, dass studienrelevanter Stoff an den Universitäten zunächst in Aufbaukursen nachgeholt werden müsse, sollten die Schüler bereits vorab besser vorbereitet werden. Dass das Abitur wirklich so viel schwerer gewesen sei, als in den Vorjahren, sodass es zu einer spürbaren Verschlechterung der Gesamtergebnisse kommen werde, glaubt Kraus nicht. 

„Hoffen nur auf bessere Noten“: Harte Kritik an Schülern - auch wegen „Fridays for future“

Mit einer besonderen Anschuldigungen an die Schüler geht Kraus sogar noch einen Schritt weiter und sieht die Begründung für den derzeitigen Abi-Protest auch in der „Fridays for future“- Bewegung.  „Sie merken, wenn sie Zirkus machen, tanzt die Politik vielleicht nach ihrer Pfeife“, so Kraus über die Schüler. Diese wollten jedoch keine Wiederholung der Prüfungen erreichen, sondern hofften lediglich auf bessere Noten. „Auf ihren geplanten Sommerurlaub wollen sie nicht verzichten“, so Kraus höhnisch.

Streit ums Mathe-Abi: Das war das eigentliche Problem mit den Aufgaben

Update vom 7. Mai, 19.50 Uhr: Die Proteste der bayerischen Abiturienten gegen die Aufgaben bei den diesjährigen Mathe-Prüfungen zeigen erste Erfolge (siehe Update von 11.38 Uhr) - aber es gibt auch Zweifel an ihren Einwänden. Experten des Kultusministeriums etwa sahen in einer ersten Einschätzung keine übertriebenen Schwierigkeiten. Doch zumindest für einige der Betroffenen liegt die Problematik auch gar nicht im Schwierigkeitsgrad einzelner Aufgaben, wie ein Abiturient aus dem Münchner Umland nun Merkur.de* dargelegt hat.

Viele Medien missverstünden die Problematik, erklärt Jonas N., der die Prüfungen selbst mitgeschrieben hat, seinen vollen Namen allerdings nicht in Zusammenhang mit dem Streit ums Mathe-Abi im Internet lesen will. „Ich behaupte nicht, dass die Aufgaben nicht lehrplankonform oder unmöglich machbar sind“, meint er. Allerdings sei die Gesamtheit der Aufgaben nicht mit jener der Vorjahre vergleichbar.

Die Problematik begründe sich darin, „dass zu viele Aufgaben aufgrund der Art wie sie gestellt waren, verschnörkelt und unnötig kompliziert formuliert, zu viel Zeit beansprucht haben. Daraus resultierte, dass viele Schüler Probleme hatten, rechtzeitig fertig zu werden“, erklärt er seine Sicht der Dinge. „Im Vergleich zu den Vorjahren war deshalb dieses Abitur deutlich schwieriger zu bewältigen, was man jedoch nur merkt, wenn man in der Zeit davor viele andere Abiture selbst gerechnet hat“ - so, wie es viele Schüler zur Abiturvorbereitung tun.

Eine große Rolle spielt N. zufolge für viele Betroffene die Vergleichbarkeit mit den Abituren in anderen Bundesländern: „Uns geht es darum, dass es nicht sein kann, dass der Abiturschnitt davon abhängig ist in welchem Jahr oder Bundesland wir teilnehmen“, meint er. Während der Klausuren in der Oberstufe sei man nie mit derartigen Aufgaben konfrontiert gewesen: „Wenn man das Niveau des Abiturs steigern will, kann man damit nicht in den Abschlussprüfungen damit beginnen, sondern auf dem Weg dahin.“

„Sturm im Wasserglas“ oder einfach nur zum Heulen? Direktoren nach umstrittener Mathe-Prüfung uneins

Update vom 7. Mai, 16.47 Uhr: Kritik am Text und eine Petition – das Mathe-Abitur dieses Jahres schlägt auch im Landkreis Starnberg hohe Wellen. Die Schulleiter sind geteilter Meinung, wie schwer die Aufgaben wirklich waren. Die Rede ist von weinenden Schülerinnen, aber auch von einem „Sturm im Wasserglas“. Landesschülersprecher Joshua Grasmüller vom Landschulheim Kempfenhausen hat an den Minister geschrieben, wie Merkur.de* berichtet.

