Hebt nicht mehr ab

Boeing stellt Produktion der einst weltgrößten Passagiermaschine ein - Sondermodell besonders bekannt

Eine Passagiermaschine vom Typ Boeing 747 der Lufthansa startet vor dem Frankfurter Messeturm zu einem Transatlantikflug. Der US-Flugzeugbauer Boeing stellt die Produktion seines Jumbo-Jets 747 nach mehr als 50 Jahren ein.
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Eine Passagiermaschine vom Typ Boeing 747 startet. Der US-Flugzeugbauer stellt die Produktion ein.

Boeing wird ab 2023 keine neuen Modelle des Jumbo-Jets 747 mehr produzieren. Die Corona-Krise hat den US-amerikansichen Flugzeugbauer hart getroffen.

  • Der US-amerikanische Flugzeugproduzent Boeing leidet hart unter den Folgen der Corona*-Pandemie.
  • Die Produktion des Modells 747 wird wegen nachlassender Nachfrage nicht mehr hergestellt.
  • Boeing leidet schon länger. Zwei Flugzeugabstürze von Boeing-Maschinen hatte dem Konzern zugesetzt.

Chicago - Der US-amerikanische Flugzeugbauer Boeing stellt die Produktion des auf eine lange Geschichte blickende Modell Jumbo 747 offizielle ein. Über 50 Jahre lang wurden die Jets hergestellt. Boeing teilte in Chicago am Mittwoch (29. Juli) mit, dass die letzten 747-Modelle 2022 gebaut würden. Konzernchef Dave Calhoun erklärte, dass die zu geringe Nachfrage, Boeing zu dieser Entscheidung getrieben hätte. Vor gut 50 Jahren hob zum ersten Mal ein Jumbo-Jet 747, im Jahr 1969, ab. Damals galt das Modell als die größte Passagiermaschine der Welt.

Schon seit Jahren zog Boeing in Erwähnung, den früher als „Königin der Lüfte“ gefeierten Jumbo aufgrund mangelnder Nachfrage aufzugeben. Zuletzt wurden nur sechs Maschinen pro Jahr hergestellt. Zudem produzierte Boeing praktisch nur noch Modelle in der Frachtversion. Doch auch ein ganz besonders Passagierflugzeug ist ein Jumbo-Jet 747. Donald Trump reist mit der Air Force One in einem Sondermodell des Flugzeugs.

Wegen Corona-Krise: Boeing stellt Produktion des Modells 747 ein

Hinzu kommt, dass der US-Luftfahrtriese schwer angeschlagen ist und sparen muss. Die Corona*-Pandemie und der Eklat um den nach zwei Abstürzen mit Flugverboten belegten Krisenjet 737 Max haben Boeing tief in die roten Zahlen getrieben. Im zweiten Quartal stand unterm Strich ein Verlust von 2,4 Milliarden Dollar (rund 2 Milliarden Euro), wie der Flugzeugbauer erklärte. Im Jahr zuvor hatte der Konzern wegen hoher Sonderkosten aufgrund des Unglücksfliegers 737 Max ein Rekordminus von 2,9 Milliarden Dollar verzeichnet. Der Umsatz fiel verglichen mit dem Vorjahreswert um ein Viertel auf 11,8 Milliarden Dollar.

Jumbojet-Modelle 747-100 (1969) und 747-8 (2020) im Vergleich.

Boeing-Chef Dave Calhoun warnte, dass die Konsequenzen der Corona-Krise* noch nicht überwunden seien. „Die Herausforderungen, denen wir als Unternehmen gegenüber stehen, sind nicht ausgestanden“, so Calhoun. Jetzt will Boeing die Produktion seiner Langstreckenjets noch weiter zurückfahren. So sollen im kommenden Jahr monatlich nur noch sechs Exemplare des Langstreckenjets 787 „Dreamliner“ fertiggestellt werden. Die Produktion der noch größeren Boeing 777 und ihrer Neuauflage 777X soll auf zwei Maschinen pro Monat sinken. Die Auslieferung der ersten 777X erwartet Boeing nun erst im Jahr 2022, damit wird die Premiere erneut verschoben. Die Produktion der 737 Max läuft derweil langsamer als geplant wieder an.

Coronakrise setzt der Flugbranche stark zu - Beoing schreibt rote Zahlen

Während beim Unglücksflieger zuletzt immerhin die Hoffnung auf eine baldige Wiederzulassung stieg, dürfte die Corona-Krise den Luftverkehr und damit auch Boeing noch länger stark belasten. Im ersten Halbjahr stornierten Airlines zahlreiche Aufträge. Angesichts der erneuten Corona-Eskalation in einigen US-Bundesstaaten und anderen Teilen der Welt ist keine rasche Erholung in Sicht. „Die Realität ist, dass die Auswirkungen der Pandemie auf die Luftfahrt weiterhin schwerwiegend sind“, erklärte Boeing-Chef Calhoun.

Hoffnung gibt es zumindest beim wichtigsten Modell 737 Max, das wegen zweier Abstürze mit insgesamt 346 Toten seit über einem Jahr nicht starten darf und nicht ausgeliefert werden kann. Hier rechnet das Boeing-Management mit einer baldigen Wiederinbetriebnahme, die US-Luftfahrtbehörde hatte zuletzt die Schlussphase des Verfahrens zur Wiederzulassung eingeleitet. Der Zeitpunkt ist dennoch unglücklich, denn ausgerechnet jetzt lässt die Corona-Pandemie die Nachfrage nach neuen Jets wegbrechen, so dass viele Bestellungen ungewiss sind.

Video: Boeing kann mit Testflügen der 737 Max beginnen

Die 737-Max-Unglücke haben zudem das Vertrauen in Boeing erschüttert und enorm am Image des Unternehmens gekratzt, das bis zu den Abstürzen als erfolgsverwöhnter Vorzeigekonzern und Triebkraft der US-Wirtschaft galt. Als Unfallursache wurde in den bisherigen Untersuchungsberichten eine defekte Steuerungssoftware ausgemacht. Boeing steht im Verdacht, die 737 Max überstürzt auf den Markt gebracht und die Sicherheit vernachlässigt zu haben. Der Ruf dürfte sich auch bei einer Wiederzulassung so schnell nicht erholen.

Die Corona-Pandemie hat der internationalen Wirtschaft schwer zugesetzt. Doch in Deutschland scheint sich die Situation zu bessern. Ein Volkswirt lobt die deutsche Methode. (lb mit dpa) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netwerks

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