Überdosierung möglich

Kann Vitamin D vor einer Corona-Infektion schützen? Forscher zweifeln Studien an

Ein Vitamin-D-Mangel soll sich negativ auf den Verlauf einer Corona-Infektion auswirken. Dazu gibt es Studien. Experten zweifeln diese allerdings an. 

  • Corona und Vitamin D: Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen einem schweren Covid-19-Verlauf und Vitamin-D-Mangel - seriöse Belege gebe es allerdings nicht.
  • Corona*: In sozialen Medien verbreiten sich Tipps zur Einnahme von Vitamin-D-Präparaten.
  • Vorsicht: Eine Überdosierung von Vitamin D kann zu einer Vergiftung und Organschäden führen.

Update vom Freitag, 12.02.2021, 17.32 Uhr: Vitamin D stärkt das Immunsystem. In den letzten Monaten behaupteten Wissenschaftler und Ärzte immer wieder, dass ein Mangel sogar eine Corona-Infektion begünstige und den Krankheitsverlauf verschlimmere. Demnach wurde vielen Patienten geraten, täglich Vitamin-D-Tabletten einzunehmen. Doch Vorsicht: Es kann schnell zu einer gefährlichen Überdosierung kommen.

Einem Bericht der Tagesschau zufolge empfiehlt das Bundesinstitut für Risikobewertung eine Tageshöchstmenge von 800 i.E. (internationale Einheit) in Nahrungsergänzungsmitteln. Eine Überdosierung von Vitamin D kann massive Nebenwirkungen, beispielsweise Übelkeit, Kopfschmerzen, Herzrhythmusstörungen, Depressionen sowie dauerhafte Organschäden auslösen. Für die Behauptung, dass Vitamin D gegen das Corona-Virus schütze, gebe es zudem noch keine seriösen Belege.

30 Prozent der Deutschen leiden unter einem Vitamin-D-Mangel. Welche Auswirkungen kann das bei einer Corona-Infektion haben? (Symbolbild)

Das Bundesinstitut für Risikobewertungen und Deutsche Gesellschaft für Ernährung weisen darauf hin, dass aus den aktuellen Studien bisher keine wertvollen Hinweise geliefert wurden. Daher sollte man sich nicht darauf verlassen, dass eine regelmäßige Vitamin-D-Zufuhr auch wirklich vor einer Covid-19-Infektion schützt.

Studie: So beeinflusst Vitamin-D-Mangel den Krankheitsverlauf von Corona

Update vom Montag, 04.01.2021, 12.45 Uhr: Besonders im Winter ist der Mangel an Vitamin D bei vielen Personen erhöht, da sich viele Menschen in geschlossenen Räumen aufhalten und kaum ins Freie gehen.

Einige Studien haben bereits angedeutet, dass ein Vitamin-D-Mangel den Krankheitsverlauf des Coronavirus beeinflussen und sogar verschlimmern könnte. Nun wurde in einer aktuellen Studie aus Indonesien der Krankheitsverlauf sowie der Vitamin-D-Status von insgesamt 780 Corona-Patienten untersucht.

Corona-Infektion und Vitamin-D-Mangel: Forscher stellen höheres Sterberisiko fest

Die Forscher stellten fest, dass sich bei einem Mangel ein erheblich erhöhtes Sterberisiko ergab. Wie die Deutsche-Presseagentur (dpa) berichtet, sei das Risiko für einen tödlichen Verlauf im Vergleich zu normalen Vitamin-D-Spiegeln um das 19-fache erhöht. Gesundheitsexperte der SPD, Karl Lauterbach, überraschen diese Ergebnisse nur wenig - er erklärte bereits auf Twitter, dass ein Vitamin-D-Mangel das Immunsystem schwächt und der Krankheitsverlauf von Covid-19 negativ beeinflusst wird.

In einer weiteren Studie wurden 212 Corona-Infizierte anhand des Schweregrades der Erkrankung (mild, durchschnittlich, schwer und kritisch) in Gruppen eingeteilt und die Vitamin-D-Werte näher untersucht. Das Ergebnis dieser Studie zeigt: je niedriger der Vitamin-D-Wert, desto schwerer war der Krankheitsverlauf. Mit dieser Erkenntnis konnte schließlich bestätigt werden, dass Vitamin D einen bedeutsamen Einfluss auf den Verlauf der Covid 19-Erkrankung hat.

Vitamin-D-Mangel kann schweren Corona-Krankheitsverlauf begünstigen

Update vom Mittwoch, 18.11.2020, 15.19 Uhr: Hilft Vitamin D gegen Corona? Einige Studien deuten darauf hin, dass ein Vitamin-D-Mangel einen schweren Covid-19-Verlauf begünstigen könnte. Gefährdet für einen Vitamin-D-Mangel sind laut Robert-Koch-Institut vor allem ältere Personen, insbesondere solche, die in Pflegeheimen wohnen. Unter anderem, weil sie immobil sind, chronisch krank oder pflegebedürftig. Aber auch die Eigenproduktion von Vitamin D lässt mit zunehmendem Alter nach.