Mathe-Abi 2019 zu schwer? Petition zeigt ersten Erfolg

Update vom 7. Mai, 11.38 Uhr: Die gestartete Petition zeigt jetzt den ersten Erfolg: Der bayerische Kultusminister Michael Piazolo kündigt eine Überprüfung der Aufgaben an. Die Entscheidung soll noch diese Woche fallen. Bis jetzt haben insgesamt 63.000 Menschen, darunter auch viele Eltern, die Petition unterzeichnet. Die Lehrergewerkschaft GEW hat das Kultusministerium um eine Überprüfung der Aufgaben gebeten. "Im Fall zahlreicher Beschwerden muss sich eine Fachkommission noch einmal mit den Aufgaben befassen. Kommt diese zum Ergebnis, dass sie zu schwer waren, gibt es nur eine faire Lösung: Die Bewertung muss großzügiger ausfallen", sagte eine Vorstandssprecherin der Lehrergewerkschaft GEW in einem Interview mit ANTENNE BAYERN.

Bayerns Kultusminister Michael Piazolo weist die Kritik im Radio-Interview zurück. Den Experten im bayerischen Kultusministerium liegen die Aufgaben vor und diese sehen keine außergewöhnliche Schwierigkeit. Trotzdem nimmt das Kultusministerium die Petition ernst und verspricht eine Überprüfung der Prüfungsaufgaben. Bis Ende der Woche will das Kultusministerium dann ein erstes Ergebnis vorlegen. 

Derweil haben sich auch Gymnasialdirektoren aus dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen zu den umstrittenen Aufgaben geäußert, wie merkur.de* berichtet. Den Hintergrund der Online-Petition können sie nur zum Teil nachvollziehen.

Mathe-Abi 2019 zu schwer? News vom 6. Mai

Update vom 6. Mai, 19.00 Uhr: Viel wird über das bayerische Mathe-Abitur debattiert - die fraglichen Aufgaben zu Gesicht bekommen haben bislang eher wenige Menschen. Teilaufgaben aus den Bereichen Geometrie und Stochastik liegen nun der Ippen-Digital-Zentralredaktion vor. Just Aufgaben aus diesen Bereichen stehen auch im Zentrum des Ärgers der betroffenen Schüler.

Teile der Aufgaben aus dem Bereich Stochastik (re.) und Geometrie des bayerischen Mathe-Abiturs.

Bereits am Sonntag waren auf Twitter einige Aufgabestellungen als Foto publik geworden. Bis die Fragestellungen des bayerischen Mathe-Abiturs 2019 aber in ihrer Gänze online einsehbar sein werden, wird es wohl noch etwas dauern - mit einer Veröffentlichung ist erst nach Beendigung der Korrekturen zu rechnen.

Update vom 6. Mai, 15.22 Uhr: Rund 60.000 Menschen haben bereits die Petition unterschrieben, die von bayerischen Schülern ins Leben gerufen wurde, und verlangt, dass die Benotung der Schwierigkeit der bayerischen Mathe-Abiturprüfungen in diesem Jahr angepasst wird. Das bayerische Kultusministerium teilte mit, dass die Aufgaben nun erst einmal durch Erst- und Zweitkorrektor bewertet würden, so wie üblich. Dann werde man Stichproben nehmen, um Rückschlüsse ziehen zu können. Wie auch die Vertreter der Lehrerschaft gehen die Verantwortlichen des Kultusministeriums nicht von einem erheblichen Einbruch der Noten ein. Die Aufgaben seien „nicht außergewöhnlich schwer“ gewesen.

Video: Online-Petition: Ärger um Mathe-Abi

Mathe-Abi 2019 in Bayern: Aufgabenstellung noch nicht einsehbar

Wie schwer die Aufgaben tatsächlich waren, lässt sich derzeit für Außenstehende nur schwer nachvollziehen. Wann die Aufgabenstellungen online einsehbar sein werden ist derzeit noch nicht bekannt.

Update vom 6. Mai, 12.45 Uhr: Die Debatte um das bayerische Mathe-Abitur 2019, das in diesem Jahr besonders schwer und nahezu unlösbar gewesen sein soll, reißt nicht ab. Der bayerische Philologenverband (bpv) rät nun, zunächst die erste Benotung abzuwarten.

Vertreter der Gymnasiallehrer: „Erst mal die Bewertungen abwarten“

Benedikt Karl, Sprecher des bpv, sagte am Montag, erst wenn der Schnitt der Mathe-Abinoten den durchschnittlichen Notenschnitt von 3,1 aus den Vorjahren massiv unterschreiten sollte, könne man ernsthafte Schlüsse auf möglicherweise zu schwere Aufgabenstellungen ziehen. Nach Einschätzung vieler Lehrkräfte, der bpv vertritt unter anderem die bayerischen Gymnasiallehrer, seien die Aufgaben nicht erheblich schwerer gewesen als sonst.

