„Gefährlich sauber - die Risiken des Putzwahns“

ZDF-Doku: Deshalb sind Putzmittel-Duftstoffe gefährlich für unsere Gesundheit

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Da geht der Überblick schnell verloren: Reinigungsmittel gibt es in allen möglichen Varianten.

Über Putzorgien freut sich das traute Heim. Doch Gesundheit und Umwelt werden durch Reinigungsmittel in Mitleidenschaft gezogen.

München - Sauberkeit allein ist nicht alles. Denn auch schön duften soll es - vor allem im eigenen Heim. Doch der Putzfimmel vieler Deutscher hat auch seine Schattenseiten - wie das ZDF in seiner Dokureihe „planet e“ unter dem Titel „Gefährlich sauber - die Risiken des Putzwahns“ offenbart. Demnach zahlten Verbraucher hierzulande im vergangenen Jahr etwa 4,8 Milliarden Euro für Haushaltspflege-Produkte. Dabei gefährden viele Stoffe in diesen Putzmitteln Gesundheit und Umwelt.

Gewarnt wird besonders vor den Duftstoffen, die etwa das Zitronen- oder Orangenaroma verbreiten. Die in dem Film als Vertreterin der Verbraucher zu sehende Arzthelferin Ilonka Raith bringt es auf den Punkt: „Dieser gute Geruch ist für mich ein Gefühl von Sauberkeit. Essiggeruch ist ein bisschen unangenehm.“ Was sie allerdings wie viele andere Privatputzer nicht ahnt: Gerade diese Duftstoffe können Allergien und Unverträglichkeiten auslösen.

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ZDF-Doku über Putzmittel: Eine halbe Million Duftstoffallergiker in Deutschland

So zitiert das ZDF eine Studie des Umweltbundesamtes, wonach mindestens eine halbe Million Duftstoffallergiker in Deutschland leben. Das wäre etwa jeder 170. Bürger. Bis zu 200 verschiedene Duftstoffe würden in den diversen Haushaltspflegemitteln - also Wasch-, Reinigungs- und Geschirrspülmittel - untergemischt.

Gerade einmal 26 dieser Duftstoffe müssen jedoch auf den Verpackungen angegeben werden. So schreibt es die EU vor, die diese Auswahl für „besonders stark allergieauslösend“ hält. An der Spitze dieser potenziellen Krankmacher stehen demnach Eichenmoosextrakt, Baummoosextrakt, Lyral und Isoeugenol.

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Reinigungskräfte mit deutlich höherer Sterberate als Büroangestellte

Besonders gefährdet sind die Reinigungskräfte, die den Stoffen eben mehrere Stunden pro Tag ausgesetzt sind. So soll die Sterberate für Menschen, die in der Reinigungsbranche ihr Geld verdienen, einer Studie der Universität Brüssel zufolge bis zu 45 Prozent höher sein als bei Büroangestellten. Allerdings seien die Gründe für diese Schockzahl noch nicht ausreichend erforscht. Das erhöhte Risiko von Atemwegserkrankungen wird jedoch in erster Linie auf den Einsatz von Sprays, Bleichmitteln und Wachsen zurückgeführt.

Von Ersterem rät auch Prof. Michael Braungart dringend ab. Der Chemiker und Nachhaltigkeitsforscher der Leuphana Universität Lüneburg verweist darauf, dass beim Sprühen sogenannte Aerosole - also kleinste feste und flüssige Stoffe in Gasen - eingeatmet würden. „Das Zeug ist für die Umwelt und für die Gesundheit ein großes Problem“, moniert Braungart: „Viele Inhaltsstoffe der Putzmittel bauen sich nicht ab. Sie reichern sich zum Beispiel auch im menschlichen Fettgewebe an, in Muttermilch finden wir viele Inhaltsstoffe, vor allem Duft- oder Aromastoffe.“ Und so leidet auch der noch ungeborene Nachwuchs.

Vorsicht bei der Anwendung: Sprays sind besonders gefährlich, weil sie sich auch in der Luft verbreiten.

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Durch Putzmittel: 530.000 Tonnen Chemikalien landen im Abwasser

Auf unsere Nachfahren kommt aber auch noch ein ganz anderes Problem zu. So landen jährlich unfassbare 530.000 Tonnen Chemikalien in unserem Abwasser. Zu allem Überfluss sind die noch aus den 90er Jahren stammenden Kläranlagen gar nicht in der Lage, bestimmte Stoffe abzubauen. Folglich gelangen gewisse Stoffe eben auch in unser Trinkwasser.

Das sei aktuell noch nicht problematisch, erklärt Thomas Fundneider von der TU Darmstadt. Aber: „Die Generationen nach uns werden sich weiterhin mit diesem Problem beschäftigen müssen.“

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Haushaltsberaterin rät in ZDF-Doku: Weniger Putzmittel in geringeren Dosierungen nutzen

Dem kann jeder Verbraucher entgegenwirken. Etwa mit dem Gebrauch von weniger Putzmitteln in geringeren Dosierungen. Dafür wirbt Birgit Vetter. Denn die Haushaltsberaterin weiß: Es geht um unsere Gesundheit und unser aller Umwelt. „Es reicht ein Oberflächenmittel, ein Sanitärreiniger, ein Spülmittel und vielleicht noch Zitronensäure“, umreißt sie den Kreis an Reinigern, der für ein sauberes Heim sorgen kann. Herd- oder Backofenreiniger kommen ihr dagegen nichts ins Haus.

Auch von Schwämmen rät Vetter ab. Grund: In denen würden sich viele Bakterien einnisten. Besser sind Vliestücher, Edelstahlschwämme oder auch Spülbürsten. Und ein wichtiger Tipp der Expertin bei der Reinigung: „Man sprüht nie auf den Gegenstand, man sprüht immer auf den Lappen.“ 

Vetter setzt auf vier Faktoren: das geeignete Reinigungsmittel, die richtige Anwendung, die korrekte Einwirkungsdauer sowie die verwendete Wassermenge und -temperatur. So klappt es mit dem sauberen und gesundheitsfördernden Heim.

Auch diese Tipps sind hilfreich: So sollten Sie Ihre Putzmittel niemals dosieren.

mg

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