Große Mengen an Vitamin D einzunehmen, um sich gegen Corona zu schützen, ist hingegen nicht ratsam, denn bei einer übermäßig hohen Einnahme von Vitamin D kann es zu einer Vergiftung kommen. Der Grund: Vitamin D ist ein fettlösliches Vitamin und kann im Fett- und Muskelgewebe gespeichert werden. Bei einer zu hohen Vitamin-D-Dosierung entsteht im Körper ein erhöhter „Kalziumspiegel (Hyperkalzämie), der akut zu Übelkeit, Appetitlosigkeit, Bauchkrämpfen, Erbrechen oder in schweren Fällen zu Nierenschädigung, Herzrhythmusstörungen, Bewusstlosigkeit und Tod führen kann“, so das RKI.

Eine Vergiftung ist nach Angaben des RKI lediglich durch hoch dosierte Medikamenten, einem hohen Konsum an angereicherten Lebensmitteln oder einer Kombination der Varianten möglich. Wer wissen möchte, ob er an einem Vitamin-D-Mangel leidet, kann dies durch einen Bluttest beim Arzt herausfinden. Eine Corona-Studie zeigt, dass viele Erkrankten lediglich eine unscheinbare Beschwerde haben.

Schützt Vitamin D vor einem schweren Corona-Verlauf?

Update vom Dienstag, 17.11.2020, 13.04 Uhr: Wie sehr beeinflusst ein Mangel von Vitamin D den Verlauf einer Corona-Erkrankung? Wissenschaftler sind sich immer noch nicht einig. Mehrere Studien deuten darauf hin, dass viele Patienten mit schweren Covid-19-Erkrankungen auch an einem Vitamin D-Mangel litten.

Die britische Regierung ist offenbar von diesen Studien überzeugt. Wie die britische Zeitung The Guardian berichtet, will die Regierung um Premierminister Boris Johnson offenbar die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln empfehlen. Risikogruppen sollen darüber hinaus kostenlose Vitamin-Präparate erhalten. In Schottland ist dies jetzt schon der Fall.

Ist das auch für Deutschland eine Option? Viele Deutsche leiden an einem Mangel des sogenannten „Sonnenvitamins“. Laut Studien des Robert Koch-Instituts sind „30,2 % der Erwachsenen mangelhaft mit Vitamin D versorgt. Eine ausreichende Versorgung erreichen 38,4 % der Erwachsenen.“ Die Studie ist von 2016 und wurde im „Journal of Health Monitoring“ veröffentlicht.

Corona und Vitamin D: Forscher entdecken mögliche Zusammenhang

Update vom Mittwoch, 04.11.2020, 11.00 Uhr: Vitamin-D-Tabletten gegen Corona? Studien belegen einen angeblichen Zusammenhang zwischen einem schweren und sogar tödlichen Verlauf einer Covid-19-Erkrankung und einem Mangel an Vitamin D. Doch lässt das wirklich die Schlussfolgerung zu, dass Vitamin-D-Mangel eine Ursache für solch einen schlimmen Krankheitsverlauf ist? Oder handelt es sich lediglich um ein Symptom?

Vitamin D
Quelle:Bis zu 90 Prozent des benötigten Vitamin D wird durch Sonnenlicht produziert)
Symptome bei Mangel:Knochenschmerzen, Abnahme der Knochendichte, Störung des Kalzium- und Phosphatstoffwechselns, höhere Wahrscheinlichkeit für Depressivität, Atemwegsinfektionen
Wichtig für:Knochen, Immunsystem
ErnährungCirca 10 bis 20 Prozent kann durch Ernährung aufgenommen werden: fetter Seefisch, bestimmte Innereien, Speisepilz, Ei

Eine aktuelle Studie aus Spanien belegt, dass etwa 80 Prozent der im Krankenhaus behandelten Covid-19-Patienten auch unter einem Vitamin-D-Mangel leiden. Unklar allerdings bleibt, ob der Mangel an Vitamin D ursächlich für den schwereren Covid-Verlauf ist, ihn begünstigt oder der Mangel erst durch die Infektion mit dem Coronavirus entstanden ist. Die Studie wurde im „Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism“ veröffentlicht.

Helfen Vitamin-D-Präparate gegen eine Corona-Erkrankung?

Die Annahme, dass das Einnehmen von Vitamin-D-Präparaten gegen das Coronavirus helfen könnte, kursiert schon seit Ausbruch der Pandemie - und zwar in Whats-App-Kettenbriefen und weiteren sozialen Netzwerken. Nicht das, was man als eine zuverlässige Quelle einordnen sollte.