Bayerisches Schulsystem ungerecht? Schüler erklärt eigentliches Problem in der Abitur-Debatte

Dass in der ganzen Diskussion eigentlich ein ganz anderes Thema mitschwingt, geht bei der Frage um die Notenvergabe leider ganz unter. So äußerte sich der Schüler David (19), der ebenfalls bei den diesjährigen Prüfungen mitgeschrieben hat und deshalb hier nur beim Vornamen genannt werden möchte, dass das eigentliche Problem das bayerische Schulsystem in seiner Gesamtheit sei. So müssten die bayerischen Schüler ständig das Gefühl von Ungerechtigkeit herunterschlucken, so der 19-Jährige und führt einige Beispiele an.

So sei in manchen Bundesländern eine Abitur-Prüfung im Fach Mathematik gar nicht notwendig, in anderen Bundesländern wiederum gebe es andere Aufgabenpools und eine größere Wahlmöglichkeit für die Schüler selbst, welche Aufgabenstellungen sie bewältigen möchten. Auch die ständig unangekündigten Hausaufgabenprüfungen, in Bayern „Ex“ genannt und eine wissenschaftlich fundierte Facharbeit in der Oberstufe seien nur in Bayern, nicht jedoch in anderen Bundesländern der Usus.

Video: Abitur-Niveau sinkt

Schüler bemängelt bayerisches Schulsystem: Bayerisches „Qualitätsabitur“ bringt keine Vorteile

Dass das bayerische Abitur dann im Nachhinein als „Qualitätsabitur“ bezeichnet würde sei dennoch „lächerlich“ so David, denn an den Universitäten würden die bayerischen Abiturienten deshalb nicht bevorzugt, sodass die Studienanfänger aus anderen Bundesländern im Vorteil seien, da sie die gewünschten Numeri Clausi leichter erreichen könnten. 

Update vom 6. Mai, 05.55 Uhr: Trotz der Schülerproteste gegen die Abiturprüfung in Mathematik sieht der Präsident des Deutschen Lehrerverbands bisher keine Anzeichen dafür, dass die Aufgaben zu schwierig waren. „Im Internet lässt sich Erregung sehr schnell mobilisieren. Deshalb sollten wir abwarten“, sagte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger der „Rhein-Neckar-Zeitung“ (Online).

Meidinger leitet ein Gymnasium im bayerischen Deggendorf und sagte: „Ohne dem endgültigen Bewertungsergebnis vorwegzugreifen: Die Tendenz zeigt für Bayern, die Notenresultate bewegen sich im durchschnittlichen Bereich der Abi-Prüfungen in Mathematik.“ Wenn es Anzeichen für eine erschwerte Prüfung gebe, müsse man über eine Neubewertung nachdenken. „Aber derzeit gibt es dafür keine Anzeichen.“

Mathe-Abi zu schwer? Experte hat Rat an Schüler - und Appell an die Politik

Update vom 5. Mai, 17.22 Uhr: Mittlerweile gibt es auch ein Statement des Bayerischen Philologenverbandes (bpv) zur Petition hinsichtlich des Mathe-Abiturs 2019. Der bpv vertritt als einziger Verband speziell die Lehrkräfte an Gymnasien und Beruflichen Oberschulen und damit auch diejenigen, die das Mathe-Abitur korrigieren. 

Sein Vorsitzender Michael Schwägerl äußert sich zur Petition: „Wenn Schülerinnen und Schüler das Gefühl haben, ihre Abiturprüfung sei die schwerste, dann ist das zunächst verständlich und eine zutiefst menschliche Reaktion. Sieht man sich aber die Ergebnisse der letzten Jahre an, so erkennt man, dass sich die Durchschnitte nur um wenige Hundertstelnoten voneinander unterscheiden. Insofern ist die Einschätzung der Petition, dass es in den letzten Jahren starke Schwankungen gab, schlichtweg falsch. Es ist deswegen auch nicht angebracht, über das Niveau des Abiturs zu diskutieren. Wir sind zurecht stolz auf den hohen Anspruch des bayerischen Abiturs. Warten wir doch erstmal die Ergebnisse ab.“

Mathe-Abi 2019 zu schwer? „Es kann natürlich sein, dass ...“

Florian Borges, Fachgruppenleiter Mathematik im bpv, sieht die Sache ähnlich: „In der diesjährigen Prüfung waren keine lehrplanfremden Inhalte verlangt. Es kann natürlich sein, dass die ein oder andere Überraschung in den Aufgaben war, aber ein zumutbarer Anteil von problemorientierten, anspruchsvolleren Nichtstandardaufgaben ist vorgesehen, schließlich strebt man die allgemeine Hochschulreife an und sollte mehr als nur rezeptartige Reproduktionstechniken beherrschen. Alle Niveaus sollen in angemessenem Anteil vertreten sein und nach ersten Berichten von Kolleginnen und Kollegen war insbesondere der Teil A in diesem Jahr sehr machbar. Viele Kollegen vor Ort teilen die Einschätzung, dass es insgesamt eine sehr faire Aufgabenstellung war. Insofern sind wir überrascht, dass es jetzt eine solche Reaktion gibt.“

