Ex-Automanager

Carlos Ghosn soll in Kiste versteckt aus Japan geflohen sein

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Carlos Ghosn soll laut japanischen Medienberichten in einer Kiste versteckt aus Japan in den Libanon geflohen sein. Foto: Eugene Hoshiko/AP/dpa

Nach der filmreifen Flucht des in Japan angeklagten Ex-Automanagers Carlos Ghosn in den Libanon kommen immer mehr Details ans Tageslicht. Während in Beirut mit Spannung auf Ghosns Erklärung gewartet wird, schließt Japan Sicherheitslücken.

Tokio - Der frühere Automanager Carlos Ghosn soll in einer Kiste versteckt aus Japan in den Libanon geflohen sein. Zu der Flucht mit einem Privatjet hätten ihm zwei hierzu eingereiste Amerikaner geholfen, berichteten japanische Medien unter Berufung auf Ermittlerkreise.

Dies habe die Analyse von Aufnahmen mehrerer Sicherheitskameras ergeben. Der ehemalige Vorstandschef des französisch-japanischen Autobündnisses Renault-Nissan-Mitsubishi hatte in Japan unter Anklage gestanden, war aber gegen eine Kaution auf freiem Fuß, als er im vergangenen Monat die Flucht ergriff.

Ghosn habe sein Haus in Tokio am 29. Dezember allein verlassen und sei rund 800 Meter zu einem Hotel gegangen, wo er zwei Amerikaner getroffen habe, berichtete der Fernsehsender NHK. Nach Informationen der "New York Times" soll es sich bei einem der beiden um Michael Taylor, einem US-Sicherheitsberater und früherem Mitglied der US-Spezialeinheit Green Berets, handeln. Die beiden Helfer seien an jenem Morgen von Dubai kommend mit einem Privatjet auf dem Internationalen Flughafen Kansai in Osaka gelandet. Sie hätten in der Nähe in einem Hotel eingecheckt und eine große Kiste dabei gehabt.

Später seien sie mit dem Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen von Osaka nach Tokio gefahren. Anschließend sei Ghosn mit ihnen per Shinkansen von Tokio zurück nach Osaka zum Hotel gefahren, hieß es in japanischen Medienberichten weiter. Zwei Stunden später hätten die Amerikaner mit zwei großen Kisten das Hotel verlassen. Ghosn sei nicht zu sehen gewesen. Die Kisten seien als Gepäck für Musikinstrumente deklariert gewesen und am Flughafen nicht durchleuchtet worden. Auch am Zoll seien sie nicht geöffnet worden.

Der Privatjet sei gegen 23.10 Uhr Ortszeit Richtung Türkei gestartet. Japans Behörden gehen davon aus, dass Ghosn in einer der beiden Kisten versteckt war. Transportminister Kazuyoshi Akaba kündigte am Dienstag an, dass in Zukunft große Gepäckstücke von Passagieren von Privatflugzeugen inspiziert werden müssen. Die japanische Staatsanwaltschaft erwirkte einen Haftbefehl gegen Ghosns Frau Carole. Ihr werde vorgeworfen, im vergangenen April bei einer Befragung durch die Staatsanwaltschaft vor Gericht Falschaussagen gemacht zu haben, berichtete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo.

Carole Ghosn hatte immer wieder die Haftbedingungen ihres Mannes in Japan scharf kritisiert und angezweifelt, dass er einen fairen Prozess bekomme. Sie hatte sogar US-Präsident Donald Trump sowie Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron um Hilfe in dem Fall gebeten. Eine Bedingung für Ghosns Entlassung aus der monatelangen Untersuchungshaft gegen Kaution war gewesen, dass er weder Japan verlässt, noch ohne Erlaubnis Kontakt zu seiner Frau aufnimmt.

Japans Justizministerin Masako Mori erklärte, Ghosn habe das Land mit "illegalen Methoden" verlassen. Er nutzte für seine Flucht Jets der türkischen Firma MNG, wie die Charterfirma am Freitag bekanntgab. Die Maschinen - eines für die Strecken Dubai-Osaka und Osaka-Istanbul sowie eines für die Reise von Istanbul nach Beirut - seien "illegal" benutzt worden. Das Unternehmen habe Anzeige erstattet, "um jene zu belangen, die beteiligt waren". Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu hatte berichtet, dass in der Türkei sieben mutmaßliche Helfer festgenommen worden seien, darunter vier Piloten. Ghosn hat die französische, brasilianische und libanesische Staatsangehörigkeit.

Ghosn hat sich bislang nicht dazu geäußert, wie ihm die Flucht über die Türkei in den Libanon gelang. Er will sich jedoch an diesem Mittwoch in Beirut vor der Presse erklären. Er sei "nicht länger eine Geisel des manipulierten japanischen Justizsystems", hatte er in einer ersten Stellungnahme betont. "Ich bin dem Unrecht und politischer Verfolgung entkommen." Am 19. November 2018 war Ghosn in Tokio wegen Verstoßes gegen Börsenauflagen festgenommen und angeklagt worden. Zudem soll er private Investitionsverluste auf Nissan übertragen haben. Ghosn hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen.

Im April war er auf Kaution entlassen worden - unter strengen Auflagen, um zu verhindern, dass er flieht oder Beweismaterial vertuscht. Unter anderem wurde ihm verboten, das Land zu verlassen. Die von ihm hinterlegte Kaution in Höhe von 1,5 Milliarden Yen (12,4 Millionen Euro) behält der japanische Staat ein. Das beschloss das Bezirksgericht in Tokio am Dienstag. Der japanische Renault-Partner Nissan will trotz der Flucht weiter rechtlich gegen Ghosn vorgehen, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Man werde angemessene rechtliche Schritte ergreifen, um "Ghosn für den Schaden, den sein Fehlverhalten Nissan verursacht hat, zur Verantwortung zu ziehen".

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