Das Deutsche Gesundheitsportal, ein StartUp, welches verspricht, die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse in verständlicher Sprache zugänglich zu machen, hat über eine solche Studie berichtet. Der Original-Titel lautet: “Association of Vitamin D Status and Other Clinical Characteristics With Covid-19 Test Results“. In der Studie war ein Vitamin-D-Mangel mit einem höheren Risiko auf eine Covid-19-Erkrankung verbunden.

Neu Studie zu Corona und Vitamin-D-Mangel

Hans K. Biesalski von der Universität Hohenheim hat mit seinem Team 30 Studien miteinander verglichen und einen möglichen Zusammengang zwischen einem Mangel an Vitamin D und einem schweren Verlauf von Covid-19* festgestellt. Demzufolge ist das Risiko, schwer an dem Coronavirus zu erkranken, für Menschen mit einem niedrigen Vitamin-D-Spiegel höher als für Personen mit einem normalen Wert.

Aber genau hier ist der Fallstrick, denn ein solcher Zusammenhang heißt noch lange nicht, dass Vitamin-D-Mangel eine Ursache für einen schweren Covid-19-Verlauf ist. Denn viele Grunderkrankungen gehen mit einem Mangel an Vitamin-D einher und auch ältere Menschen weisen vermehrt einen solchen Mangel auf. Beide zählen zu den Risikogruppen bei Corona.

Corona und Vitamin-D-Mangel: Ältere Menschen leiden besonders oft Vitamin-D-Mangel

Das „Robert-Koch-Institut“ listet folgende Gruppen als Risikogruppen für einen Vitamin-D-Mangel auf:

  • Personen, die selten im Freien sind, weil sie etwa nicht mobil sind, chronisch krank oder pflegebedürftig.
  • Dazu zählen: alte Menschen, vor allem, wenn sie in Pflegeheimen leben.
  • Insgesamt sind ältere Menschen gefährdet, weil die Eigenproduktion von Vitamin D im Alter nachlässt.
  • Säuglinge.
  • Menschen, die chronische Magen-Darm, Leber- oder Nierenerkrankungen haben.
  • Personen, die bestimmte Medikamente einnehmen (zum Beispiel: Antiepileptika, Zytostatika).

Demzufolge ist Vitamin-D-Mangel ein Symptom und Begleiteffekt der zugrundeliegenden Vulnerabilität, aber keine Ursache für einen besonders schweren Verlauf von Covid-19. Denn die Personen mit Vitamin-D-Mangel sind oftmals in der Risikogruppe für Infektionskrankheiten. Das bedeutet, dass Tipps zum Schlucken von Vitamin-D-Präparaten, um nicht an Covid-19 zu erkranken, fahrlässig sind. Quelle hierfür ist ein Bericht von SWR3.

Vitamin D: Wichtig für Immunsystem und Gesundheit - und möglicherweise bei einer Corona-Infektion

Nichtsdestotrotz, Vitamin D ist wichtig für die Gesundheit und das Immunsystem. Dem Robert-Koch-Institut zufolge ist das Bilden von Vitamin D nur von März bis Oktober, also in den hellen Monaten, möglich. Um einem Mangel an Vitamin D das ganze Jahr über entgegenzuwirken, empfiehlt das RKI quasi für die Wintermonate „vorzusorgen", denn der Körper kann nicht nur den akuten Bedarf decken, sondern auch Reserven für das Winterhalbjahr anlegen.

Laut dem RKI soll man zwei- bis dreimal pro Woche zwischen März und Oktober Gesicht, Hände und Arme unbedeckt und ohne Sonnenschutz der Sonne aussetzen. Dabei reicht bereits die Hälfte der Zeit, in der ansonsten Sonnenbrand entstehen könnte. Denn bei längerem Aufenthalt in der Sonne muss unbedingt Sonnenschutz gewährleistet werden.

Corona und Vitamin D: Studie zeigt offenbar Zusammenhang

Eine andere Möglichkeit sind laut dem RKI - wenn ein gesunder Vitamin-D-Spiegel weder durch Eigenproduktion oder Ernährung gegeben ist - Nahrungsergänzungsmitel. Diese Einschränkung sei dem RKI zufolge wesentlich, da ein zu hoher Vitamin-D-Zufuhr zu einer Überdosierung führen kann - eine Vergiftung, die Übelkeit, Erbrechen, aber auch schwere Folgen wie Nierenschäden, Herzrhythmusstörungen, Bewusstlosigkeit oder gar zum Tod führen kann.

Bisher galt, dass Schwangere nicht zur Corona-Risikogruppe zählen*. Eine falsche Annahme? Inzwischen werden Langzeitfolgen für Babys befürchtet. (Katharina Ahnefeld, Alina Schröder und Diana Rissmann) *hna.de und merkur.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © Frank Rumpenhorst/dpa

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