Daher rät Schwägerl den Abiturienten: „Hadert nicht mit der Matheprüfung. Konzentriert Euch jetzt voll auf die anstehenden Aufgaben und weiteren drei Prüfungen und wartet dann das Ergebnis ab.“ Und an die Politik appelliert er: „Was die Lehrkräfte brauchen ist Rückendeckung, auch vonseiten der Politik. Die Schüler wurden von uns bestmöglich auf das Abitur vorbereitet und jetzt heißt es die Arbeiten (zumeist am Wochenende oder abends) zu korrigieren.“

Mathe-Abi zu schwer? Jetzt meldet sich der Kultusminister - mit eindeutigem Statement

Update 5. Mai 15.41 Uhr: Gegenüber dem Münchner Merkur äußerte sich nun der bayerische Kultusminister Michael Piazolo von den freien Wählern folgendermaßen:

„Wir nehmen die Hinweise der Schülerinnen und Schüler zum Schwierigkeitsgrad der Abituraufgaben im Fach Mathematik ernst und werden die Aufgaben sorgfältig prüfen. Dabei beziehen wir unsere Expertinnen und Experten an den Schulen und den Dienststellen der Ministerialbeauftragten mit ein. Bereits am Montag werden wir damit beginnen.“

Zudem teile ein Ministeriumsvertreter mit, dass die Aufgaben für das Abitur stets aus einem Aufgabenpool entnommen werden, aus dem auch die anderen Bundesländer ihre Abitur-Klausuren zusammensetzen. Nur so ließe sich eine Vergleichbarkeit und Fairness zwischen allen Ländern erreichen.

Bislang wurden allerdings in keinem anderen Bundesland ähnliche Beschwerden laut.

Update 5. Mai, 10.56 Uhr: Nach Informationen des Münchner Merkur hat das Kultusministerium eine Überprüfung der Ereignisse zugesichert. Weitere Informationen sollen im Laufe des Tages folgen.

Derweil melden sich auch Lehrer zu Wort, wie beispielsweise Bettina Cornean (26), die derzeit an einer Münchner Privatschule das Fach Mathematik unterrichtet und im Rahmen dessen eine innovative Form der Mathematik-Nachhilfe gegründet hat. Von über 150 Schülern, die dieses Angebot in den vergangenen vier Jahren angenommen hätten, sei noch keiner durchgefallen, so die junge Lehrerin.

Mathe Abitur in Bayern: 2019 deutlich schwerer als im Vorjahr

In diesem Jahr hätten nun erstmalig einige der 40 Schüler, die sie im Abitur 2019 beim Lernen unterstütze, Angst, die Prüfung nicht zu bestehen. Sie habe mit den Schülern anhand der Prüfungen aus den Vorjahren gelernt. Eine andere Möglichkeit zur Vorbereitung bestehe kaum, so Cornean. Das Abitur von 2018 sei allerdings „ein Witz“ gewesen, im Vergleich zu den diesjährigen Aufgaben, die laut Cornean deutlich zu schwer waren.

Auch gebe es normalerweise immer Aufgaben, die für Schüler allen Könnens gut lösbar seien, damit auch die schlechtesten im Zweifel kein Durchfallen aufgrund eines einzigen Faches zu befürchten hätten. Diese Aufgaben hätten in diesem Jahr ebenfalls vollkommen gefehlt.

Mathe-Abi 2019 in Bayern zu schwer: Auswahl „zwischen Pest und Cholera“

Wie Cornean berichtet haben die Lehrer vor Beginn der Prüfung die Aufgabe, aus zwei Prüfungsentwürfen den aus ihrer Sicht geeigneteren für ihre Schüler auszuwählen. Dies ei in diesem Jahr der Wahl „zwischen Pest und Cholera“ gleichgekommen.

Die 26-Jährige befindet es als „unfair“, dass das Bestehen der Abiturprüfung vom Jahr der Einschulung abhängig ist und man entweder das Glück hat, wie im Jahr 2018, eine leichte Prüfung zu schreiben oder eben wie in diesem Jahr um die Note bangen zu müssen.

Video: Mathe-Rätsel - für welche Zahl steht der gelbe Kreis?

Diese Aufgabe aus einem IQ-Test befasst sich mit Formen, Farben und Zahlen. Für welche Zahl steht der gelbe Kreis?

Erstmeldung vom 4. Mai: Mathe-Abi zu schwer? Schüler starten Petition an bayerischen Schulen

„Jetzt befinden wir uns in der Phase der Verdrängung“, klagt die Ingolstädter Schülerin Alina W. Wie rund 37.000 bayerische Abiturienten ist sie am vergangenen Freitag (3. Mai 2019) zum Mathematik-Abitur angetreten. Klar, dass Nervosität und Aufregung da groß sind - doch all ihre Beruhigungsversuche schlagen fehl. Die diesjährige Prüfung war viel zu schwer! Darin sind sich Schüler und Lehrer einig.

Mathe-Abi 2019: „Es wird ein ernüchterndes Ergebnis“

„Es wird ein ernüchterndes Ergebnis“, prophezeit Alina. Während der Aufgabenbereich Analysis noch angemessen gewesen sei, seien insbesondere Geometrie und Stochastik problematisch gewesen. 

Mit dieser Einschätzung ist sie nicht allein; auch andere bayerische Abiturienten berichten, dass gerade die letzten beiden Prüfungsteile so schwer gewesen seien, wie in keiner der vergangenen Abiturprüfungen. Das wollen die Schüler so nun nicht auf sich sitzen lassen. Eine Petition an das bayerische Kultusministerium ist bereits gestartet.

Petition gegen zu schweres Mathe-Abi 2019 gestartet

„Wir Abiturienten bitten darum, den Notenschlüssel des Mathematik Abiturs in Bayern 2019 zu senken und dem Schwierigkeitsgrad anzupassen“, heißt es darin. 

Rückendeckung dürften die Schüler dabei auch von einigen Lehrern bekommen, die der plötzlich gestiegene Schwierigkeitsgrad ebenfalls überrascht hat. So erinnert sich auch Alina W., ihre Lehrerin habe am Morgen vor dem Abi gemeint, es sei machbar, wenn auch nicht so leicht wie 2018. Andere Mathelehrer dagegen seien nicht so bedacht gewesen; sie hätten die „ernüchternde Realität“ ausgesprochen. 

Reaktionen nach Abiturprüfung

Eine Realität, die viele Abiturienten offenbar ähnlich empfinden. Unmittelbar nach Abgabe der Prüfung hätten Resignation und Aufregung geherrscht, beschreibt Alina W. die Stimmung.  Andere Schüler berichten, an ihren Schulen hätte es außerdem Tränen gegeben, manche wären gar frühzeitig gegangen und alle wären verzweifelt gewesen. 

Und das alles trotz intensiver Vorbereitungen. „Davor dachte ich, dass eigentlich nicht komplett abwegige Aufgaben drankommen können und ich prinzipiell das meiste verstanden habe. Die Altklausuren bin ich ja auch mehrmals durchgegangen“, zeigte sich Alina W. vor der Klausur zuversichtlich. Nach dem Abi hätten sich aber alle über den im Vergleich zu den Vorjahren deutlich höheren Schwierigkeitsgrad aufgeregt. 

Nach Petition gegen zu schweres Abi: Noten sollten keine Glückssache sein

Nun bleibt den Jugendlichen nichts anderes übrig, als ihre Hoffnungen auf die Petition zu setzen. 20.000 Unterschriften haben sie auch bereits erzielt. Schließlich - so heißt es in den Kommentaren dazu - sollte es „keine Glückssache sein, welche Note man bekommt, abhängig von dem Jahr, in dem man schreibt“.

Bei Abitur-Prüfungen kommt es immer wieder zu kleineren oder größeren Pannen - so auch in diesen Fällen.

Testen Sie jetzt Ihr Wissen: Können Sie diese fiesen Abi-Fragen richtig beantworten?

Lesen Sie auch: AfD-Abgeordneter wirft Ayinger Bürgermeister „Nazi-Methoden“ vor

Nach der Entscheidung, eine Veranstaltung der AfD im Brauereigasthof Aying zu beherbergen, hagelte es Kritik im Ort. Nun hat die Familie Inselkammer reagiert.

Wieso sollte man es sich schwer machen als nötig? So dachte wohl eine Schülerin und holte sich für eine (fast) leere Seite eine Eins ab. Sie trickste ihren Lehrer aus. Aufsehen gibt es auch um eine Schülerin aus dem oberbayerischen Lenggries - sie hat ein „Nuller-Abi“ geschafft, wie Merkur.de* berichtet.

Video: IQ-Test - wie viele Quadrate sehen Sie?

*merkur.de und nordbuzz.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

kah

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